Foto: PVA/Wurnig

REHABILITATION | Erwerbsfähigkeit herstellen

Der Weg zurück in den Berufsalltag erfordert das Training bestimmter Bewegungsabläufe.

Patienten müssen aktiv mitarbeiten und bereit sein, an den vereinbarten Zielen zu arbeiten.

PV RehaJET®:

Der Weg zurück in die Erwerbsfähigkeit

Eine personalisierte, gezielte und frühzeitige Rehabilitati- on kann den Weg vom Akut-krankenhaus in eine Pflege- einrichtung oder Arbeitslosigkeit nach Erkrankung ver- hindern. Das Bewusstsein dafür muss in der Öffentlich- keit noch verbessert werden.

Die Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit von Menschen nach Erkrankungen oder Operatio- nen so weit wiederherzustellen, um im beruflichen und wirtschaftlichen Leben und in der Gemeinschaft einen angemessenen Platz möglichst dauerhaft einnehmen zu können. Diesem gesetzlichen Auftrag kommen wir vor allem in den 17 eigenen Einrich- tungen der PVA nach, die eine wichtige Stütze der medizinischen Versorgung in Österreich darstellen. Zusätzlich rehabilitiert die PVA eine Vielzahl an Patienten in privat geführten Rehabilitationseinrichtungen.

Ein großes Anliegen der PVA ist, möglichst frühzeitig Rehabilitationsmaßnahmen zu beginnen. Dies scheitert leider oftmals am Un- wissen über die Möglichkeit einer Rehabilitation aufseiten der Patienten, aber auch der behandelnden Ärzte und Spitäler. Es gibt immer noch Krankenhausabteilungen, die nach Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Operationen einfach keinen Rehabilitationsan- trag ausfüllen. Damit wird den zum Teil schwer betroffenen Patienten eine wirksame und wichtige Maßnahme zum Erhalt ihrer Teil- habe am Leben vorenthalten. Dieser Artikel soll die Abgrenzung zur Kur/Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA) aufzeigen und die Möglichkeit der Rehabilitation näherbringen, sodass mehr Ärzte auf die Rehabilitation aufmerksam gemacht werden.


Personalisierte Rehabilitation

In den öffentlichen Diskussionen wird viel über die Akutkrankenhäuser und über die Pflege gesprochen, ebenso über die neue Österreichische Gesundheitskasse und über das Arbeitsmarktservice (AMS) bezüglich Arbeitslosigkeit in Österreich. Die Rehabi- litation kommt in der Diskussion jedoch kaum vor. Dass jedoch eine personalisierte, gezielte und frühzeitige Rehabilitation den Weg vom Akutkrankenhaus in eine Pflegeeinrichtung bzw. eine Arbeitslosigkeit nach Erkrankung verhindern kann, wird kaum diskutiert.

Die PVA ist der größte Sozialversicherungsträger im Bereich der Rehabilitation und hat in den letzten vier Jahren innovative Reha- bilitationsstrategien entwickelt. Während die Gesundheitsvorsorge Aktiv, ein neues Programm seit 2018, das die alte Kur ersatzlos abgelöst hat, der Prävention dient, Menschen noch ohne strukturellen Schaden anspricht und zum Nach- und Umdenken des bis- herigen Lebensstils anregt, ist die Rehabilitation für Menschen, die aufgrund einer akuten oder chronischen Erkrankung oder ei- ner Operation nicht mehr an ihrem bisherigen Leben teilhaben können. Die PVA hat in den eigenen Einrichtungen den Paradig- menwechsel von der rein funktionsorientierten zur ICF-basierten teilhabeorientierten Rehabilitation vollzogen. Dies ist eine perso- nalisierte Form der Rehabilitation, in der ganz speziell auf die individuellen Bedürfnisse in der Teilhabe- und Aktivitätsebene ein- gegangen wird, um Menschen wieder zur Rückkehr in den Beruf zu unterstützen bzw. bei schwer betroffenen Patienten eine Pfle- gebedürftigkeit zu minimieren.


