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Praxen & Immobilien | Standort

Ab ins Erdgeschoß

Viele Ärzte, die auf der Suche nach einem

geeigneten Standort für eine Ordination sind, könnten in ehemaligen Geschäftslokalen fündig werden.

Gleich vorweg: Leer stehende Geschäftslokale prägen nicht erst seit dem Aus- bruch der Covid-19-Pandemie in vielen Wiener Bezirken das Stadtbild. Vor allem Flächen in schlechteren Lagen hat der stetig an Bedeutung gewinnende Online- handel in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. Klar ist aber auch, dass sich diese Entwicklung in der aktuellen Krise, in der bekanntlich der E-Commerce einen weiteren starken Schub erfahren hat, nicht gerade abschwächen sollte. Für Ärzte, die nach geeigneten Flächen für eine Ordination suchen, könnte das neue Chancen eröffnen.

„Wir bekommen immer wieder Anfragen von Wahlärzten, die in Bestandsobjekten oder leeren Geschäftslokalen und Erdgeschoßflächen Ordinationen realisieren möchten“, sagt Mario Schwaiger, Head of Retail bei EHL Immobilien. Vor allem in den letzten Monaten sei die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Standorten unter Privatärzten hoch gewesen. Das Problem: Gerade in Wien ist das Angebot an exklusiven Lagen auch dieser Tage eher bescheiden. „Dementsprechend lan- ge suchen Ärzte nach passenden Objekten“, hält Schwaiger fest. Erdgeschoßflä- chen bieten Ärzten jedenfalls eine Reihe von Vorteilen. Einer der Größten: Gerade

im Erdgeschoßbereich lässt sich ein behindertengerechter Zugang – Stichwort Barrierefreiheit – sehr gut umsetzen. Auch wer- den die anderen Bewohner oder Mieter nicht durch Besucher, die durch das Gebäude strömen, gestört. Darüber hinaus können etwaige Schaufenster von Erdgeschoßflächen oder die Geschäftsfront attraktiv gestaltet werden, um eine entsprechende Sicht- barkeit und Werbewirkung zu gewährleisten.


Flexibilität von Vorteil

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass viele ehemalige Geschäftslokale die Anforderungen von Ärzten nicht erfüllen. Oft sind sie schlichtweg nicht groß genug oder bieten nicht genügend Räume. Auch ist eine gute Anbindung an die öffentlichen Ver- kehrsmittel wichtig, ebenso wie ausreichend Parkmöglichkeiten. Aber auch bestimmte technische Anforderungen sind oft nicht gegeben. „Welche genauen technischen Spezifikationen erfüllt werden müssen, hängt natürlich von der jeweiligen Fachrichtung des ordinierenden Arztes ab“, erklärt Florian Wöhrle, Managing Director bei der Rustler Immobilientreuhand GmbH.

„Bei Bestandsobjekten empfehlen wir bereits im Vorfeld einen Vertreter der Gewerbebehörde einzubinden, der auf wichtige An- forderungen hinweist“, so Schwaiger. Das würde nicht nur die Mieter vor künftigen unerwarteten Überraschungen schützen, son- dern auch das Verhältnis mit den Eigentümern erleichtern. Nicht zuletzt muss vorab auch die Widmungsthematik abgeklärt werden.

Aufgrund der aktuell schwachen Nachfrage von Einzelhändlern geht Wöhrle davon aus, dass es noch länger schwierig sein wird, viele Geschäftslokale zu vermieten. „Demzufolge werden auch einige Flächen günstiger angeboten, so dass wohl das eine oder andere Schnäppchen auf den Markt kommen wird“, sagt der Experte. Die Vermietung mit Ordinationszweck sei aber vor allem auch eine Frage der Widmung und der Bereitschaft der Vermieter, sich das Thema Umsatzsteuer anzutun. Bekanntlich können Vermieter bei Ordinationen für Instandhaltungs- und Instandsetzungsausgaben keinen Vorsteuerabzug geltend machen.

Dass die Betreiber oder Eigentümer von Einkaufszentren Ärzte gerne zu ihren Mietern zählen, liegt auf der Hand. Sie sorgen ge- rade in diesen für den Einzelhandel schwierigen Zeiten für weitere Frequenz. Beispiele gibt es hier wie da – sowohl für Flächen direkt in den Objekten als auch in angrenzenden eigenen Gebäuden. „Generell sind Ärztezentren sehr vorteilhaft, da sich die verschiedenen Fachrichtungen gegenseitig zuweisen und somit die Wege der Patienten reduziert werden können“, bringt es Wöhrle auf den Punkt.


pb