MEDIZIN | Adipositas

Herausforderungen einer adipösen alternden Gesell- schaft

Foto: adobe stock/ Kurhan

Neben krankheitsbedingten Ursachen ist es vor allem der Lifestyle, der eine krankhafte Fettleibigkeit begünstigt. Zu den Risikogruppen zählen vor allem ältere Menschen und im Speziellen Männer ab 75+.

Von Adipositas spricht man generell ab einem Körpermasseindex von 30 kg/m², wobei dieses starke Übergewicht und das dadurch angesamme- lte Körperfett mit schweren Gesundheitsfolgen einhergehen. Die aktuellste Erhebung zeigt, dass die altersstandardisierte Adipositasrate unter den E- rwachsenen in Österreich mit 15,8 Prozent im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verhältnismäßig gering ist. In ihrer Studie zur Adiposita- s in Österreich haben Studienleiterin Dr. Franziska Großschädl, MSc, vom Institut für Pflegewissenschaft und Univ.-Prof. Mag. Dr. Willibald Stro- negger vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Med Uni Graz, die Daten zum Verlauf von Adipositas bei Erwachsenen in Österreich un- tersucht. Von 1973 bis 2014, also über einen Zeitraum von 41 Jahren, haben die beiden Wissenschaftler den Trend in der Adipositasprävalenz be- obachtet. Repräsentative und zuverlässige Daten werden von Statistik Austria seit 1973 in unregelmäßigen Abständen erhoben. „Durch die Unte- rsuchung der Adipositastrends in verschiedenen Subgruppen konnten Risikogruppen gut identifiziert und dargestellt werden, um in weiterer Fol- ge Empfehlungen für die Gesundheitspolitik abzuleiten“, fasst Großschädl zusammen- .


Männer stärker betroffen als Frauen

Der Beginn der Beobachtungsperiode zeigt, dass die Erkrankungsrate an Adipositas zwischen 1973 und 1983 in Österreich leicht zurückgegangen ist. „Ab 1983 ist ein Anstieg der Fettleibigkeit zu beobachten, wobei der Anstieg zwischen 1991 und 2007 sowohl bei Männern als auch Frauen ko- nstant hoch war“, so die Studienautorin. Weiters konnte beobachtet werden, dass sich ab dem Jahr 2007 die Rate der adipösen Frauen in Österreich stabilisiert hat, während die Rate bei den Männern zwischen 2007 bis 2014 weiter anstieg. Zukunftsprognosen für andere Länder berichten ebenfa- lls über höhere Adipositasraten unter Männern in Europa. Es wird vermutet, dass Public-Health-Strategien zur Gewichtsreduktion in der Vergangenheit von Frauen besser angenommen wurden als von Männern.


Präventionsmaßnahmen planen

In der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen gab es in der jüngsten Untersuchung die meisten Fälle von Adipositas. „Auch in der niedrigsten Bildungsgruppe – Personen ohne Matura – waren im Vergleich zu Personen mit höherem Bildungslevel deutlich mehr von Adipositas betroffen“, be- schreibt Großschädl. Frühere Untersuchungen haben ebenfalls ergeben, dass das Thema stark mit der Bildung korreliert und weniger gebildete Menschen oft benachteiligt sind- .

Vor allem Frauen im Alter von 75+ und Männer zwischen 55 bis 74 Jahren sowie insgesamt Menschen mit niedrigem Bildungslevel waren vom An- stieg der Adipositasprävalenz besonders stark betroffen. Den insgesamt höchsten Anstieg in der Adipositasrate zwischen 1973 und 2014 verzeic- hnen jedoch Männer im Alter von 75+ mit Matura oder akademischen Abschluss. „Diese Gruppe muss künftig näher untersucht werden, um genaue Präventionsmaßnahmen planen zu können“, sind sich die Autoren einig- .

Eine große Zahl von adipösen älteren Menschen ist insofern eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem, da Adipositas unter Älteren häufig mit vermehrten Pflegebedarf einhergeht. Somit ist eine immer älter werdende Gesellschaft auch in Anbetracht der Gefahr an Adipositas zu erkranken eine große Herausforderung für die Gesundheitsressourcen, die es zukünftig zu meistern gilt- .


Zur Publikation: https://doi.org/ 10.1093/eurpub/cky28 0