Analyse der Anforderungen eines Arbeitsplatzes

Zusätzlich erprobt die Pensionsversicherungsanstalt seit eineinhalb Jahren eine neue Form der Rehabilitation, um gezielt die Er- werbsfähigkeit zu erhalten: den PV RehaJET® (Rehabilitation für Job, Erwerbsfähigkeit und Teilhabe). Mit dem PV RehaJET® wur- de erstmals in Österreich die Verbindung zwischen medizinischer und beruflicher Rehabilitation entwickelt, deren Kernstück die Arbeits- und Berufsorientierung der Maßnahmen ab der Aufnahme im Rehazentrum darstellt. Jeder Beruf erfordert unterschiedli- che Abläufe – von sehr feinmotorischen Bewegungen bis zu groben Arbeitsabläufen. Um nach einer schweren Erkrankung den Weg zurück in den Berufsalltag zu finden, müssen genau diese Bewegungsabläufe trainiert werden. In drei auf den Stütz- und Bewegungsapparat spezialisierten Rehabilitationszentren der PVA, der SKA Bad Hofgastein, der SKA Gröbming und dem PV ZAR Graz, wurden eigene Räumlichkeiten zur Arbeitssimulation, sogenannte Workparks®, errichtet. Nach einer genauen Analyse der spezifischen Anforderungen des Arbeitsplatzes und der jeweiligen physischen und psychischen Fähigkeit der Patienten kann dort eine Vielzahl von verschiedenen arbeitsspezifischen Tätigkeiten in unterschiedlichen Belastungsintensitäten nachgestellt werden. Scheibtruhefahren auf unebenem Gelände kann hier ebenso wiedererlernt werden wie das Festziehen von Schrauben an schwer erreichbaren Stellen, das Ausmalen von Wänden und Decken oder auch das Arbeiten in sitzender Position. Der Arbeits- platz eines Buschauffeurs wurde nachgestellt, Piloten wurden mit spezifischen Programmen rehabilitiert, ein Gerät kann die Rüt- telfrequenz und Anpressdruck eines Presslufthammers simulieren, die Arbeit an Förderbändern oder Supermarktkassen kann trai- niert werden und eine Vielzahl an beruflichen Anforderungen nachgebaut werden.


Von der Anforderung zum Können

Wichtig ist eine ausführliche Arbeitsplatzanalyse bezüglich beruflicher Anforderungen an den Menschen und eine intensive Fähig- keitsanalyse des Menschen selbst, um genau den Gap zwischen Anforderung und Können zu identifizieren, die Schwachstelle(n) zu objektivieren und möglichst detailgetreu und realitätsnahe diese für den individuellen Arbeitsplatz trainieren zu können. Ziel ist es, zwischen Belastung und Beanspruchung ein für die Berufsausübung notwendiges Gleichgewicht wiederherzustellen.

Essenziell entscheidend für den Erfolg ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen wie Ärzten, Pflege, Therapeuten, Psychologen und Verwaltung. Im Bereich der Pflege setzt die neu entwickelte Entlassungs- und Teilhabeberatung gleich nach der Aufnahme der Patienten im Rehazentrum und Identifizierung einer „Besonderen Beruflichen Problemlage (BBPL)“ an. Hier werden die Patienten frühzeitig begleitet, gemeinsam mit den Rehabilitationsberatern der Landesstellen der PVA den op- timalen Weg zurück in den Arbeitsprozess zu finden.


Erwerbsfähigkeit rehabilitiert

Seitens der Patienten wird viel abverlangt. Unbedingt notwendig für den PV RehaJET® sind die aktive Mitarbeit und die Bereit- schaft, an den vereinbarten Zielen zu arbeiten. Das bedeutet aber auch, dass es eine hohe Motivation und den Willen zur Rück- kehr in den Job gibt. Die Übernahme von Eigenverantwortung ist ein wichtiger Baustein. Diese Eckpunkte sind entscheidend für die Nachhaltigkeit des Programms. Das gezielte, spezifische und sehr anstrengende Training ist alles andere als ein Wellnesspro- gramm. In der letzten Aufenthaltswoche müssen bis zu sechs Stunden pro Tag auf den Beruf abgezielte Trainingsmaßnahmen ab- solviert werden, das sind rund 4.000 Therapieminuten bei einem vierwöchigen Aufenthalt.

