< Schmerzversorgung in Österreich: Dringender Handlungsbedarf!
05.04.2012 13:17 Alter: 1 Jahre
Kategorie: MEDIZIN

Medizinprodukte in der Schmerztherapie

Ob es sich um einfache Akupunkturstifte oder um hochkomplexe Geräte wie mikroprozessorgesteuerte Schmerzmittelpumpen handelt: Medizinprodukte sind aus der modernen, multimodalen Schmerztherapie nicht mehr wegzudenken.


Innovative Medizinprodukte zur Heilung und Linderung von Schmerzen aller Art kommen in Österreichs Schmerzambulanzen täglich zum Einsatz. „Sehr oft mit großem Erfolg oder zumindest einer deutlichen Verbesserung gegenüber der Ursprungssituation“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Sabine Sator-Katzenschlager vom Wiener AKH. Sehr oft in Verwendung ist beispielsweise der Flächenlaser, der Linderung etwa bei Schmerzen im Gelenkbereich oder bei offenen Wunden wie beispielsweise der Mundschleimhaut verschafft.
Auch in der Akupunktur ist Laser ein großes Thema: „Bei Kindern, die Angst vor Nadeln haben, oder Patienten, die Blutgerinnungsmedikamente nehmen, ist Laserakupunktur das Mittel der Wahl“, erklärt Sator-Katzenschlager. Zudem kann Laser bei schlecht heilenden Wunden und bei akutem Herpes Zoster mit gutem Erfolg angewendet werden.
Nicht mit Laser, sondern mit elektrischen Impulsen arbeitet das transkutane elektrische Nervenstimulationsgerät, besser bekannt unter TENS. Dieses Gerät findet eine breite Anwendung bei allen möglichen Schmerzen: Neuralgien, Migräne, aber auch Schmerzen des Bewegungsapparates können durch die elektrisch stimulierte Akupressurmassage gelindert werden. Die Wirkung beruht auf der Freisetzung körpereigener Endorphine, die eine Schmerzreduktion und eine bessere Durchblutung bewirken.

Akupunktur für Bewegung

„Auf dem Prinzip Akupunktur basiert auch das sogenannte Mikropunktualstimulationsgerät P-Stim, das vor allem bei chronischen Rückenschmerzen eingesetzt wird“, so Sator-Katzenschlager weiter: Die elektrische Stimulation von Akupunkturpunkten verstärke die analgetische Wirkung von Akupunktur, aktiviere die endogene opioidvermittelte Antinozizeption unter Beteiligung deszendierender Schmerzhemmsysteme und beeinflusse die supraspinale, diffuse Schmerzhemmung.
Gerade der Bewegungsapparat stelle eine gute Indikation für Akupunktur dar. In der westlichen Welt leiden ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung am Zervikalsyndrom und 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung geben Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich an. Meistens werden diese Patienten mit NSAR, Opioiden, Antikonvulsiva und Antidepressiva medikamentös versorgt. Jedoch kommt es häufig zu Therapieabbrüchen aufgrund limitierter Wirksamkeit und unerwünschter Nebenwirkungen. „Die Elektroakupunktur ist eine gute Alternative ohne Nebenwirkungen und daher eine ernst zu nehmende Therapieform“, so Sator-Katzenschlager.

