Fotos: Max Perutz Labs, ZVG, adobe stock/Kasto

DFP-FORTBILDUNG & KLINIK |  Forschungsergebnisse präsentieren

Erfolgreiche Poster- Präsentationen

Poster Presentations sind Teil der wissenschaftlichen Arbeit und können viele Wege ebnen. Wie Sie Ihr Publikum mit Ih- rem Poster begeistern, wissen Wissenschaftler mit Publikationserfahrung.

Manche Publikationslisten im Lebenslauf umfassen seitenweise Poster-Präsentationen und beeindrucken damit den Leser. Wer weiß, wie er an die Sache herangeht, kann damit seine wissenschaftliche Laufbahn in Fahrt bringen. Erfolgreiche Poster-Prä- sentatoren wissen meist genau, welche Kriterien für effiziente, interessante und zielführende Einreichungen nötig sind.


Vortrag oder Poster

„Posters sind ein fixer Bestandteil bei Tagungen und Konferenzen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Tim Skern, Editor-in-Chief von Archives of Virology und bei den Max F. Perutz Laboratories der MedUni Wien tätig. „Sie sind aber heutzutage auch ein wesentlicher Teil von Hearings von Förderagenturen oder von Standortbesuchen von wissenschaftlichen Beiräten.“ Bei Tagungen und Kongres- sen wird kein Poster, sondern ein Abstract der Arbeit eingereicht. „Die Organisatoren suchen dann aus, ob die Arbeit als Vortrag oder als Poster präsentiert wird. Der Ansuchende wird dann einige Wochen vor dem Event über die Entscheidung informiert“, so Skern. Ass-Prof. PD Dr. Anna Sophie Berghoff, Leiterin Transnational Research Unit an der Klinischen Abteilung für Onkologie der MedUni Wien, kennt den Ablauf ebenfalls gut und bestätigt die beiden Varianten: „Man reicht einen Abstract einer Arbeit bei einem wissenschaftlichen Kongress ein. Das Scientific Committee begutachtet dann die Abstracts und sucht die Besten für die Präsentation beim Meeting aus. Hier gibt es zwei unterschiedliche Typen der Präsentation: Vortrag oder Poster.“ Ausgewählte Abstracts werden dann im Rahmen eines eigenen Programmpunktes in kurzen Vorträgen – Präsentationen – vorgestellt. „Ande- re Abstracts werden als Poster im Rahmen einer Poster Session präsentiert, bei der die Besucher dann aktiv bei den Postern eine Präsentation erhalten oder nachfragen können“, erläutert Berghoff. Eine weitere Präsentationsform ist die „Poster Discus- sion Session“ bei der die Inhalte mehrerer Poster von einem internationalen Experten diskutiert werden.


Eine Frage des Formats

Wie bei allen wissenschaftlichen Arbeiten ist die Frage des Formats nicht gleichgültig, sondern die Befolgung von Vorgaben mehr als anzuraten. „Gängige Formate sind A0 oder A1. Häufig wird das Format vom Veranstalter angegeben, da die Poster- wände selbst individuelle Dimensionen haben“, erklärt Skern. Eben diese individuellen Vorgaben machen es den Veranstaltern leichter oder schwieriger, eine Poster-Präsentation anzunehmen. „Jeder Kongress hat ein anderes Posterformat und es ist wirk- lich wichtig, sich vorher zu informieren, welches Format für den jeweiligen Kongress verwendet wird“, insistiert Berghoff. „Bei vie- len US-amerikanischen Kongressen ist es zum Beispiel üblich, eine horizontale Posterausrichtung zu verwenden, während euro- päische Kongresse oft eher Hochkant-Formate bevorzugen. Auch die Postergröße unterscheidet sich erheblich, daher sei unbe- dingt angeraten, vor Design des Posters die ‚Poster Guidelines‘ des jeweiligen Kongresses anzusehen!“


Kompetente Darstellung

Für die Präsentation selbst bestehen viele Chancen, die es zu nutzen gilt. „Die Pos- ter-Präsentation bietet eine sehr gute Möglichkeit, die wissenschaftliche Arbeit mit vielen Experten zu diskutieren. Vor einem Poster ist während der mehrstündigen Poster Session viel Interaktion und Diskussion mit anderen Wissenschaftlern mög- lich. Daher ist es wichtig, eine aktive Präsentation – einen Poster Walk – vorzube- reiten, um Interessierten in wenigen Minuten die wichtigsten Punkte der wissen- schaftlichen Arbeit erklären zu können. Zudem ist es immer hilfreich, aktiv auf Inter- essierte zuzugehen und anzubieten, die Daten kurz zusammenzufassen. So kommt deutlich mehr Interaktion und Diskussion zu den Daten zustande“, liefert Berghoff handfeste Tipps.

Auch Skern weiß, mit welchen Vorbereitungen ein Poster zum Erfolg wird: „Als ers- tes muss man an die Zielgruppe denken. Sind es Personen vom Fach oder ist die Zielgruppe eher ein breiteres Publikum? Die Antwort auf diese Frage wird den De- tailgrad des Posters beeinflussen. Zweitens sind grafische Darstellungen zu bevor- zugen. Zu viel Text wird die Poster-Besucher eher abschrecken. Man sollte daher Forschungsergebnisse mit klaren, einfachen Abbildungen und einfachen Tabellen darstellen“, so Skern. Weiters sei es wichtig, eine klare Struktur für das Poster zu entwickeln. „Die Struktur könnte zum Beispiel folgende Fragen beantworten: Was ist die wissenschaftliche Fragestellung? Welcher Zugang zum Thema wurde ausge- wählt? Welche Ergebnisse wurden erzielt? Welche Antworten auf die Fragestellung haben die Ergebnisse geliefert? Jede dieser Fragen kann auf dem Poster in einer Box eingegrenzt werden.“


Häufige Fehler

Gerade junge Mediziner, die sich ihre ersten wissenschaftlichen Sporen verdienen möchten, tendieren mitunter dazu, den Interessenten mit zu viel Text zu „erschla- gen“. Auch unklare Zusammenhänge zwischen einzelnen Abbildungen sind ein häufiger Fehler. Eine mangelhafte Struktur verhindert, dass die Kernaussage rasch erfasst werden kann. „Optische Fehler sind zum Beispiel zu viele Farben oder zu viele Schriftarten und -größen“, ergänzt Skern. Das falsche Format, das vom Ver- anstalter nicht gewünscht wird, kennt Berghoff als häufig auftretendes Problem. Sie pocht einmal mehr darauf, die geforderten Kriterien zu eruieren. Als Fehler nennt die Wissenschaftlerin aber auch die „passive Präsentation, wenn man nur vor dem Poster steht und keine Interaktion mit dem Publikum eingeht. Das ist eine vergebe- ne Chance, wichtigen Input und Ideen zur eigenen Arbeit von außerhalb zu bekom- men, daher profitiert man immer von einer ‚aktiven Präsentation‘ im Sinne eines ak- tiven Zugehens auf die Zuhörerschaft“, so Berghoff abschließend.

Skern rät dazu, sich grundsätzlich Gedanken darüber zu machen, was die Haupt- botschaft des Posters für den Leser ist, und er hat noch einen sehr hilfreichen Tipp auf Lager: „Ein Kollege, der mit dem Thema vertraut ist, sollte das Poster vor der Fertigstellung auf einem A3-Blatt kontrollieren. So kann man Fehler entdecken und korrigieren, bevor das Poster in voller Größe gedruckt wird.“bw