PRAXIS & STEUERRECHT I Tipps

Steuertipps zum Jahresende

2020

Von der Coronaprämie bis zur degressiven Abschrei- bung: Diese steuerlichen Neuerungen sind für Ärzte besonders interessant.

Foto: istockphoto/ Stadtratte, Wirtschaftstreuhand-Kanzlei Mag. Renate Marihart-Kretzschmar

Die Coronapandemie hat bekanntlich die Lebensplanung vieler Menschen gehörig auf den Kopf gestellt. Dazu gehören sicherlich Ärzte, die vor dem Ausbruch in Pension gegangen sind, sich aber zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung des Landes zu ei- nem beruflichen Comeback entschieden haben. An sie hat der Ge- setzgeber mit einer wichtigen Neuerung gedacht. „Wenn ein Arzt, der in Pension gegangen ist, seine ärztliche Tätigkeit aufgrund von Covid-19 wieder aufgenommen hat, gilt für ihn weiterhin der halbe Steuersatz“, so die Steuer- und Unternehmensberaterin Mag. Renate Marihart-Kretzschmar von der gleichnamigen Wirtschaftstreuhand- Kanzlei.

Zur Erinnerung: Ärzte, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, in Pension gegangen sind und ihren Betrieb aufgegeben bzw. veräu- ßert haben, unterliegen mit ihrem Veräußerungs- oder Aufgabege- winn dem halben Steuersatz. Die Voraussetzung für diese Vergünsti- gung: der Arzt musste seine berufliche Tätigkeit beenden, wobei ein

geringfügiger Zuverdienst zulässig ist: Einstellen der Erwerbstätigkeit heißt demnach, dass der Gesamtumsatz aus den ausgeübten Tätigkeiten 22.000 Euro und die gesamten Einkünfte aus den ausgeübten Tätigkeiten 730 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen.


„Coronaprämie“ geltend machen

Ebenfalls im Zusammenhang mit Covid-19 steht eine weitere steuerliche Begünstigung, die laut Marihart-Kretzschmar „ziemlich interessant“ ist und daher von Ärzten unbedingt in An- spruch genommen werden sollte. Sie soll der Tatsache Rechnung tragen, dass viele Arztmit- arbeiter coronabedingt am Limit gearbeitet haben. „Gemäß der sogenannten „Coronaprä- mie“ sind Bonuszahlungen an Mitarbeiter für deren coronabedingte Mehrbelastung bis zu ei- nem Betrag von 3.000 Euro pro Mitarbeiter steuer- und sozialversicherungsfrei“, so die Steu- er-Expertin. Das gelte auch für Ehepartner oder Familienangehörige – soweit diese im Rah- men ihrer Anstellung für einen Arzt tätig sind. Bei Bonuszahlungen, die die 3.000-Euro-Gren- ze übersteigen, sei lediglich der Differenzbetrag steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Die degressive Abschreibung kann als Dauerrecht erstmalig auf Wirtschaftsgüter angewen-

det werden, die nach dem 30. Juni 2020 angeschafft oder hergestellt wurden. „Wobei die Abschreibung nach wie vor mit der tatsächlichen Inbe- triebnahme zu laufen beginnt“, so Marihart-Kretzschmar.

Daher ACHTUNG: Wirtschaftsgüter, die vor dem 1. Juli 2020 angeschafft wurden, aber erst nach dem 1. Juli 2020 in Betrieb genommen wurden, dürfen nicht degressiv abgeschrieben werden!


Degressive Abschreibung: 30 % des Buchwertes

Die degressive Abschreibung beträgt ab 1. Juli 2020 bis zu 30 % des jeweiligen Buchwertes. Hier sei darauf hingewiesen, dass zukünftig allenfalls ein Umstieg auf eine lineare Abschreibung sinnvoll ist, um den Abschreibungsverlauf zu optimieren! Anhand eines Beispiels (Anschaffungswert: 100.000 Euro; Nutzungsdauer: 5 Jahre) zeigt Marihart-Kretzschmar, ab wann ein Wechsel auf lineare Abschreibung sinnvoll sein könnte. Selbstre- dend sei es wichtig dabei einen Steuerberater zu Rate zu ziehen.

