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Es bleibt nicht

mehr viel Zeit

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Wer Steuern sparen will, muss jetzt handeln, denn wie je- des Jahr ist es am 32. Dezember zu spät.

„Nach wie vor ist der Gewinnfreibetrag bei vielen Ärzten nicht am Radar“, wun- dert sich Steuerberaterin Mag. Renate Marihart-Kretzschmar, Gesellschafterin der Wirtschaftstreuhand-Kanzlei Marihart-Kretzschmar. „Dabei ist es doch ganz einfach.“ Alle betrieblichen Einkommensteuerpflichtigen mit Bilanzierung oder Einnahmen-Ausgaben-Rechnung können jährlich einen Gewinnfreibetrag geltend machen. Dieser dient als Abgeltung für die begünstigte Besteuerung des 13./14. Gehalts von Lohnsteuerpflichtigen. Der Gewinnfreibetrag beträgt bis zu 13 % des Gewinns (ohne Veräußerungsgewinn), maximal jedoch 45.350 Euro pro Jahr.


Vorauszahlungen wirken

Als begünstigte Investitionen gelten ungebrauchte, abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren. Auch bestimmte Wertpapiere können für den Freibetrag herangezogen werden. Darunter fallen jene Anleihen sowie Anleihen- und Immobilienfonds, die für die Pensionsrückstellung zugelassen sind. Diese Wertpapiere und begünstigten Wirtschaftsgüter müssen zu diesem Zweck ab der Anschaf- fung mindestens vier Jahre gehalten werden.

Altbewährt und wirkungsvoll sind Vorauszahlungen. Das steuerpflichtige Einkommen von Einnahmen-Ausgaben-Rechnern kann auch durch Voraus- zahlungen gesenkt werden. Etwa indem man Betriebsausgaben vor dem 31. Dezember zahlt und diverse Vorauszahlungen leistet. Auch eine Vor- auszahlung an die Sozialversicherung im laufenden Jahr kann den Gewinn und somit die Einkommensteuerbelastung noch minimieren. Es empfiehlt sich, vorab schon eine ungefähre Berechnung der Sozialversicherung für das laufende Jahr zu ermitteln. Ergibt sich eine Nachzahlung, so kann man diese schon vorab einzahlen und somit eine Betriebsausgabe generieren.


Steuersparen mit Spenden

Spenden aus dem Betriebsvermögen an begünstigte Institutionen sind bis höchstens 10 % des Gewinnes des laufenden Wirtschaftsjahres steuer-

lich absetzbar. Als Obergrenze gilt der Gewinn vor Berücksichtigung des Gewinnfreibetrags. Damit der- artige Spenden (bei einem Regelbilanzstichtag 31.12.2019) noch im Jahr 2019 steuerlich wirksam wer- den, müssen diese bis spätestens zum 31.12.2019 getätigt werden.

Der Nationalrat hat am 19.09.2019 den Initiativantrag zum Steuerreformgesetz 2020 beschlossen. Große Änderungen kommen damit auf Ärzte keine zu, wie Marihart-Kretzschmar anmerkt. So würden von der Neuregelung für Kleinunternehmer im Umsatzsteuerrecht nur wenige Ärzte betroffen sein, da die Umsät- ze aus der ärztlichen Tätigkeit unecht umsatzsteuerbefreit sind. Es ist jedoch möglich, dass Ärzte dar- über hinaus nichtärztliche Tätigkeiten ausüben. Und hier wird die Umsatzgrenze von bisher 30.000 auf 35.000 Euro angehoben.


Änderung bei der Pauschalierung

Zusätzlich zu den bestehenden Pauschalierungen wird es nun auch eine umfassende Pauschalierung der Betriebsausgaben bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit geben. Für die Höhe der Pauschalen

sind lediglich die Umsatzhöhe und die Branche ausschlaggebend. Es werden also die Umsätze herangezogen und davon ohne Nachweis von Aus- gaben pauschale Betriebsausgaben angesetzt. Diese sind im Dienstleistungsbereich – also voraussichtlich auch bei Ärzten – in Höhe von 20 % vor- gesehen. Doch Achtung: „Wird freiwillig von dieser Pauschalierung auf eine andere Form der Gewinnermittlung übergegangen, ist eine erneute Pau- schalierung frühestens nach Ablauf von drei Wirtschaftsjahren zulässig“, mahnt Marihart-Kretzschmar. Da heißt es gut rechnen. Bei höheren Be- triebsausgaben, insbesondere bei Verlusten, wird die „freiwillige“ Ermittlung des richtigen steuerlichen Ergebnisses steuerlich weiterhin vorteilhaft sein.

Profitieren werden die Ärzte sehr wohl von der Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Die Grenze für die Sofortabschrei- bung steigt im Jahr 2020 von 400 auf 800 Euro. Damit soll vor allem die Verwaltung vereinfacht werden. Ob man Anschaffungen im Wert von 400 Euro bis 800 Euro auf Anfang 2020 verschieben sollte, könne man nur nach einer individuellen Prüfung beurteilen, so die Steuerexpertin: „Dabei kommt es unter anderem darauf an, wie stark der Gewinnfreibetrag bereits ausgenutzt wird.“

Seit Juli 2019 ist es möglich, die vierteljährlich anfallende Einkommensteuer-Vorauszahlung mittels SEPA-Lastschrift automatisch vom Konto abbu- chen zu lassen. Vorteil dabei ist, dass Sie sich nicht mehr um die termingerechte Überweisung der Einkommensteuer-Vorauszahlung kümmern müs- sen.

Achtung: Die Einziehung erfolgt unabhängig von vielleicht bestehenden oder entstehenden Guthabensbeträgen. Grundsätzlich eine gute Idee, doch die Vorabinformation über den einzuziehenden Betrag bis spätestens einen Bankwerktag vor der Durchführung der Einziehung ist zu knapp. Sollte das Konto nicht ausreichend gedeckt sein, kann das Finanzamt auch Spesen, die aus der Rücküberweisung entstehen, dem Steuerpflichtigen vorschreiben.

„Auf jeden Fall sollte auf die Beantragung des Familienbonus Plus (FB+) nicht vergessen werden“, erklärt Marihart-Kretzschmar. Beim Familienbo- nus (FB+) handelt es sich um einen Absetzbetrag, der den Kinderfreibetrag sowie die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten ersetzt. Der Fami- lienbonus Plus wird nur auf Antrag gewährt, entweder monatlich über die Lohnverrechnung oder jährlich nachträglich über die Arbeitnehmerveranla- gung.

Voraussetzung ist, dass für das Kind Familienbeihilfe bezogen wird und das Kind seinen ständigen Aufenthalt in der EU, EWR oder der Schweiz hat. Die Wahlfreiheit gewährt Eltern Spielraum, den Steuervorteil optimal zu nützen. Bei mehreren Kindern können sie auch entscheiden, welche Variante für welches Kind (zum Beispiel: Halbe-Halbe für ein Kind und ein ganzer Familienbonus für das andere Kind) gewählt wird. Die Wahlfreiheit gilt auch für getrennt lebende Eltern.


mn