PRAXEN & IMMOBILIEN | Ökologisch bauen

Wohlfühlen im Lehm

Lehm hat sich als Baustoff seit Jahrtausenden bewährt. Er gilt als ökologisch besonders wertvoll, ist wiederverwertbar und sorgt für ein gesundes Wohnklima.

Weltweit lebt rund ein Drittel aller Menschen in Gebäuden aus Lehm – und das schon seit rund 10.000 v. Chr., denn mit dem Sesshaftwerden der Menschen entstand auch die Notwendigkeit, feste Behausungen zu bauen. Lehm erwies sich schon damals als bestens geeignet, Lasten zu tragen, Wärme zu puffern und zählt damit zu den ältesten Baustoffen der Welt. Ganze Städte aus Lehm gibt es heute noch, so etwa Shibam in Jemen, das sogenannte „Manhattan der Wüste“, oder in vielen Regionen Afrikas und im arabischen Raum. Lehm erfüllt viele der Anforderungen, die unter dem Aspekt des „nachhaltigen Bauens“ gefordert sind:

•Der Stoffkreislauf eines Bauwerkes aus Lehm schließt den Kreislauf, indem Abfall vermieden wird und negative Umweltauswir- kungen so gering wie möglich gehalten werden.

•Lehm ist ein Gemisch aus Sand und Ton, das als Bindemittel fungiert. Reine Lehmbaustoffe sind ideal recyclingfähig, denn auch nach vielen Jahren können sie einfach von der Wand geschlagen und dann wieder mit Wasser angerührt werden.

•Dieser Umstand sorgt auch dafür, dass der Lehm Luftfeuchtigkeit gut aufnehmen und speichern und bei Bedarf wieder abgeben kann. Je nachdem, welcher Anteil von Lehm als verwendeter Baustoff eingesetzt wurde, können so 40 bis 60 % Luftfeuchtigkeit aufrechterhalten werden. Ein ideales Raumklima wird vor allem in Bädern oder Küchen erzielt, wo sich die Luftfeuchtigkeit oft verändert.

•Lehmbaustoffe sind für Allergiker sehr gut geeignet, denn Lehm enthält keine allergenen Stoffe.

•Lehmoberflächen bieten mit ihrer niedrigen Feuchte von weit unter 5 % und der Fähigkeit, Feuchtigkeit rasch abzugeben, keine Lebensmöglichkeiten für Schimmelpilze.

•Die meisten Lehmbaustoffe sind sehr gute Wärmespeicher. Diese Eigenschaft nutzen Innenausbauer, um zum Bespiel Öfen mit Lehm zu verputzen und so eine lange Wärmeabgabe zu erreichen. Lehmöfen funktionieren nach dem gleichen Prinzip und halten die Wärme auch noch, nachdem das Feuer ausgegangen ist.

•Lehmbaustoffe geben einem Gebäude eine erhöhte Wärmespeichermasse, daher kühlt es langsamer aus. Umgekehrt kann zum Bespiel durch die Planung einer „Speicherwand“ die Energie der tief stehenden Wintersonne aufgenommen werden, die dann abends oder in der Nacht wieder in den Raum abgegeben wird.

•Nachdem Lehm selbst nicht brennt – sondern im Brandfall maximal Ziegel aus dem Baustoff werden –, ist er aus Sicht des Brandschutzes ein besonders dankbarer Baustoff.

Trotz der überzeugenden Vorteile wird heute kaum mehr ein Haus komplett aus Lehm gebaut, aber gerne mit anderen Baustoffen kombiniert. Das hat einerseits damit zu tun, dass viele Normen und Vorschriften aus dem Bauwesen von herkömmlichen Produk- ten auf den Lehm übertragen wurden und auch im Bauingenieurwesen bisher kein ausgewiesenes Fach „Lehmbau“ vorhanden ist. Auch die Forschung auf diesem Gebiet lässt noch in vielen Bereichen zu wünschen übrig, um den Lehmbau aus seinem Schattendasein zu holen.


rh