Bei allen bisherigen Teilnehmern dieses Programmes wurde der sozialversicherungsrechtliche Status sechs Monate vor der Reha, am Beginn der Reha und sechs Monate danach überprüft. Hier hat sich gezeigt, dass die Zahl der Krankengeldbezieher dras- tisch gesunken, die Anzahl der Personen in Erwerbstätigkeit sechs Monate danach wieder auf höheren Wert als sechs Monate davor geklettert und auch die Zahl der Arbeitslosen leicht gestiegen ist. Nachdem nur die Erwerbsfähigkeit rehabilitiert werden kann, die PVA aber keinen Einfluss auf die Wiedererlangung eines Arbeitsplatzes hat, müssen hier weitere Schritte mit dem AMS gesetzt werden, um die mit großem Aufwand in die Erwerbsfähigkeit rehabilitierten Patienten wieder in den Arbeitsmarkt integrie- ren zu

können.


„Return to Erwerbsfähigkeit“

Zusammenfassend liegt der Schwerpunkt der PVA in einer teilhabeorientierten Rehabilitation mit Schwerpunkt „Return to Erwerbs- fähigkeit“. Der Gesundheitswert der Arbeit soll gestärkt werden, da wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass eine frühzeitige Pen- sionierung die Lebenserwartung negativ beeinflussen kann.

In allen neuen Programmen der PVA, sei es PV RehaJET®, die psychokardiologische Rehabilitation in der SKA Felbring oder die multimodale, arbeitsplatzorientierte Schmerzrehabilitation in der SKA Bad Schallerbach, wird die Eigenverantwortung der Patien- ten gefördert und großer Wert auf eine nachhaltige Umsetzung gelegt. Auch die gerade in Entwicklung begriffene Telerehabilitati- on soll dabei unterstützen. Essenziell ist das frühzeitige Erkennen von „Besonderen Beruflichen Problemlagen“ (BBPL) bereits zu Beginn der Rehabilitation. Aus diesem Grund wird die Initiative verstärkt, den Arbeitsmedizinern Österreichs den PV RehaJET® vermehrt als Möglichkeit der Rehabilitation bei noch im Berufsleben stehenden Patienten zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit anzubieten.

Weitere Ziele sind die Vorbeugung von weiteren Krankenständen und damit einhergehenden Arbeitsausfällen. Eine zusätzliche Herausforderung ist die Entwicklung von Rehabilitationsprogrammen, die sich nach den geänderten Bedürfnissen von Versicher- ten der Generation Y und Z richten. Hier ist auch der weitere Ausbau der ambulanten Rehabilitation ein wichtiger Entwicklungs- schritt, wobei die PVA im Zentrum für ambulante Rehabilitation Graz in der Indikation Stütz- und Bewegungsapparat als Pilotpro- jekt eine individuelle Dauer der berufsbegleitenden Rehabilitation von drei, sechs oder zehn Wochen anbietet, je nach Umsetz- barkeit mit den jeweiligen beruflichen Gegebenheiten.

Insgesamt werden der Wert und die Wichtigkeit, aber auch die Möglichkeiten der Rehabilitation weitgehend unterschätzt, von Ärzten nicht immer in die therapeutischen Überlegungen mit einbezogen und von Patienten generell als „Kur“, Wellness und Erho- lung betrachtet. Umso wichtiger ist eine intensive Aufklärungs- und Informationsarbeit seitens der PVA, um eine gezielte, effiziente und vor allem richtige Antragstellung für die Rehabilitation zu erreichen.