Marihart-Kretzschmar ruft Ärzten, die vor dem Jahresabschluss stehen, in Erinnerung, dass seit dem 1. Jänner dieses Jahres die Anschaffungs- kosten von abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die nicht mehr als 800 Euro gekostet haben, sofort als geringwertiges Wirt- schaftsgut abgeschrieben werden können. Bis zu diesem Stichtag fielen darunter abnutzbare Anlagegüter, für die 400 Euro bezahlt wurden. Für

abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die mehr als 800 Euro kosten, gilt weiterhin: Die Anschaf- fungskosten können über ihre Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden. Im Zuge der Vorziehung von Teilen der Steuerreform 2020/21 gilt für Geringverdiener seit dem 1. August – rückwirkend mit 1. Jänner 2020 – ein Lohnsteuersatz von 20 % (davor 25 %). Darunter fal- len die Mitarbeiter von Ärzten – etwa Reinigungskräfte oder Ordinationsassistenten –, deren jährliches Einkom- men zwischen 11.000 bis 18.000 Euro beträgt. Höhere Einkommensklassen sind davon nicht betroffen. Der Spitzensteuersatz von 55 % für Einkommen ab einer Mil- lion Euro wurde indes über das Jahr 2020 hinaus bis 2025 verlängert.


pb


2019

Es bleibt nicht mehr viel Zeit

Wer Steuern sparen will, muss jetzt handeln, denn wie jedes Jahr ist es am 32. Dezember zu spät.

Foto: Adobe stock/ bht2000

„Nach wie vor ist der Gewinnfreibetrag bei vielen Ärzten nicht am Radar“, wundert sich Steuerberaterin Mag. Renate Marihart-Kretz- schmar, Gesellschafterin der Wirtschaftstreuhand-Kanzlei Marihart- Kretzschmar. „Dabei ist es doch ganz einfach.“ Alle betrieblichen Einkommensteuerpflichtigen mit Bilanzierung oder Einnahmen-Aus- gaben-Rechnung können jährlich einen Gewinnfreibetrag geltend machen. Dieser dient als Abgeltung für die begünstigte Besteue- rung des 13./14. Gehalts von Lohnsteuerpflichtigen. Der Gewinn- freibetrag beträgt bis zu 13 % des Gewinns (ohne Veräußerungs- gewinn), maximal jedoch 45.350 Euro pro Jahr.


Vorauszahlungen wirken

Als begünstigte Investitionen gelten ungebrauchte, abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mindes- tens vier Jahren. Auch bestimmte Wertpapiere können für den Frei- betrag herangezogen werden. Darunter fallen jene Anleihen sowie Anleihen- und Immobilienfonds, die für die Pensionsrückstellung

zugelassen sind. Diese Wertpapiere und begünstigten Wirtschaftsgüter müssen zu die- sem Zweck ab der Anschaffung mindestens vier Jahre gehalten werden.

Altbewährt und wirkungsvoll sind Vorauszahlungen. Das steuerpflichtige Einkommen von Einnahmen-Ausgaben-Rechnern kann auch durch Vorauszahlungen gesenkt werden. Etwa indem man Betriebsausgaben vor dem 31. Dezember zahlt und diverse Voraus- zahlungen leistet. Auch eine Vorauszahlung an die Sozialversicherung im laufenden Jahr kann den Gewinn und somit die Einkommensteuerbelastung noch minimieren. Es emp- fiehlt sich, vorab schon eine ungefähre Berechnung der Sozialversicherung für das lau- fende Jahr zu ermitteln. Ergibt sich eine Nachzahlung, so kann man diese schon vorab einzahlen und somit eine Betriebsausgabe generieren.


Steuersparen mit Spenden

Spenden aus dem Betriebsvermögen an begünstigte Institutionen sind bis höchstens 10 % des Gewinnes des laufenden Wirtschaftsjahres steuerlich absetzbar. Als Obergrenze gilt der Gewinn vor Berücksichtigung des Gewinnfreibetrags. Damit derartige Spenden (bei einem Regelbilanzstichtag 31.12.2019) noch im Jahr 2019 steuerlich wirksam wer-

den, müssen diese bis spätestens zum 31.12.2019 getätigt werden.

Der Nationalrat hat am 19.09.2019 den Initiativantrag zum Steuerreformgesetz 2020 beschlossen. Große Änderungen kommen damit auf Ärzte kei- ne zu, wie Marihart-Kretzschmar anmerkt. So würden von der Neuregelung für Kleinunternehmer im Umsatzsteuerrecht nur wenige Ärzte betroffen sein, da die Umsätze aus der ärztlichen Tätigkeit unecht umsatzsteuerbefreit sind. Es ist jedoch möglich, dass Ärzte darüber hinaus nichtärztliche Tätigkeiten ausüben. Und hier wird die Umsatzgrenze von bisher 30.000 auf 35.000 Euro angehoben.


