FORTBILDUNG & KARRIERE  | Jungärzte im Gespräch

Foto: istockphoto/ Natali Mis

„Ich bin es den

Patienten schuldig“

Seit Jänner 2018 ist DDr. Michael Feichtinger Facharzt am Wunschbaby Institut Feichtinger, Wien und Baden. Wie wichtig Wissenschaft für junge Ärzte ist, erzählt er im Interview.

DDr. Michael Feichtinger, in leitender Funktion beim Wunschbaby Institut Feichtinger (WIF) in Wien tätig, erhielt kürzlich in Budapest den europaweit ausgeschriebenen Preis für den „Diczfalusy Young Scientist Award“. Feichtinger wurde für seine bisherige hervorragende wissenschaftliche Ar- beit rund um die Zukunft der Reproduktionsmedizin hin zu minimal invasiven Techniken und perso- nalisierter IVF ausgezeichnet. Mit seinen erst 31 Jahren weist Feichtinger schon einen beeindru- ckenden Lebenslauf auf: Er studierte in Wien und am Karolinska Institutet Stockholm Medizin so- wie Mikrobiologie und Genetik. Anschließend absolvierte er ein weiteres Doktoratsstudium der An- gewandten Medizinischen Wissenschaften an der Medizinischen Universität Wien im Themenpro- gramm „Klinische Endokrinologie, Metabolismus und Ernährung“, das er mit Auszeichnung ab- schloss. Neben zahlreichen Auslandsaufenthalten, unter anderem in Umeå, Schweden und Perm, Russland, kooperiert er eng mit namhaften Wissenschaftlern wie Prof. Dr. Kenny Rodriguez-Wall- berg am Karolinska Institutet, Stockholm sowie Prof. Mats Brännström am Sahlgrenska Institutet, Göteborg.


Was bedeutet für Sie diese Auszeichnung?

Das war nicht für eine spezifische Arbeit, sondern wird generell für das Werk eines jungen Wissen- schafters im Bereich der Frauengesundheit vergeben. Der Preis soll junge Wissenschafter in den medialen Fokus rücken, aber auch den Anstoß für neue Kooperationen mit Mentoren geben, also durch die Bekanntmachung neue Netzwerke forcieren. Das Ziel ist natürlich eine Belohnung für die geleistete Arbeit, aber auch, die wissenschaftliche Karriere zu fördern.


Sie stehen schon mit beiden Beinen in der beruflichen Praxis. Wie wichtig ist es, Wissenschaft und Praxis zu ver- binden?

Das ist in meinem Fall besonders wichtig, weil einerseits arbeite ich in einem Bereich, wo sich wissenschaftlich sehr viel ändert. Das Gebiet ist sehr neu, immerhin ist das erste Kind nach künstlicher Befruchtung knapp 40 Jahre alt. Um einen Patienten die optimale Behandlung zu ermöglichen, muss ich am Ball bleiben und einen Fuß in der Wissenschaft haben. Diesen Forschungsfokus ist man dem Patienten schuldig, um immer State-of-the-Art-Medizin bieten zu können.


Haben Sie einen konkreten Karriereplan?

Ich bin natürlich in einer speziellen Situation, weil mein Vater der Vater des ersten IVF-Babys ist. Ich wusste aber bis zur Matura nicht, ob ich Medizin oder Musik studieren soll. Als ich mich dann für die Medizin entschieden habe, war klar, ich muss ins Ausland und ich muss mit der internationalen Wissenschaftscommunity in Kontakt kommen. Dann war der Plan klar.


Zwei Studien, forschen, arbeiten, Auslandsaufenthalte – wo bleibt die Work-Life-Balance?

Das geht nur, wenn man seine Arbeit gerne macht und die Frage Freizeit oder Arbeit nie stellt. Ich war aber tatsächlich schon lange nicht mehr auf Urlaub und das nehme ich auch in Kauf. Ich spiele in einem Symphonieorchester und plane meine spärliche Freizeit so, dass ich sie dann umso intensiver nutzen kann.