PRAXIS & STEUERRECHT  | Anstellung

Neues Arbeitsmodell

FotoS: zvg, adobe stock/ Pixel-Shot

Bereits seit 1. Oktober ist die Anstellung von Ärzten bei Ärzten möglich. Basis sind bundeseinheitliche Rahmen- bedingungen, doch wichtige Details für die Anstellung sind kollektivvertraglich zu regeln. Dr. Johannes Stein- hart, Vizepräsident der Österreichischen und Wiener Ärz- tekammer sowie Obmann der Kurie Niedergelassene Ärz- te, gibt Einblick in die Vorteile der neuen Möglichkeit.

?Ärzte dürfen Ärzte anstellen – für wen bringt das die meisten Vorteile?

Es waren lange Verhandlungen, aber letztendlich haben wir uns mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger auf eine gesam- tvertragliche Vereinbarung geeinigt, die die Bedingungen für den Einsatz von Ärzten bei Ärzten gemäß Ärztegesetz regelt. Damit ist erstmals die Anstellung von Ärzten bei Ärzten möglich, die mehr Flexibilität im niedergelassenen Be- reich bringen wird und von der alle Beteiligten profitieren werden- .


?Erwarten Sie, dass junge Absolventen jetzt häufiger in die Niederlas-

sung gehen?

Mit der Finalisierung dieser Vereinbarung ergibt sich nun für Ärzte eine neue Option der ärztlichen Tätigkeit im niedergelassenen Bereich, die diesen einerseits massiv aufwerten wird und andererseits auch eine zusätzliche Option für Jungmediziner bietet, von der wir hoffen, dass dadurch tatsächlich das Interesse für eine Tätigkeit in einer Niederlassung geweckt wird. Wir wissen, dass vor allem junge Kollegen dem System oft verloren gehen, weil sie zu wenig attraktive Teilzeitarbeitsmodelle vorfinden. Zumindest im niedergelassenen Bereich steht nun eine attraktive Alternative zur Verfügung, zum Beispiel im Falle eines Wiedereinstiegs nach ei- ner Karenz. Ältere ordinationsführende Ärzte haben zudem die Möglichkeit einer deutlichen Arbeitserleichterung vor ihrem Pens- ionsantritt.


?Die neue Option einer ärztlichen Tätigkeit im niedergelassenen Bereich soll auch eine Aufwertung bringen. Ist eine An- stellung – im Gegensatz zum „freien Beruf“ – nicht eher eine Abwertung?

Der freie Beruf des niedergelassenen Arztes besteht ja in der bewährten Form weiter. Diese Vereinbarung ist jetzt vielmehr eine Aufwertung des vielfältigen Berufsbildes des Arztes. Es gab bisher auch schon die Möglichkeit, sich zwischen einer Anstellung in einem Spital oder der freiberuflichen Niederlassung zu entscheiden. Jetzt kommt eine vollkommen gleichwertige zusätzliche Mö- glichkeit hinzu. Denn mit der Tätigkeit als Mediziner dient man immer den gleichen Idealen, dem Dienst an der Gesundheit der Me- nschen – egal, ob in der Niederlassung oder in einem Angestelltenverhältnis in einem Spita- l.


?Gibt es Wünsche Ihrerseits an dieses Modell, die derzeit nicht abgedeckt sind und ist eine Evaluierung des Modells ge- plant?

Wir konnten bei den Verhandlungen über die Vereinbarung alle unsere wichtigsten Forderungen unterbringen und können mit dem Ergebnis zufrieden sein. Mit der Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten ist eine kurzfristige Bedarfsabdeckung leichter möglich, die Patientenversorgung im niedergelassenen Bereich wird ausgeweitet und die Patienten können mit teils erweiterten O- rdinationsöffnungszeiten rechnen. Die Vereinbarung bildet die Wirklichkeit des Arbeitsalltags auch besser ab, weil Teilzeitverhältnis- se ermöglicht werden. Das hat auch direkte Auswirkungen auf die Work-Life-Balance der Kolleginnen und Kollegen. Wir werden uns aber genau ansehen, wie dieses Angebot angenommen wird, das Feedback der Kolleginnen und Kollegen einholen, um geg- ebenenfalls an der einen oder anderen Unebenheit im Vertrag nachzuschleifen- .


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