KARDIOLOGIE |  Demenz

Demenz und Hypertonie

Der Zusammenhang zwischen jahrelanger arterieller Hy- pertonie und Demenz ist bereits seit Längerem bekannt. Eine effektive Prävention beginnt bereits bei den 40- Jährigen.

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Eine Demenzerkrankung ist durch einen Verlust kognitiver Funktionen in ei- nem fortschreitenden Prozess charakterisiert. Sie betrifft meist das Gedächt- nis, die Lernfähigkeit, die Sprache, das Verstehen und die Fähigkeit komple- xe Aufgaben durchzuführen. Von den verschiedenen Demenzerkrankungen sind der Alzheimer und die vaskuläre Demenz die bei Weitem häufigsten Formen. Derzeit nimmt man an, dass in Österreich rund 150.000 Patienten mit Demenz leben und sich dies Zahl bis zu Jahr 2050 verdoppeln wird. Trotz großer Bemühungen der medizinischen Forschung gibt es bis jetzt kei- ne Therapie, die eine längerfristige Verbesserung der Erkrankung bewirkt.


Deutlicher Zusammenhang

Der Zusammenhang zwischen jahrelanger arterieller Hypertonie und Demenz ist bereits seit Längerem bekannt, die Optimierung des Blutdrucks Teil der internationalen Leitlinien zur Demenzbehandlung. In welchem Alter eine antihypertensive Therapie zur Prävention einer Demenzerkrankung am effektivsten ist, wurde von Autoren einer Pu- blikation aus der Whitehall II Studie untersucht und erstmals publi- ziert (Abell et al. Eur Heart J. 2018). Für die Studie wurden die Daten von über 8.000 Studienteilnehmern über einen Zeitraum von 20 Jah- ren ausgewertet. Es zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwi- schen einem erhöhten Blutdruck und dem späteren Auftreten einer Demenzerkrankung schon ab einem Alter von 45 Jahren und einem systolischen Blutdruck von 130 mmHg. Hier war das Risiko im Ver- gleich zu Studienteilnehmern mit einem systolischen Blutdruck von 100 mmHg um 40 Prozent erhöht, mit 140 mmHg um 60 Prozent und mit 150 mmHg sogar um fast 250 Prozent erhöht. Der Einfluss des Blutdrucks auf das Demenzrisiko war unabhängig von Patientencha- rakteristika, Komorbiditäten und sozialen Faktoren. Auch Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankung wiesen mit einem höheren Blut- druck ein höheres Demenzrisiko auf. Ein Zusammenhang zwischen einer isolierten diastolischen Hypertonie und einem erhöhten De- menzrisiko konnte nicht festgestellt werden.


Junge Hypertoniker besonders gefährdet

Bemerkenswert war, dass nur bei Studienteilnehmern im Alter zwi- schen 45 und 61 Jahre der Zusammenhang zwischen Hypertonie und Demenzrisiko beobachtet werden konnte. Bei all jenen, die erst im höheren Alter eine Hypertonie entwickelten schien dieser Zusam- menhang nicht mehr zu existieren. Ein Grund dafür könnte sein, dass durch den frühen Beginn der Hypertonie und der damit verbun- denen längeren Dauer intrazerebral auch mehr Schaden entsteht.

Viele Faktoren beeinflussen bereits früh die Entstehung einer De- menzerkrankung. Neben dem Blutdruck als Risikofaktor zeigte die Whitehall II Studie auch, dass es eine Vielzahl anderer Patientencha- rakteristika, Komorbiditäten und sozioökonomischer Faktoren gab, die bereits bei 50-Jährigen mit einem erhöhten Risiko für eine späte- re Demenzerkrankung verbunden waren. Diese Faktoren umfassten einen niedrigem Ausbildungsgrad und Berufsstatus, Rauchen, regel- mäßiger Alkoholkonsum, eine ungesunde Ernährungsweise mit zu wenig Obst und Gemüse, kardiovaskuläre Erkrankungen, Vorhofflim- mern und Herzinsuffizienz.

Die Ergebnisse moderner bildgebender Verfahren haben gezeigt, dass die Demenz eine langfristige Erkrankung ist, die ihren Anfang wahrscheinlich schon 20 bis 30 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome nimmt. Die Ergebnisse der Whitehall II Studie untermau- ern diese Beobachtungen und zeigen, dass präventive Maßnahmen gegen eine Demenz am effektivsten sind, wenn sie in jungen Jahren gesetzt werden.


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