Änderung bei der Pauschalierung

Zusätzlich zu den bestehenden Pauschalierungen wird es nun auch eine umfassende Pauschalierung der Betriebsausgaben bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit geben. Für die Höhe der Pauschalen sind lediglich die Umsatzhöhe und die Branche ausschlaggebend. Es werden also die Umsätze herangezogen und davon ohne Nachweis von Ausgaben pauschale Betriebsausgaben angesetzt. Diese sind im Dienstleistungsbereich – also voraussichtlich auch bei Ärzten – in Höhe von 20 % vorgesehen. Doch Achtung: „Wird freiwillig von dieser Pauschalierung auf eine andere Form der Gewinnermittlung übergegangen, ist eine erneute Pauschalierung frühestens nach Ablauf von drei Wirtschaftsjahren zulässig“, mahnt Marihart-Kretzschmar. Da heißt es gut rechnen. Bei höheren Betriebsausgaben, insbesondere bei Verlusten, wird die „freiwillige“ Ermittlung des richtigen steuerlichen Ergebnisses steuerlich weiterhin vorteilhaft sein.

Profitieren werden die Ärzte sehr wohl von der Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Die Grenze für die Sofortabschrei- bung steigt im Jahr 2020 von 400 auf 800 Euro. Damit soll vor allem die Verwaltung vereinfacht werden. Ob man Anschaffungen im Wert von 400 Euro bis 800 Euro auf Anfang 2020 verschieben sollte, könne man nur nach einer individuellen Prüfung beurteilen, so die Steuerexpertin: „Dabei kommt es unter anderem darauf an, wie stark der Gewinnfreibetrag bereits ausgenutzt wird.“

Seit Juli 2019 ist es möglich, die vierteljährlich anfallende Einkommensteuer-Vorauszahlung mittels SEPA-Lastschrift automatisch vom Konto abbu- chen zu lassen. Vorteil dabei ist, dass Sie sich nicht mehr um die termingerechte Überweisung der Einkommensteuer-Vorauszahlung kümmern müssen.

Achtung: Die Einziehung erfolgt unabhängig von vielleicht bestehenden oder entstehenden Guthabensbeträgen. Grundsätzlich eine gute Idee, doch die Vorabinformation über den einzuziehenden Betrag bis spätestens einen Bankwerktag vor der Durchführung der Einziehung ist zu knapp. Sollte das Konto nicht ausreichend gedeckt sein, kann das Finanzamt auch Spesen, die aus der Rücküberweisung entstehen, dem Steuerpflichti- gen vorschreiben.

„Auf jeden Fall sollte auf die Beantragung des Familienbonus Plus (FB+) nicht vergessen werden“, erklärt Marihart-Kretzschmar. Beim Familienbo- nus (FB+) handelt es sich um einen Absetzbetrag, der den Kinderfreibetrag sowie die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten ersetzt. Der Fa- milienbonus Plus wird nur auf Antrag gewährt, entweder monatlich über die Lohnverrechnung oder jährlich nachträglich über die Arbeitnehmerveranlagung.

Voraussetzung ist, dass für das Kind Familienbeihilfe bezogen wird und das Kind seinen ständigen Aufenthalt in der EU, EWR oder der Schweiz hat. Die Wahlfreiheit gewährt Eltern Spielraum, den Steuervorteil optimal zu nützen. Bei mehreren Kindern können sie auch entscheiden, welche Variante für welches Kind (zum Beispiel: Halbe-Halbe für ein Kind und ein ganzer Familienbonus für das andere Kind) gewählt wird. Die Wahlfrei- heit gilt auch für getrennt lebende Eltern.


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2018

foto: Fotolia/ magele-picture, zvg

Droht ein zu hoher Gewinn? Dann investieren Sie noch bis Jahresende und schlagen Sie der Steuer ein Schnippchen.

