ORDINATIONSMANAGEMENT I Digitalisierung 

Foto: Werner Streitfelder

Die papierlose Praxis …

Dr. Karin Assadian, Gemein- schaftspraxis Gefäß-Medizin Tuchlauben

… bleibt fürs Erste noch Zukunftsmusik. Aber viel kann getan werden, um die Papierflut zu reduzieren und so Zeit und Ressourcen zu sparen.

Die fachgerechte Speicherung von Daten ersetzt das Papierarchiv, Online-Formulare werden anstelle ausgedruckter in mehrfa- cher Ausfertigung ausgegeben, Befunde und Zuweisungen erfolgen elektronisch. All das muss nicht in einem Schwung passie- ren – eine schrittweise Umstellung verhindert die Überstrapazierung von Mitarbeitern, Kollegen und Patienten.


Die Zukunft ist digital

Nicht erst seit ELGA, e-card und Co ist offensichtlich, wohin sich das Ordinationsmanagement in Zukunft entwickeln wird: Ohne Digitalisierung geht wohl bald nichts mehr. Was bisher doppelt ausgedruckt und unterzeichnet werden musste und damit auch potenzielles Ziel einiger Fehlerquellen war, geschieht nun auf elektronischem Wege. Recherchen erfolgen digital und kosten da- her wesentlich weniger Zeit, als Papierberge zu durchforsten. Informationsweitergaben passieren automatisiert und daher ge- nauer, rascher und effizienter. Papier wird eingespart, muss nicht gekauft und nicht entsorgt werden, Korrekturen erfolgen online und nicht per neuem Ausdruck. Soweit so logisch – wenn da nicht die Datensicherheit wäre und der Hang, wichtige Informatio- nen in Händen halten zu wollen.


Sichere EDV als Voraussetzung

Auch wenn ein gut geplantes und professionell erstelltes IT-System in der Arztpraxis grundsätzlich viel Sicherheit bietet, so ver- lassen sich Ärzte und Ordinationsmanager nicht gerne ausschließlich auf die EDV. Noch bedarf es für die meisten Player einer ausgedruckten Version wichtiger Dokumente. „Für die Ablage drucken wir – zusätzlich zu online ‚abgelegten‘ Files – Rechnun- gen und Befunde aus“, bestätigt Dr. Karin Assadian, Ansprechpartnerin für die Gemeinschaftspraxis Gefäß-Medizin Tuchlauben in Wien. „Auch Patienten und Kollegen wollen in den meisten Fällen ausgedruckte Versionen haben.“

Eine Verschlüsselung der kompletten Kommunikation mit Patienten und Ärzten laut Datenschutzgrundverordnung ist laut Assadi- an selbstverständlich. Auf einer mit einem komplexen Code gesicherten externen Festplatte, die täglich von den Ärzten selbst mit nach Hause genommen wird, werden die sensiblen Daten gespeichert – zusätzlich zu zwei Speicherungen in der Praxis selbst. „Auf eine Cloud vertrauen wir nicht“, sagt Assadian. „Es mag sein, dass das heute ein sicheres Medium ist, mit dem es zu keinen Datenschutzverletzungen kommen kann, aber ehrlich gestanden wäre mir lieber, diese Technologie wäre etablierter und ausgefeilter. Zu oft hört man davon, dass als sicher geltende Daten gehackt werden. Derzeit erscheint mir noch eine dop- pelte Ablage auf einer Festplatte und in Papierform im versperrten Schrank als sicherer.“

Tendenziell reduziert die Praxisgemeinschaft Gefäß-Medizin die Papierberge aus ökologischen Gründen gezielt und bewusst. Die einen oder anderen Belege für Patienten werden dennoch ausgedruckt, ebenso wie eine Version für die Ablage im versperr- ten Schrank der Ordination. Gleichzeitig erfolgt eine elektronische Archivierung der erfolgten Schritte in der Ordination.


Papierlos in die Zukunft

Immer mehr Ordinationen verfolgen das Ziel der papierlosen Praxis – mit Bedacht und in kleinen Schritten. Dokumente werden konsequent elektronisch abgespeichert, zu Absicherungszwecken gespiegelt und in Datenbanken archiviert. Medizinische Da- ten sind naturgemäß in Sachen Datenschutz extrem vulnerabel. Gesundheitsdaten, die womöglich gehackt werden können – das ist für Mediziner ein ganz klares No-Go. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Ärzte neuen Technologien vorerst mit Skepsis und abwartend begegnen. Entsprechend viel Zurückhaltung erfahren neueste Technologien wie etwa Hautimplantate, die den Biorhythmus messen. Diese Erfahrungen wurden anfangs auch mit ELGA gemacht, doch mit der Zeit nehmen Sicher- heit und Akzeptanz zu. An ausgefeilten, sicheren Technologien, um Daten elektronisch zu sichern, wird gleichzeitig gefeilt. Die Zukunft medizinischer Daten liegt daher wohl nicht im Ausdruck, sondern in der Digitalisierung und zuverlässige IT-Partner sind schon heute eine Investition in die Zukunft.


bw