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Gutachter-Mangel

Die Wiener Gerichtsmedizin kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken und zählte einst zur Welt- spitze der Forschung. Heute fehlt es an Gutachtern, der Beruf ist unattraktiv.

Ein aktueller Fall in Niederösterreich zeigt die dramatischen Konsequenzen des aktuellen Gutachtermangels auf: Nach vier Todesfällen in einem Pflegeheim in St. Pölten, die den Verdacht der fahrlässigen Tötung bzw. fahrlässigen Körperverletzung aufgeworfen haben, warten die Ermittler schon seit März auf das nötige Gutachten zur Obduktion. „Schuld daran ist der immer kleiner werdende Kreis an Gerichtsmedizinern“, betont Dr. Harald Schlögel, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Leiter des ÖÄK-Gutachter-Referates. Es herrsche akuter Nachwuchsman- gel und ein Ansatzpunkt ist für Schlögel völlig klar: „Die Honorare für Gutachter wurden zuletzt 2007 angepasst – schon vor der gerade explodie- renden Inflation war das ein realer Wertverlust von etwa 29 %. Die aktuelle Teuerung hat dieses Problem noch drastisch verschärft“, hält Schlögel fest. Es sei auch nicht einzusehen, warum einige Berufsgruppen, darunter eben Ärzte, gesetzlich in feste Tarife gezwungen werden und damit für vollkommen idente Tätigkeiten deutlich weniger verdienen als andere Berufe.