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Drei Sidesteps ins Paradies

Foto: Istockphoto/Givaga, istockphoto/ Gwen- goat

Viele wählen die ausgetretenen Touristenpfade aus den Reiseführern. Doch gerade in Sri Lanka sind kleinere Sidesteps einfach möglich und äußerst lohnend.

Sri Lanka bietet viel: paradiesische Strände, unberührte Natur, eine hervorragende Küche und kulturelle Highlights wie das Tempeldreieck im Landesinneren. Zudem ist die Insel im Indischen Ozean nicht viel größer als Österreich und somit sind die Distanzen überschaubar und leicht zu bewältigen. Zu den Orten, die man – auch bei einem Kurztrip – keinesfalls aus- lassen sollte, zählen Kandy, Ella oder Galle.


Kandy, Stadt der Könige

Zentral in den Bergen gelegen ist die ehemalige Hauptstadt des Königreiches „Kanda Uda Rata“ einfach in drei bis vier Stunden von Colombo aus zu erreichen. Über fast fünf Jahrhunderte regierten hier zwölf Monarchen das historische „Kö- nigreich der Berge“, bis 1815 der letzte König abdanken musste. Heute zählt der Palastkomplex, der eine Zahnreliquie Buddhas aufbewahrt, zu einer der wichtigsten und lebendigsten Pilgerstätten der Buddhisten. Die vielen tief ins Gebet ver- sunkenen Gläubigen mit ihren Ritualen und Gesängen sind schon ein ergreifendes Ereignis an sich. Allerdings bietet der weniger beachtete und in die Jahre gekommene, alte vorgelagerte Palastteil mit seinem schattenspendenden Bodhi-Baum einen wunderbaren Kontrapunkt zum Gedränge rund um die Zahnreliquie.


Sidestep 1:

Der Schatten des Bodhi-Baumes

Der Baum der Erleuchtung – der Bodhi-Baum – wird in jeder Tempelanlage verehrt, denn es war ein Ficus religiosa, eine Pappelfeige, unter der Buddha saß, als er in Indien Erleuchtung fand. Die mit Fahnen geschmückten Buddha-Bäume sind Ruhepole und Orte der gelebten Verehrung zugleich. Räucherstäbchen werden zur Reinigung, Blumen als Zeichen der Vergänglichkeit und Kerzen als Symbol des strahlenden Lichts geopfert. Viele stecken aber auch kleine Zettel mit Wün- schen in die Zwischenräume der Luftwurzeln, mit Botschaften an die Himmelswesen, die diese Bäume bewohnen sollen.

Im Schatten dieser heiligen Bäume zu sitzen, den Blick über die Jahrtausende alten Tempelgemäuer wandern zu lassen und sich als Teil dieser Kultur zu fühlen, sodass sich die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzulösen scheinen, das ist wahrer Luxus und ein erhebendes Gefühl. Zumal in den Tempeln von Anaradhapura in Sri Lanka der Sri Maha Bodhi steht, der älteste Bodhi-Baum Asiens, der ein Ableger des echten indischen Buddha-Baumes sein soll.


Galle, das Tor zur Welt

Die Stadt Galle ist von den Stränden des Südens wie Unawatuna oder Weligama – mit den berühmten Stelzenfischern und den Wale Watching Touren in Mirissa – ein lohnender Tagesausflug. Mit dem Tuktuk einfach zu erreichen, gibt es innerhalb der holländischen Fortmauern eine überschaubare Anzahl an Sehenswürdigkeiten: Das holländisches Fort selbst mit Uhr- turm, eine Altstadt im Kolonialstil, ein Leuchtturm und einige kleine Museen bietet das Unesco Weltkulturerbe – und vor al- lem eine fast verkehrslose Ruhe, wie sie sonst in keiner anderen Stadt Sri Lankas zu finden ist. Denn Sri Lankas Städte können für Europäer vor allem eines: alle Sinne reizen. Laute Hup- und Schreikonzerte belasten die ruhegewohnten Ohren. Der blaue Dunst der Abgase überfordert die geruchsneutral verwöhnten Nasen. Und Straßen voller Betonbaracken stören die barockverwöhnten Augen. Kurzum: Sri Lankas Städte sind laut, arm, abgasreich und hektisch. Doch in Galle, innerhalb der alten Fortmauern, ist das anders.

Als Sitz der Niederländischen Ostindien Company wurde die Hafenstadt ab 1640 zum Tor in die Welt, wobei Galle bereits unter den Persern, Arabern, Römern und Griechen ein bedeutender Seehafen war. Heute ist die Altstadt ein überaus se- henswertes Schmuckkästchen mit liebevoll restaurierten Kolonialhäusern für Touristen. Helle Fassaden, schattige Säulen- gänge, noble Holzläden und barocker Stuck begleiten Besucher durch die engen Gässchen. Der Reichtum von einst ist noch spürbar. Kleine Museen wie zum Beispiel das Historical Mansion, das mehr Sammellager als Kulturraum ist, geben zudem einen guten Einblick in das Leben vergangener Tage. Einheimische sind hier allerdings kaum zu finden. Diese tum- meln sich lieber rund um die Festungsmauern, genießen den frischen Wind und die Schönheit des Sonnenuntergangs am Meer.

