MEDIZINISCHE FORTBILDUNG & KARRIERE | Ärztezentrum

FotoS: Flughafen wien

Arbeiten am Drehkreuz zwischen Ost und West

Flughäfen haben eine besondere Aura, verbinden sie doch wie kaum ein anderer Ort Fernweh mit Ankommen, Menschen mit Technik und Fremdes mit zu Hause. Hier seinen Arbeitsplatz zu haben, schafft nicht nur für Flugpersonal einen magischen Anziehungspunkt. Ein neues Ärztezentrum am Flughafen Wien Schwechat bietet das besondere Ambiente bald auch für Mediziner.

Der Flughafen Wien-Schwechat ist nur 18 Kilometer vom Wiener Stadtzentrum entfernt. Das Einzugsgebiet für Passagiere im Umkreis von rund zwei Stunden Fahrzeit umfasst neben Österreich auch Teile Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Sloweniens – eine Region mit rund 11,8 Millionen Einwohnern. Das Flughafengelände umfasst 10 km2 und ist jährlich An- und Abflugpunkt für rund 23,4 Mio. Passagiere und 74 Airlines. Zudem finden sich rund 80 Shops und 20 Gastronomiebe- triebe am Gelände. Insgesamt sind derzeit rund 20.000 Mitarbeiter am Flughafen beschäftigt, davon nicht ganz ein Viertel bei der Flughafen Wien Gruppe.

Passagiere oder Mitarbeiter sind am Flughafen Wien derzeit mit einem Medical Center in der Ankunftsebene gut versorgt, wenn es um kleinere oder größere medizinische Anliegen oder eine kostenlose telefonische Impfberatung geht. Für Notfälle steht täglich 24 Stunden ein Notarztwagen bereit, der mit einem Notarzt sowie zwei Notfallsanitätern besetzt ist. Eine Apo- theke am Flughafen fungiert als Nahversorger für pharmazeutische Produkte.


Mehr als ein Wahlarztzentrum

Doch dabei soll es künftig nicht bleiben: Für die Mitarbeiter am Standort und die lokale Bevölkerung im Einzugsgebiet der Gemeinden rund um Schwechat entsteht 2018 ein Wahlarztzentrum der Extraklasse. Leistbare Wahlarztversorgung für alle Mitarbeiter heißt die Devise und soll für eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu leistbaren Tarifen sorgen. Das künftige Ärztezentrum ist weit mehr als nur ein Dach für unterschiedliche Facharztdisziplinen. „Wir woll- ten nicht einfach ein Wahlarztzentrum bauen und dann die Ordinationen vermieten“, gibt Dr. Günther Ofner, Vorstandsdirek- tor der Flughafen Wien AG, Einblick in das engagierte Projekt. „Vielmehr geht es uns darum, für die vielen Menschen, die täglich am Flughafen arbeiten, eine medizinische Anlaufstelle zu bieten, die sich schwerpunktmäßig den Fragen der Präven- tion und Vorsorge widmet.“ Besonders attraktiv ist der One-Stop-Shop-Gedanke hinter dieser Idee: „Gerade Pendler suchen sich ihre Nahversorger in der Umgebung des Arbeitsplatzes. Wir wollen uns als Gesundheits-Nahversorger positionieren, sodass Mitarbeiter ihre Arztbesuche praktisch am Weg von oder zur Arbeit einplanen können.“


Betriebliche Gesundheitsvorsorge

Zum Start werden rund 20 Fachärzte und mindestens ein Allgemeinmediziner zur Verfügung ste- hen. Im ersten Ausbauschritt werden ein komplett eingerichtetes Labor sowie eine Röntgenordina- tion die Arbeit der Mediziner unterstützen. Im Vollausbau sind auch CT- und MRT-Großgeräte ge- plant.

Dazu ist es erforderlich, dass viele unterschiedliche Fachrichtungen im neuen Ärztezentrum vertreten sein werden, und auch hier wird wieder der Schwerpunkt auf Prävention liegen. Alle Disziplinen, die sich mit sogenannten „Volkskrankheiten“ beschäftigen, werden am Flughafen unter einem Dach zusammenarbeiten: Vom Internisten über den Kardiologen bis hin zu Orthopäden oder Kinderärzten wird ein breit gefächertes Angebot zur Verfügung stehen. Kleinchirurgische Ein- griffe wie etwa die Entfernung von Muttermalen sollen ebenso möglich sein wie Flugtauglichkeit- suntersuchungen für Piloten und Flugpersonal. „Für schwangere Mitarbeiterinnen wollen wir auch im Bereich der Pränataldiagnostik medizinische Vorsorgemöglichkeiten schaffen“, ergänzt Ofner. Schluss ist bei der Diagnostik aber noch lange nicht, denn auch im therapeutischen Bereich will die Flughafen Wien AG passende Angebote schnüren, wie etwa alternativmedizinische Therapien oder Coachings.


Gesund im Club

Auch organisatorisch wird das Ärztezentrum am Flughafen Wien Schwechat einen innovativen Weg gehen. Als Club organisiert, können die Patienten privatmedizinische Leistungen zu Kassen- tarifen in Anspruch nehmen. Die jährliche Clubmitgliedschaft soll unter 300 Euro liegen und steht allen Interessenten offen. Die knapp 5.000 Beschäftigten der Flughafen Wien AG werden eine Förderung auf den Mitgliedsbeitrag erhalten. „Es ist uns wichtig, dass sich sowohl Angestellte als auch Arbeiter diese Arztbesuche leisten können“, sagt Ofner. Die Vorteile für die Clubmitglieder liegen auf der Hand: kurze Wartezeiten für hochwertige medizinische Angebote an einem Standort.

Eigentümer und Betreiber des Ärztezentrums ist die Flughafen Wien AG, die auch alle Investitions- güter sowie die Verbrauchsmaterialien zur Verfügung stellen wird. „Die eingemieteten Ärzte brauchen sich administrativ und organisatorisch um nichts kümmern und können sich auss- chließlich den Patientenkontakten widmen“, beschreibt der Vorstandsdirektor die Vorteile für die Mediziner. Eine moderne IT-Infrastruktur wird für den reibungslosen Ablauf der Patientenadminis- tration, für kurze Wartezeiten und die optimale Planung der Auslastung sorgen. Die geschätzte Ka- pazität liegt bei rund 12.000 Patienten. Zum Start wird allen Mitarbeitern der Flughafen Wien- Gruppe eine Halbjahresmitgliedschaft vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, wodurch bereits bei Eröffnung mit knapp 5.000 Mitgliedern ein attraktives Umfeld für die Ärzte geschaffen wird. Langfristig denkt Ofner bereits weiter: „Der Ausbau hin zu einer Airportklinik und Angebote für den internationalen Medizintourismus stehen bereits auf der To-do-Liste.“rh