Für Einnahmen-Ausgaben-Rechner, die auf ein er- folgreiches Jahr 2018 zurückblicken, sich gleichzei- tig jedoch über hohe Steuernachzahlungen sorgen, können Gewinne vielleicht noch gesteuert und ver- schoben werden, und zwar durch das Verschieben von Einnahmen ins nächste Jahr bzw. das Vorzie- hen von Ausgaben ins auslaufende Jahr. Allerdings ist darauf zu achten, dass regelmäßig wiederkeh- rende Einnahmen und Ausgaben, die innerhalb von 15 Tagen vor bzw. nach dem Jahreswechsel zu- bzw. abfließen, für jenes Kalenderjahr zu rechnen sind, dem sie wirtschaftlich zuzuordnen sind.


Vorauszahlungen leisten

Grundsätzlich sind auch Vorauszahlungen von Be- ratungs-, Bürgschafts-, Fremdmittel-, Garantie-, Miet-, Treuhand-, Vermittlungs-, Vertriebs- und Ver- waltungskosten sind gleichmäßig auf den Zeitraum der Vorauszahlung zu verteilen.

Um den Gewinn des Jahres 2018 zu reduzieren, können daher zum Beispiel Mieten oder Beratungs- honorare für einen Teil oder das ganze Jahr 2019 steuerwirksam noch 2018 vorausgezahlt werden.


Gewinnfreibetrag

Eine wesentliche Maßnahme zur Optimierung der Einkommensteuerbelastung stellt der Gewinnfreibe- trag dar. Steuerpflichtige können einen Gewinnfrei- betrag zur Verminderung des steuerpflichtigen Ge- winnes geltend machen. Ein Freibetrag bewirkt eine Verminderung der Steuerbemessungsgrundlage. Der Gewinnfreibetrag beträgt bis zu 13 % des Ge- winnes aus der beispielsweise ärztlichen Selbstän- digkeit. Die Bemessungsgrundlage ist der Gewinn des Kalenderjahres. Der Gewinnfreibetrag steht für jedes volle Kalenderjahr bis zu einer Bemessungs- grundlage von 30.000 Euro zu. Dies ist der Grund- freibetrag. Bei einem Gewinn von 30.000 Euro er- gibt das somit 3.900 Euro. Dieser Betrag vermindert die Bemessungsgrundlage. Eine weitere Möglichkeit besteht dann, wenn die Bemessungsgrundlage den Betrag von 30.000 Euro übersteigt. In diesem Fall kann ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag gel- tend gemacht werden. Dies bedeutet, dass Investi- tionen dazu führen, dass eine Verminderung der Steuerbelastung eintritt.

Voraussetzung für einen Freibetrag ist, dass folgen- de Wirtschaftsgüter angeschafft werden: Unge- brauchte, abnutzbare körperliche Anlagegüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren. Ausgenommen sind jedoch Pkw und Kombinationskraftfahrzeuge.


Wertpapiere, Werbung und Spenden

Bei den Wertpapieren hat sich eine wesentliche Verbesserung ergeben. Seit 2017 zäh- len festverzinsliche Wertpapiere (Bundesanleihen, Bankschuldverschreibungen, Indus- trieobligationen, Options- und Umtauschanleihen) sowie Fonds, die sich aus derartigen Wertpapieren zusammensetzen sowie Immobilienfonds und Garantiezertifikate wieder zu den begünstigten Wertpapieren.

Voraussetzung ist, dass die erworbenen Gegenstände vier Jahre im Betriebsvermögen verbleiben. Somit ist bei der Anschaffung von Wertpapieren darauf zu achten, dass die- se eine mindestens vierjährige Restlaufzeit aufweisen. Die Anschaffung von Neuemis- sionen ist nicht erforderlich. Im Falle einer Veräußerung der körperlichen Anlagegüter oder der Wertpapiere innerhalb von vier Jahren ab Anschaffung ist eine Nachversteue- rung des Gewinnfreibetrages vorzunehmen, sofern nicht eine Ersatzanschaffung von körperlichen Gegenständen erfolgt.

Bei Werbungskosten gilt das Abflussprinzip. Sollen Werbungskosten wie beispielsweise Fortbildungskosten, Fachliteratur, Mitgliedsbeiträge etc. noch im alten Jahr steuerwirk- sam sein, müssen sie noch bis 31. Dezember 2018 bezahlt werden. Spenden als Be-

triebsausgaben oder als Sonderausgaben können bis zu 10 % des Gesamtbetrages der Einkünfte an bestimmte, im Gesetz ge- nannte, begünstigte Institutionen umfassen. Damit derartige Spenden noch im Jahr 2018 abgesetzt werden können, müssen sie bis spätestens 31. Dezember 2018 getätigt werden.


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