Wer die unendlichen Weiten des Indischen Ozeans ganz für sich haben will, der kann das besonders gut am östlichsten Zipfel der Südküste. Hier gibt es sie noch, die kilometerlangen, unberührten Sandstrände, menschenleer und ganz ohne Hotels.

Sidestep 2:

Das unberührte Meeresrauschen

Willkommen im Paradies, willkommen im Zwischenraum. Da, wo nichts ist. Nichts als Sand, nichts als Wellen und nichts als Meer. Unberührte Natur. Eben da ist unweit von Tangalle, einsam direkt am Strand gelegen, das Nature Lanka Resort. Ein Haus mit gerade einmal einer Handvoll Zimmern, von ein paar Hektar Urwald umgeben. Ein Platz, um alles hinter sich zu lassen. Um ganz einzutauchen in die Elemente Wasser, Luft und Ayurveda. Hier ist es möglich, stundenlang am Strand zu wandern, die Feinheiten der sri-lankischen Küche kennen zu lernen und alle unbekannten Gemüsesorten auch gleich vor Ort wachsen zu sehen.

Abgesehen davon gibt es rund um Tangalle aber auch noch andere Highlights abseits der Reiseführer, wie zum Beispiel der Besuch beim Wochenmarkt im nahe gelegenen Ranna, wo das Dorfleben ganz ohne Touristen stattfin- det. Oder eine einsame Bootsfahrt in der nahen Lagune – vorzugsweise zum Sonnenaufgang, wenn die vielfältige Vogelwelt erwacht.


Ella, neue Höhen mit Genuss

Von Tangalle ist man in wenigen Stunden in Ella auf rund 1.000 m im zentralen Hochland. Fast so, als wäre im Theater während der Pause Kulissenwechsel, so schnell verschieben sich in Sri Lanka die Naturszenarien aus Kli- mazonen, Flora und Fauna. Zwischen sattem Grün, Wasserfällen und Nebelschwaden sind es nicht nur die bizar- ren Formen der Berge, sondern vor allem die Teeplantagen, die der Landschaft einen ganz besonderen Reiz ver- leihen, wobei Ella selbst keine Stadt ist, sondern vielmehr ein unspektakuläres, kleines Backpacker-Dörfchen, wes- halb es sich lohnt, auch hier einen Schritt weiter zu gehen.


Sidestep 3:

Die Schönheit der Berge

Wer Ella und die Schönheit der Berge tatsächlich erleben möchte, sollte hinein in die Teeplantagen, hinauf auf die Berge und hinunter zu den Wasserfällen und in den Urwald – sprich: hinauf auf den Little Adams Peak und den Ella Rock, hinunter zu den Rawana Wasserfällen und hinein in die benachbarten Tempelhöhlen.

Besonders lohnend ist es, in einem der Resorts direkt in den Teeplantagen zu übernachten, um den Tag mit einer einmaligen Fernsicht zu beginnen. Auch der Besuch einer Tea Factory, wie zum Beispiel der kleinen Newburgh Green Tea Factory, der sich mit der kurzen Besteigung des Little Adams Peak gut verbinden lässt, ist ein Erlebnis. Viel altes Holz, eine kleine, alte Produktionsanlage und der Geruch der Teeblätter geben jedem Besucher sofort je- nen Flair der Vergangenheit, den Sir Lipton einst auch in diesem Hochland gespürt haben muss. Innerhalb eines Tages werden hier die dreiblättrigen handgepflückten Spitzen zu fertigem Tee verarbeitet.


Ratnapura, hochkarätige Schätze

Am Fuße des Hochlands liegt Ratnapura, die Stadt der Edelsteine. Saphire, Rubine, Mondsteine oder Amethyste werden hier in den Edelsteinminen aus den kaum gesicherten Stollen gefördert. In den vielen „Gemshops“ der Stadt kann man diese auch kaufen. Von Ratnapura aus kann aber auch ein anderer hochkarätiger Schatz gehoben werden: der Adams Peak, der höchste Berg Sri Lankas, der über 2.000 m hoch ist – ein heiliger Berg sowohl für Buddhisten, Hindus als auch Christen. Ein Tal weiter bietet das Sinharaja Forest Reserve das größte zusammen- hängende und unberührte Stück Regenwald, große Blutegel, grüne Vipern und Schwarze Witwen inklusive. Ur- sprüngliche Urwaldcamps mit erstaunlich hohem Komfort sind die perfekte Trekking-Basis. Von Ratnapura aus geht es wieder zurück nach Colombo, wo die Rundreise begonnen hat.

Sir Lanka heißt Gäste willkommen im Paradies, da wo nichts ist, nichts als Sand, nichts als Wellen und nichts als Meer.  Foto: Istockphoto/val shevchenko