Medizin | Im Gespräch

Medizin in Bewegung

Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MBA, MSc, Vorstand der Universitätsklinik

für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin am Allgemeinen

Krankenhaus Wien und Präsident der Österreichische Gesellschaft für

Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) im Gespräch

Für ein 1) Medizinstudium und 2) im Speziellen für die Physikalische Medizin und Rehabi- litation habe ich mich entschieden, weil … ich mit meinem damals noch jungen und ziemlich „stürmerischen“ Leben 1) endlich etwas „Sinnvolles“ durchziehen wollte (Medizinstudium) und 2) letztlich durch Zufall – Physikalische Medizin und Rehabilitation –, denn als Grazer wusste ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht, dass es für diese interessante Thematik sogar ein Sonder- fach gibt, in dem man sich ausbilden lassen kann.


Die Ausbildung für die Physikalische Medizin in Österreich ist … relevant und interessant, da das Schnittstellenfach Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation aus der moder- nen Medizin nicht nur nicht wegzudenken ist, sondern in Zukunft noch mehr und mehr an Ge- wicht gewinnen wird.


Die wichtigsten Forschungserkenntnisse der letzten Jahre in meinem Fachgebiet waren in unserem Land diverse Themen aus dem muskuloskelettalen Formenkreis und zur Mobilität sowie natürlich unser Beitrag zur Entwicklung der onkologischen Rehabilitation.


Für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre erwarte ich neue Errungenschaften in den The- menbereichen … Bewegungsanalyse, innovative physikalische Modalitäten, Mobilität, Rehabi- litation, soziale und berufliche Teilhabe sowie Wiedereingliederung.

Für ein unterschätztes Thema in der Physikalischen Medizin und Rehabilitation halte ich … die klinische und sozioökonomische Relevanz dieses Faches.


Biofeedback kann … über das Erleben der Selbstwirksamkeit zu einer Verbesserung der phy- siologischen Selbstkontrolle und damit zur Verbesserung der Selbstkompetenz führen. So kön- nen unter anderem diverse Schmerzsyndrome, Inkontinenz, Angst und Stress additiv – das heißt auf dem Boden der State-of-the-Art-Behandlung – effektiv und nachhaltig beeinflusst wer- den.


Für die onkologische Rehabilitation wünsche ich mir, dass … es in diesem Tempo weiter- geht. Das bedeutet für die Zukunft unter anderem den Aufbau einer flächendeckenden, ambu- lanten Rehabilitation sowie eines funktionierenden Wiedereingliederungsmanagements. Die Umsetzung des Wiedereingliederungsteilzeitgesetzes, das am 1. Juli 2017 in Kraft tritt, wird für Patienten, die wieder arbeiten können und wollen, hilfreich sein.


Das größte Handicap der medizinischen Forschung in Österreich … ist aus meiner persön- lichen Sicht, dass die relevanten öffentlichen Universitäten zu wenig Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, um der Jugend adäquate, langfristige Perspektiven zu bieten und die bes- ten Leute dauerhaft halten zu können.


Für die Zukunft des Fachgebietes Physikalische Medizin und Rehabilitation würde ich mir wünschen, dass … es seinen Stellenwert nach außen – das heißt gegenüber den anderen Fachdisziplinen sowie den Meinungsbildnern, Fördergebern und der Politik – noch besser dar- stellen kann. Dies bedingt allerdings eine entsprechende Schärfung des Profils durch Darstel- lung der Kompetenz, Qualität und Nachhaltigkeit, die man bieten kann. Unser Umfeld muss den Mehrwert erkennen, den es durch die Physikalische Medizin und Rehabilitation haben kann.


Was ich schon immer „loswerden“ wollte, ist, … endlich einmal ein ganz großes „Danke“ sa- gen zu können. Dieser Dank gilt meiner Familie und meinen Freunden sowie auch ganz vielen befreundeten Kolleginnen und Kollegen sowie Menschen aus dem Umfeld der Medizinischen Universität Wien und des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien, die mich auf meinem bisherigen Lebensweg begleitet und wirklich mehr als toll gefördert und unterstützt haben.


Ausgleich zu meinem Beruf finde ich … in meinen drei mehr als aktiven Söhnen, die mich auf Trab halten. Sie sind wohl der positivste Stress und die beste Ablenkung bei Sorgen, die man sich vorstellen kann. Daneben habe ich das besondere Glück, durch Freude am Beruf in die- sem aufzugehen und mich letztlich gerade in der Aktivität besonders gut entspannen zu kön- nen. bw

Richard Crevenna wurde 1966 in Graz geboren und studierte an der MedUni Graz. Die Habilitation folgte 2004 an der MedUni Wien im Fach Physikalische Me- dizin mit einem Thema zur onkologischen Rehabilitation. Crevenna hat zudem ei- nen MBA in Health Care Management, einen MSc für interdisziplinäre Schmerz- medizin sowie Ausbildungen in Geriatrie und Arbeitsmedizin. Seit 2017 ist er Vor- stand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeits- medizin an der MedUni Wien. Crevenna ist unter anderem Präsident der Österrei- chischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR), der Österreichischen Gesellschaft für Biofeedback und Psychophysiologie (ÖBfP) und der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grund- lagen (GEORG). Mehrere Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Vereinigungen und Editorial Boards, Preise und eine umfassende Publikationsliste kann der Me- diziner für sich verbuchen.

de.wikipedia.org/wiki/Richard_Crevenna, www.oegpmr.at