Biofeedback & Pharmakotherapie

Für chronische Schmerzpatienten, die auf konventionelle Maßnahmen nicht ansprechen, eignet sich zum Beispiel die intra­thekale Pharmakotherapie (Medikamentengabe in das Rückenmark). Indikationen dafür sind vor allem neuropathische Schmerzen. „Die Medikamentenabgabe erfolgt durch eine elektrische, batteriegetriebene Pumpe, die telemetrisch regulierbar ist und eine kontinuierliche, komplexe und intermittierende Medikamentenabgabe erlaubt“, erklärt Sator-Katzenschlager. Der Vorteil dieser Pumpe liegt vor allem in der Steuerbarkeit der täglichen Dosis, der Nachteil liegt in den relativ hohen Kosten des Systems, insbesondere da die Batterie der Pumpe nach rund fünf Jahren erschöpft ist und das gesamte System ausgetauscht werden muss.
Insbesondere bei Patienten, die am Zervikalsyndrom sowie an anderen, den Kopf betreffenden Schmerzen leiden wie Tinnitus oder Spannungskopfschmerz, ist der Einsatz von Biofeedbackgeräten empfehlenswert, erzählt die Schmerz-Expertin weiter. Biofeedback ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren, bei dem körperliche Prozesse, die normalerweise unbewusst ablaufen, mittels Biofeedbackgerät registriert und dem Patienten mit visuellen oder akustischen Signalen rückgemeldet werden. Das Bewusstwerden der eigenen Körpervorgänge kann somit als ein Teil der Gesundung angesehen werden.
Biofeedback baut auf der Fähigkeit des Menschen auf, durch Lernprozesse körperliche Funktionen zu verändern. Hauptziel ist es, die Selbstkontrolle über bestimmte Vorgänge zu erlangen und damit Befindlichkeitsstörungen oder Krankheiten entgegenzuwirken. Die Biofeedback-Methode eignet sich auch bei Schmerzen des Bewegungsapparats, neuromuskulären Störungen sowie auch bei diversen psychosomatischen Beschwerden.
Bei allen Methoden, die letztendlich zum Einsatz kommen, gilt aber ein wichtiger Grundsatz: „Es ist wichtig, multimodal an die Sache heranzugehen“, erklärt die erfahrene Schmerz-Therapeutin.

Hochtontherapie

Dass Schmerz von mehreren Fachdisziplinen aus in Angriff genommen werden sollte, bestätigt der auf Schmerztherapien spezialisierte Mediziner Dr. Reinald Brezovsky vom Gesundheitszentrum Döbling. Er kombiniert beispielsweise gerne Akupunktur bzw. Elektroakupunktur mit Hochtontherapie, einer Neuentwicklung auf dem Gebiet der physikalischen Therapie. Sie macht die Anwendung der Elektrizität zur Schmerzlinderung und zu Heilzwecken so angenehm wie möglich: je nach Krankheitsbild ohne oder mit sogenannten Reizwirkungen, die zum Beispiel zur Muskelkräftigung, zur Ausschwemmung von Ödemen und zur Verbesserung des Stoffwechsels bei diabetischer Polyneuropathie dienen. Die von krankhaften Veränderungen betroffenen Regionen (Wirbelsäule, Knie, Hüften, Schultern etc.) sowie der ganze restliche Körper werden von den Hochtonfrequenz-Wechselfeldern durchflutet.

Beschwingung gegen Schmerz

Die Therapie besteht in der Regel aus einer Ganzkörper-Behandlung (Beschwingung des Gewebes) und einer oder mehreren lokalen Behandlungen, die gewöhnlich im Liegen und in ruhiger, entspannter Atmosphäre gleichzeitig durchgeführt werden.
Wie funktioniert nun die Beschwingung des Gewebes? Ganz einfach, meint Brezovsky: „Die in der Gewebsflüssigkeit gelösten Substanzen werden mit hohen Frequenzen, die zwischen 4.000 und 32.000 Herz liegen, gedreht und geschüttelt und die Zellkerne dadurch energetisch angeregt.“ Diese sehr feinen und schnellen Schwingungen, Drehungen und Schüttelungen haben verteilende Wirkung auf die in den Gewebsflüssigkeiten gelösten Substanzen wie Mineralien, Vitamine, Nährstoffe,  „Schlackenstoffe“ sowie Stoffe, die Schmerzen und Entzündungen auslösen (Schmerzmediatoren bzw. Entzündungsmediatoren). Die schnellere Verteilung der Stoffe, mit der die Zellen der Gewebe versorgt werden, führt zu einer rascheren und besseren Versorgung der Zellen und Schlackenstoffe können schneller abtransportiert werden. So abenteuerlich und intensiv die Behandlung mit Frequenzen bis zu 32.000 Herz klingen mag: Die Wirkung der Hochtontherapie mache sich erst nach ein paar Anwendungen bemerkbar, erklärt Brezovsky. Die Ergebnisse seien dann aber durchaus erstaunlich: „Einer meiner Patienten – ein Diabetiker mit Polyneuropathie – konnte nach elf Behandlungen einen Tanzkurs besuchen.“

ct

Foto: iStockphoto


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