DFP-FORTBILDUNG & KLINIK

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Forschungsergebnisse sichtbar machen

Neben den ärztlichen Aufgaben stellt die wissenschaftliche Arbeit stets eine große Herausforderung dar. Basiswissen über die wichtigs- ten Erfolgsfaktoren erleichtern die Hürden und machen sicherer bei der Publikation eigener Forschungsresultate.

Peer Review, Open Access, Impact Factor – die wissenschaftliche Welt ist international getaktet und erfordert ein Anpassen an übliche Gepflogenheiten, ein gewisses Maß an Schnelligkeit und unbedingtes Qualitätsbewusstsein. Mit den richtigen Kontakten und dem Willen, zügig und gleichzeitig akribisch vorzugehen, steht wissenschaftlichen Ambitionen nichts mehr im Weg.


Peer Reviews als TÜV der Wissenschaften

Bereits seit dem 17. Jahrhundert wird das Peer-Review-Verfahren zur Qualitätssicherung von Publikationen in wissenschaftlichen Fachmagazinen genutzt. Auch für die Entscheidung über Förderanträge werden oft Peer Reviews herangezogen. Unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet beurteilen dabei, ob sich ein wissenschaftlicher Text zur Veröffentlichung eignet. In vie- len Fällen kommt sogar ein Doppelblindgutachten zur Anwendung, nämlich dann, wenn sowohl Gutachter als auch Begutachte- ter anonym bleiben. Das Problem liegt häufig im Renommee und damit der Vielbeschäftigung der Gutachter begründet: Gerade brisante Forschungsergebnisse sollten naturgemäß auch rasch publiziert werden. Benötigt der Peer Reviewer allerdings lange – einige Monate sind dabei möglich –, kann das Komplikationen nach sich ziehen – insbesondere dann, wenn auch der Herausge- ber viel Zeit für seine Entscheidung benötigt. Einen weiteren Unsicherheitsfaktor stellt die nicht überprüfbare Neutralität des Gut- achters dar, denn selbstverständlich kann ein Urteil immer auch persönliche Präferenzen und Aversionen implizieren. Schließlich kommt auch noch das Problem der Redundanzen zum Tragen, das sich naturgemäß ergibt, wenn viele verschiedene Gutachter unterschiedliche Arbeiten bewerten. Entsprechend umstritten bleibt wohl auch der Peer-Review-Prozess – insbesondere, wenn es dabei um Geld, etwa im Rahmen eines Förderantrags, geht. Alternativen zum klassischen Peer Reviewing stellen Open-Re- view-Prozesse, bei denen Artikel publiziert und öffentlich begutachtet werden, und Dynamic Peer Reviews, ein Forum für Gut- achten, bei dem auch die Gutachten kommentiert werden können, dar. Fest steht, dass eine Digitalisierung wissenschaftlicher Kommunikation für alle Beteiligten Erleichterungen bringt und das Erkennen von Wiederholungen vereinfacht. Ein offenes System würde außerdem die Transparenz verbessern. Auch Doppelblindverfahren werden empfohlen, wenn mehr Objektivität ge- wünscht wird.


Freier Zugang zum Wissen

Open Access ist dazu gedacht, den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Texten frei und rasch zu gestalten, doch auch diese Methode bleibt nicht gänzlich unumstritten. Open Access Journals sind wissenschaftliche Fachzeitschriften, die le- diglich über einen Internetzugang funktionieren und sonst mit keinerlei Hürden für den Leser verbunden sind. Verzeichnisse für Open Access Journals wachsen laufend und bieten immer mehr Optionen für Publikationen ohne Sperrfrist. Hybrid-Zeitschriften bieten Autoren die Möglichkeit, gegen ein Entgelt ihre Artikel öffentlich zugänglich zu machen.

Unterstützt wird der freie Zugang von vielen wissenschaftlichen Institutionen, so etwa auch vom Fonds zur Förderung der wis- senschaftlichen Forschung (FWF), der seine Projektleiter mit wenigen Ausnahmen dazu verpflichtet, ihre Publikationen durch Open-Access-Medien frei zugänglich zu machen. Auch andere Institutionen wie die Österreichische Akademie der Wissenschaf- ten, die Universität Wien und die Österreichische Universitätenkonferenz verfolgen eine Open-Access-Politik.


Impact Factor als Benchmark

Ein weiteres Feature, das für wissenschaftlich tätige Mediziner von Relevanz ist, ist der Journal Impact Factor (JIF). Er ist eine er- rechnete Zahl, deren Höhe den Einfluss einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift wiedergibt. Der JIF dient zum bibliometrischen Vergleich verschiedener Zeitschriften. Er ist kein Maß für die Qualität der Artikel einer Zeitschrift, sondern gibt Auskunft darüber, wie oft die Artikel einer bestimmten Zeitschrift in anderen Publikationen zitiert werden. Auch der JIF ist in der wissenschaftlichen Welt nicht gänzlich unumstritten.

