FORTBILDUNG & KLINIKGesprächsführung

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Der Umgang mit ängstlichen Patienten

Sensible Patienten machen sich häufig viele Ge- danken um ihre Gesundheit und beschäftigen sich ausführlich mit realen oder potenziellen Krankheiten. Die Bewertung der Situation und die befürchteten Folgen können Ängste auslösen. So erklärt sich auch der häufige Besuch des Patien- ten in der Arztpraxis.

Studien belegen, dass negative Emotionen den rechten präfrontalen Cortex aktivieren und damit die Immunabwehr im Körper vermindern. Ein gu- tes Gefühl und die Zuversicht, Krankheiten zu überwinden, verbessert die Immunabwehr und kann sogar Schmerzen lindern. Dem Patienten Mut machen, Zuversicht vermitteln, ist daher ebenso wichtig wie das Ausstellen eines Rezeptes. Ist der Patient bereit, sich selbst anzunehmen und in einer schwierigen Situation Chancen zu sehen, verbessert das seine Psyche. Stellt er seinen gesundheitlichen Fortschritt aber infrage und glaubt er, der Arzt würde ihn nur beruhigen, erhöht das seine Bedenken.


Zuversicht geben

Studien belegen, dass eine optimistische Ausstrahlung des behandelnden Arztes die Chancen für eine gute Behandlung beeinflusst. Die kleinste Besserung des Patienten sollte daher spätestens beim zweiten Praxisbesuch Anlass zur Freude sein und der Arzt tut gut daran, dies dem Patien- ten ausführlich zu erläutern. Um Zuversicht zu vergrößern, kann er sich, zum Beispiel bei Verbesserung der Blutwerte, positiv äußern, anstatt nur mit nüchternen Zahlen zu informieren.

Besonders wirkungsvoll sind Ich-Botschaften. Anstatt: „Das sieht bei Ihnen viel besser aus als beim letzten Mal“, besser: „Ich freue mich, dass sich Ihr Zustand verbessert hat.“ Das „Ich“ wirkt als persönliche Wertung. Die Wirkung kann weiter gesteigert werden, wenn der Arzt die Mithilfe des Patienten personalisiert, indem er den für Patienten erforderlichen Aufwand, wie etwa einen Gewichtsreduzierung, positiv bewertet. Der Patient, der vom Arzt Anerkennung erfährt, wird in seinem Selbstvertrauen gestärkt und wird aktiv, damit sich die Anerkennung beim nächsten Praxisbesuch wiederholt.


Reaktion auf Angst des Patienten

Empathie ist ein Teil der emotionalen Intelligenz, die zum patientenorientierten Verhalten gehört. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, quittieren Patienten meist mit einem „Danke“ am Ende des Gesprächs. Empathie ist nicht jedem in die Wiege gelegt, vielmehr das Ergebnis einiger Bemühungen, man kann es sich angewöhnen. Wenn Mitgefühl aus der inneren Einstellung kommt, wirkt es doppelt. Voraussetzung dafür ist, die Gefühlslage des Patienten nachzuempfinden.

Positives Feedback ist nach der Untersuchung angebracht, der Arzt zeigt dem Patienten, dass er „ein Held“ ist, alles gut überstanden hat. Aner- kennung schafft Mut und Selbstvertrauen. Sekundenlanges Schweigen, wenn der Arzt die Untersuchungsergebnisse oder das Röntgenbild be- trachtet, belasten ängstliche Menschen. Redepausen sind Angstverstärker, denn Patienten interpretieren dann in die Mimik und Gestik des Arztes mögliche Aussagen hinein. Im Zweifelsfall lesen sie darin etwas Negatives. Es hat sich daher bewährt, schon während der Beurteilung von Befun- den zu sprechen.


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