REHABILITATION | Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Indikationen, Kontraindikationen

und Risikofaktoren der

Herz-Kreislauf-Rehabilitation

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Die stetig steigende Lebenserwartung bedingt auch ein höheres Alter der Rehabilitanden. Als Rehabilitationsziel gewinnt daher – neben dem Wiedereinstieg ins Berufsle- ben und dem Erhalt der Selbstständigkeit – die Vermei- dung von Pflegebedürftigkeit an Bedeutung.

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Österreich. Männer sind mit rund 50 % stärker betroffen als Frauen (40 %) und erkranken mit 50 bis 55 Jahren auch durchschnittlich um zehn Jahre früher. Rehabilitation soll nicht nur den Gesundheitszustand nach einer akuten Erkrankung oder einem operativen Eingriff wiederherstellen, sondern auch nochmalige Er- eignisse verhindern. Eine Studie der Ludwig Boltzmann Gesellschaft aus dem Jahr 2016 zeigt: Die bewegungsbasierte kardiolo- gische Rehabilitation bei Patienten mit geringem kardiovaskulärem Risiko nach Myokardinfarkt, perkutaner Koronarintervention (PCI) oder bei Herzinsuffizienz hat im Vergleich zur Routineversorgung keinen Einfluss auf die Mortalität, vermindert aber Kran- kenhausaufenthalte und verbessert die Lebensqualität.

Viele Patienten weisen multiple Erkrankungen auf, die oft erst im Rahmen der diagnostischen Untersuchung beim Reha-Antritt festgestellt werden. Zu den häufigen Komorbiditäten zählen Hypertonie, Hypercholesterinämie, Diabetes, arterielle Verschluss- krankheit (pAVK) sowie zerebrovaskuläre Erkrankungen. Hinzu kommen gemischte Krankheitsbilder wie Insult und Myokardinfarkt oder orthopädische Probleme. Als Kontraindikationen für eine Rehabilitation gelten floride entzündliche Erkrankungen wie Lun- genentzündung, nicht behandelte Klappenvitien, frische Myokarditis oder Endokarditis. Für Patienten, die nicht mobilisierbar sind und daher die Einrichtungen der Reha nicht nützen können, ist ein Rehabilitationsaufenthalt nicht möglich.


Fokus auf Risikofaktoren

Die Erfassung von Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes mellitus, Hypertonie, Bewegungsmangel, Rauchen oder erhöhtem Ge- samtcholesterin steht zu Beginn der Reha. Bei Patienten nach Koronarintervention oder kardiochirurgischen Eingriffen, insbeson- dere in Verbindung mit Vorhofflimmern, ist das Management der antithrombotischen Therapie oft schwierig für Patienten und Hausärzte. Der individuelle Therapieplan bestimmt die Dauer der gerinnungshemmenden Therapie bzw. einer Dual- oder Triple- Therapie und wird den weiterbehandelnden (Fach-)Ärzten sowie den Patienten übermittelt.


Somatopsychisches Therapiekonzept

Das individuelle Therapieprogramm jedes Patienten wird nach der ausführlichen Eingangsuntersuchung (Anamnese- und Status- erhebung, Labor, EKG, Echokardiografie u. a.) von einem multidisziplinären Team festgelegt. Schrittzähler und Pulsuhr unterstüt- zen die Überwachung des pulsgesteuerten Trainings, mithilfe eines Blutdruckpasses kontrollieren die Patienten ihre Werte. Ster- notomie-Patienten erhalten ein spezielles Programm mit eigens angepasstem Krafttraining. Sie müssen sich – wie alle Patienten mit frischen Operationswunden – in den ersten sechs Wochen nach der Operation schonen und dürfen an keinen Bade- und Schwimmtherapien teilnehmen. Die Therapie umfasst Herz-Kreislauf-Training, Physiotherapie, Ernährungstherapie und -beratung,

physikalische Therapie sowie – falls erforderlich – Ergotherapie und Logopädie. In Schu- lungen wird den Patienten Wissen über ihre Krankheit vermittelt. Die psychologische Therapie unterstützt bei Krankheitsbewältigung, Stressbewältigung und Raucherentwöhnung.


Spezialfall Kunstherzpatienten

Das Klinikum Bad Hall ist auf die Aufnahme von Patienten mit Kunstherz (Left Ventricular Assist Device, kurz LVAD) spezialisiert und vorbereitet. Dies erfordert nicht nur eine spe- zielle Schulung des Personals, sondern auch der Betroffenen, die unter anderem den Umgang mit dem Gerät erlernen. So muss die Messung des Blutdrucks meist per Ultra- schall erfolgen und auch das Monitoring der Blutgerinnung ist aufwendig.