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nachfrage nach Gold boomt

Allein die Goldbestände von einschlägigen ETFs stiegen seit Jahresbeginn um 150 %. Der Goldpreis liegt aktuell um 25 % über dem Niveau von Anfang Jänner.

Gold gehört zweifellos zu den größten Profiteuren der Coronakrise. Seit Jahresbeginn stieg der Preis pro Feinunze von 1.517,24 USD auf aktuell 1.871 USD, was einem vorläufigen Plus von fast 25 % entspricht. Im August wurde mit 2.075 USD sogar ein neuer Rekordwert erreicht. Dass der Goldpreis seitdem etwas zurückging, führen Gold-Experten auf die etwas höheren Realrenditen und den stärkeren USD zurück. Die Rede ist von einer „natürlichen Konsolidierungsphase“. Tatsächlich spricht einiges für eine Rückkehr auf den Wachstumspfad – angefangen mit dem exzessiven Geldmengenwachstum über das niedrige Real- und Nominalzinsniveau bis hin zu zunehmenden geopolitischen Spannungen.


Optimistische Goldpreisprognosen

Goldexperten geben sich trotz der aktuellen Verschnaufpause des Goldpreises optimistisch für dessen weitere Entwicklung. Erst kürzlich hat etwa die Investmentbank Goldman Sachs ihre im August von 2.000 auf 2.300 USD angehobene Prognose auf Sicht der nächsten zwölf Monate bestätigt. Begründet wird das unter anderem mit zunehmenden Inflationssorgen, die die Nachfrage nach Gold als Wertaufbewahrungsmittel befeuern sollten. Für einiges an Aufsehen sorgte die drastisch erhöhte Goldpreisprognose der Bank of America im Mai. Auf 18-Monate- Sicht wird von einem Goldpreis von 3.000 USD ausgegangen.

Covid-19 hat jedenfalls auch am Goldmarkt seine Spuren hinterlassen. In den ersten neun Monaten des Jahres ging die Goldminen-Produktion gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5 % auf 2.447 Tonnen zurück (üblicherweise werden pro Jahr um die 3.300 Tonnen an Gold gefördert, Anm.). Dies kann zumindest teilweise von der gestiegenen Gold-Recycling-Tätigkeit abgefangen werden. Auch die globale Goldnachfrage hinkt nach den ersten drei Quartalen des Jahres dem Vorjahreszeitraum hinterher – mit 2.972 Tonnen steht ein Minus von 10 % zu Buche.

An der Investmentnachfrage – nach der Schmuckindustrie die zweitwichtigste Nachfragequelle bei Gold – kann der Rückgang jedenfalls nicht liegen. Vor allem

einschlägige börsengehandelte Indexfonds – sprich ETFS – spielten hier eine gewichtige Rolle. Ihre Goldbestände stiegen laut dem World Gold Council seit Anfang 2020 um 1.022 bzw. mehr als  150 % auf ein neues Allzeithoch von 3.899 Tonnen. Stark entwickelte sich auch die Nachfrage nach Anlagegold in Form von Barren und Münzen. In Europa zeichnete der deutschsprachige Raum für einen Löwenteil der Nachfrage verantwortlich. Während in Deutschland 80 Tonnen (+ 113 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2019) gekauft wurden, waren es in der Schweiz und Österreich 25,3 (+62 %) bzw. 5,8 (+ 100 %) Tonnen. Noch mehr stieg der Goldabsatz mit + 175 % bzw. 29,3 Tonnen lediglich in den USA.


Österreicher greifen zu Barren und Münzen

Über mangelndes Interesse der Anleger können derzeit also auch die heimischen Goldhändler nicht klagen. Besonders stark sei die Nachfrage während des ersten Lockdowns im Frühjahr gewesen, so der Grundtenor. Angesichts der Corona-bedingten Einschränkungen fand der Verkauf von Anlagegoldmünzen und -barren bei Marktplayern wie ÖGUSSA, philoro oder Münze Österreich über das Internet statt. So hat beispielsweise der Marktführer ÖGUSSA, dessen Geschichte bis in die k. u. k-Zeit (1862) zurückgeht, Kunden umgehend informiert, wie sie ÖGUSSA-Feingoldbarren in sieben verschiedenen Größen online erwerben können.

Eine aktuelle Umfrage von Karmasin Research im Auftrag von philoro unter 2.000 Österreichern bestätigt den hohen Stellenwert, den Gold in der Alpenrepublik genießt. Im Durchschnitt werden 13 % der Ersparnisse in dem Edelmetall veranlagt. Hätten sie einen größeren Geldbetrag zur Verfügung, so würden 44 % der Befragten in Gold investieren. Nur Immobilien haben hier mit 49 % die Nase vorn. Das klassische Sparbuch (24 %) und Aktien (19 %) folgen mit Respektabstand. Besonders interessant: Alle Befragten sehen Gold als die sicherste (51 %), wertbeständigste (54 %) und krisenresistenteste (35 %) Veranlagungsform. Immobilien (sicher 41 %, wertbeständig 51 %, krisenresistent 27 %) folgen auf dem zweiten Platz. Die Goldnachfrage der Schmuckindustrie ging heuer hingegen um fast 30 % zurück – auch wenn sie im dritten Quartal gegenüber dem zweiten wieder leicht anstieg. Die Nachfrage der Industrie – sprich der Bedarf für Elektronikbauteile, Industrieanwendungen und Zahngold – ging hingegen um 6 % zurück. Für die verhaltene Nachfrage der Schmuckindustrie sind vor allem die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen sozialen Einschränkungen sowie die wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Lockdowns beim gleichzeitig hohen Goldpreis verantwortlich.


Zentralbanken kaufen weniger Gold

Auch die Zentralbanken, die jahrelang als Stütze des Goldpreises galten, fragten weniger Gold nach. In den ersten sechs Monaten von 2020 kauften sie 233 Tonnen, was einem Rückgang von 39 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet. Laut World Gold Council belaufen sich die weltweiten staatlichen bzw. institutionellen Goldreserven aktuell auf 34.717 Tonnen. Das Land mit dem größten Bestand ist mit 8.133 Tonnen die USA. Mit 3.362 Tonnen belegt Deutschland den zweiten Platz, gefolgt von Italien (2.451), Frankreich (2.236), Russland (2.299) und China (1.948). Die OeNB besitzt – seit 2007 unverändert – 280 Tonnen Gold.

Welche langfristige Perspektive haben Anleger mit Gold? Besonders optimistisch geben sich die Experten des

liechtensteinischen Vermögensverwalters Incrementum, der für den jährlichen „In Gold We Trust“-Report verantwortlich zeichnet. „Gold ist in aller Munde, wir befinden uns nun in einer neuen Phase des Bullenmarktes“, so der Autor des Reports, Ronald-Peter Stöferle, anlässlich dessen Präsentation im Mai. Seinen Angaben zufolge nahm die aktuelle Goldhausse bereits vor der Corona-Krise an Fahrt auf. Neuerliche Gold-Allzeithochs wären nur eine Frage der Zeit. Stark: Am Ende des laufenden Jahrzehnts könnte der Goldpreis bei 4.800 USD stehen.


pb