Innerhalb eines Fachbereiches gilt der Impact Factor durchaus als gutes Instrument, denn je qualitativ hochwertiger die wissen- schaftliche Arbeit, desto höher ist der Impact Factor des Journals, in dem man die Arbeit publizieren kann. Jungwissenschaftler haben es damit jedoch relativ schwer, in renommierten Journals zu publizieren, denn bei Zeitschriften mit hohem Impact Factor werden mehr als 50 % der Arbeiten ohne Peer Review zurückgewiesen, wenn ein Herausgeber den Eindruck hat, dass die Ar- beit im Peer-Review-Prozess voraussichtlich nicht bestehen kann. Für Jungforscher ist es daher wichtig, den Wert eines hohen Impact Factors zwar zu schätzen, aber nicht überzubewerten. Immerhin bewertet der Impact Factor das Journal selbst und nicht die Qualität des einzelnen Artikels.


Knackpunkte für wissenschaftliches Arbeiten

Auch heute noch gilt eine ausnehmend lange Publikationsliste als wichtige Antriebsfeder für eine schnelle Karriere – unabhängig von der Qualität der Publikationen. Trotzdem sind interna- tional gültige Qualitätskriterien ein unabdingbares Muss, wenn eine Publikationsliste einem de- taillierteren, prüfenden Blick standhalten soll. Dr. Gerrit Borchard, Pharmazeut an der Universität Genf, hat folgende Basisregeln für gutes wissenschaftliches Arbeiten zusammengefasst: Gute wissenschaftliche Arbeiten werden bei einem (!) passenden Journal eingereicht – Reichweite und Prestige müssen zur Arbeit passen; die Datensätze sind ausreichend groß; Leitlinien für Au- toren werden eingehalten; Struktur und Englisch sind korrekt und – last but not least – die Ein- haltung ethischer Standards ist selbstverständlich.

Das Motiv für eine wissenschaftliche Publikation muss – vorneweg – sein, dass der Autor seine Erkenntnisse mit der Gemeinschaft teilen möchte, weil sie einen Fortschritt bedeuten und somit den medizinischen Grundgedanken unterstützen. Dabei soll es also nicht um eine bloße Wie- derholung von Wissen gehen, sondern um eine Erweiterung. Wird das Fachgebiet nicht eindeu- tig eingegrenzt, werden die Ergebnisse zu früh veröffentlicht oder handelt es sich um keine ech- te Novität, wird die Publikation üblicherweise in einem Peer-Review-Verfahren abgelehnt. Und das wäre in diesen Fällen auch gut so, denn eine gute wissenschaftliche Arbeit soll garantieren, dass der Leser eine neue Erkenntnis rasch erfassen und nutzen kann. Der Autor selbst ent- scheidet darüber, für welches Publikum er seine Arbeit verfasst – und orientiert danach auch das Journal, bei dem er einreicht – und wie schnell die Erkenntnisse ihren Weg an die Öffent- lichkeit finden müssen. Nur bei einem Journal einzureichen und erst gegebenenfalls nach Ab-

lehnung bei einem zweiten, muss sich von selbst verstehen und auch ein intensives Studium des Leitfadens für Autoren, den jedes Journal zur Verfügung stellt, ist ein Muss. Für die Zitierfreude Ih- rer Leser sind zudem ein „knackiger“ Abstract, informative und effiziente Kürze sowie eine ein- wandfreie Sprache unerlässlich. Im Zweifelsfall lohnt es sich allemal, den Artikel lektorieren zu las- sen.

Wer wissenschaftlich publizieren möchte, muss viele Faktoren kennen, die die Bewertung der Er- kenntnisse in die eine oder andere Richtung lenken. Optimale Lösungen wurden bisher wohl noch nicht gefunden, doch der Diskurs über Mittel und Wege, wissenschaftliches Publizieren fairer für Forscher und dennoch leichter erfassbar für Leser zu machen, wird früher oder später zu verbes- serten Features führen. Bis dahin bleibt wissenschaftlich Tätigen die Empfehlung, sauber, also ethisch einwandfrei, den allgemeinen Regeln entsprechend, den individuellen Vorgaben pro Zeit- schrift folgend und höchst sorgfältig zu arbeiten, denn Qualität ist in der wissenschaftlichen Arbeit immer noch zielführender als Quantität.


bw