Kur & Gesundheitsvorsorge | GVA

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Veränderungen auf der Spur

Dr. Elke Böttcher, Leiterin der Orthopädischen Rehabilitation, Kur und Gesundheitsvorsorge Aktiv im Humanomed Zentrum Althofen evaluiert mit ihrem Team seit drei Jahren die Maßnahmen der GVA. Über ihre Ergebnisse erzählt sie im Interview.

Seit 2014 werden im Humanomed Zentrum Althofen als Pilothaus für die Gesundheitsvorsorge Aktiv wissenschaft- liche Daten erhoben. Was konkret ist Ihre Aufgabe als „Pilothaus“?

Die Gesundheitsvorsorge Aktiv richtet sich an Patienten, die an chronisch degenerativen oder entzündlichen Erkrankun- gen des Stütz-und Bewegungsapparates leiden und bei denen eine Modifikation ihres Lebensstils in Hinblick auf Sekun- därprävention anzustreben ist. Die GVA legt die Schwerpunkte auf Bewegung wie Heilgymnastik, Nordic Walking, Ausdau- er- und Krafttraining, Ernährung in Zusammenarbeit mit Diätologen und mentale Gesundheit im Rahmen gesundheitspsy- chologischer Schulungen. Sie soll Patienten dabei unterstützen, den Lebensstil positiv zu beeinflussen und somit die Le- bensqualität nachhaltig zu verbessern. Erholungseffekt sowie Abstand vom Alltag sind dabei zwei wichtige Erfolgsfakto- ren.

Als Pilothaus haben wir seit drei Jahren nun Patienten, die an diesem Kurprogramm bei Erkrankungen des Stütz- und Be- wegungsapparates teilnehmen. Wir haben uns entschlossen, dazu parallel eine Evaluierung der Maßnahmen zu machen und sind österreichweit das einzige Haus, das die GVA in dieser Form wissenschaftlich begleitet.


Wie sieht der typische GVA-Patient aus?

Von den Patienten werden soziodemografische Merkmale sowie Kennwerte der medizinischen Ergebnisqualität zum Aufnahmezeitpunkt erhoben. Die Daten jener GVA-Patienten, die im Zeitraum von Juli 2016 bis Juli 2017 am Humanomed Zentrum Althofen (HZA) ein dreiwöchiges Heilverfahren im Rahmen der GVA in Anspruch genommen haben, wurden einer retrospekti- ven Analyse unterzogen. Die Patienten wurden dabei anhand der Diagno- sen im Antragsverfahren und der Einschätzung der ausgefüllten Patienten- fragebögen den einzelnen Modulen zugeordnet.


Gibt es Unterschiede die drei Module betreffend?

Im ausgewerteten Zeitraum haben 2.533 Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparats eine GVA in Anspruch genommen. 82,2 % waren im Modul Bewegung zugeordnet, 9,4 % dem Modul Diätologie und 8,4 % dem Modul mentale Gesundheit. Das Durchschnittsalter in allen Modulen betrug rund 48 Jahre. Im Gegensatz zur herkömmlichen Kur mit einem Frauenan- teil von 36,5 % überwog in der der GVA das weibliche Geschlecht mit 54 %. Im Modul mentale Gesundheit fiel ein Frauenanteil von 74,1 % auf. Spannend war auch, dass nur rund 30 % der Patienten normalgewichtig waren, aber nur 10 % auf den Diätschwerpunkt Wert legten. Insgesamt wa- ren 35,3 % aktive Raucher mit einem deutlich höheren Anteil von 42,5 % im

Modul mentale Gesundheit. Auffallend war auch die Angabe zur Schmer-

zintensität, die anhand einer Skala von 1-10 einschätzt werden muss. Sie liegt mit rund 4,8 deutlich über jener von frisch operierten Orthopädiepati- enten.


Welche zentralen Ergebnisse hat die Evaluierung gebracht?

Die statistische Analyse erfolgte auf Basis der im Leistungsprofil geforderten Outcome-Parameter. Als Kennwerte der me- dizinischen Ergebnisqualität wurden allgemeine Gesundheitsindikatoren wie Body Mass Index (BMI), arterieller Blutdruck und subjektive Schmerzintensität, Rauchverhalten sowie indikationsspezifische Kennzahlen der körperlichen Leistungsfä- higkeit zum Aufnahme- und Entlassungszeitpunkt herangezogen. Für eine repräsentative Gesamtbewertung des neuen Leistungsprofils wurden diese Parameter zu einem „Gesundheits-Zustands-Index“ (GZIndex) zusammengefasst. Bei 73,1 % der Patienten konnte der GZIndex verbessert werden, 21,6 % der Patienten zeigten keine Veränderung und 5,3 % ver- schlechterten sich.


Was hat sich in Ihrem Arbeitsablauf durch die Modulaufteilung geändert?

Das Programm ist sehr schulungsintensiv und zielt deutlicher als früher auf eine Modifikation des Lebensstils ab. Der An- teil an Bewegung ist ebenfalls viel höher als bisher bei den klassischen Kurpatienten.


Wie nehmen die Patienten das an?

Der Großteil gut, natürlich gibt es immer wieder welche, die gerne passiv bedient werden. Aber es ist erfreulich, dass viele jetzt die Freude an der Bewegung hier mit der GVA entdecken und damit nach drei Wochen wirklich sichtbare Erfolge fei- ern können.


Was schließen Sie aus den Ergebnissen?

Die Ergebnisse dieser Auswertungen sprechen für eine gute Wirksamkeit der in der GVA angebotenen gesundheitsför- dernden Maßnahmen. Der subjektive Gesundheitszustand der Patienten kann durch eine GVA verbessert, Schmerzen ver- ringert und Risikofaktoren günstig beeinflusst werden. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit dieser Ergebnisse erscheinen weitere Untersuchungen zielführend.


Wo sehen Sie Optimierungsbedarf?

Das zukünftige  Leistungsprofil der PVA, welches nun österreichweit etabliert wird,  erlaubt nun durch eine individuellere Gestaltungsmöglichkeit  den Bedürfnissen der Patienten besser entgegenkommen zu können. Als weiteren wichtigen Punkt sehe ich die korrekte Zuweisung der Patienten zu den jeweiligen Heilverfahren – GVA oder Rehabilitation. Im Huma- nomed Zentrum Althofen können wir sowohl die Rehabilitation für fünf verschiedene Indikationen als auch GVA und Kur an- bieten – alles unter einem Dach!

„Der subjektive Gesund- heitszustand der

Patienten kann durch eine GVA verbessert, Schmer- zen verringert und Risiko- faktoren

günstig beeinflusst wer- den.


Dr. Elke Böttcher, Leiterin der Ortho- pädischen Rehabilitation,

Kur und GVA im Humanomed Zen- trum Althofen