Fortbildung & Klinik I Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreich 

„Besser per Video als gar nicht“

Durch die Corona-Pandemie wurde ein starker Anreiz gesetzt, den nicht unmittelbar notwendi- gen direkten Arzt-Patienten-Kontakt weitgehend zu minimieren. Die Telemedizin, wie auch die Digitalisierung, haben einen Schub erhalten, der sich nicht bloß auf Online-Sprechstunden reduziert.

„Digitale Prozesse, die in den Spitälern schon lange angedacht waren, haben sich aufgrund der Pandemie beschleunigt. So sind beispielsweise Spitäler mit Pilotprojekten wie der Online-Ambulanz durchgestartet, da- mit die Patienten aus der Distanz betreut werden können. Besser per Video als gar nicht, so lautet das Mot- to“, fasst Dr. Karl Forstner, Leiter des Referats für Telemedizin und medizinische Informatik der Österreichi- schen Ärztekammer und Präsident der Salzburger Ärztekammer, die Entwicklung zusammen. Gerade für Spezialambulanzen, für die Patienten lange Wege auf sich nehmen, oder auch bei chronischen und onkolo- gischen Erkrankungen kann die telemedizinische Betreuung der Patienten über digitale Wege eine zusätzli- che Chance und sinnvolle Ergänzung sein und eine engmaschige Versorgung gewährleisten. „Auch Ärzte untereinander tauschen sich krankenhausübergreifend telefonisch oder per Video aus. Die Telemedizin för- dert so das ortsungebundene, interdisziplinäre Arbeiten“, sagt Forstner und ergänzt: „Auch das Telemonito-

ring ist ein Bereich, der in manchen Spitälern bereits angekommen ist. Blutzuckerwerte beispielsweise können so aus der Distanz beobachtet und gegebenenfalls der Therapieplan von der Ferne adaptiert werden.“


Arbeitsprozesse verändern sich

In den Spitälern verändern sich die Arbeitsprozesse weg von analog zu digital. Die digitale Sammlung relevanter In- formationen verringert die Fehleranfälligkeit und optimiert die Arbeitsabläufe. Abhängig ist das von den Investitionen der Krankenhausträger, von der technischen Ausstattung und den personellen Ressourcen. „Das beginnt bei mobi- len Endgeräten, die bei den Visiten mitgenommen werden, damit kann der Arzt direkt vor dem Patienten im Ge- spräch mit diesem mitdokumentieren“, so Forstner.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist aber, dass das Krankenhaus die Infrastruktur zur Verfügung stellt und auch genug Endgeräte vorhanden sind. „In der Praxis ist das nicht immer einfach. Viele Webinar- oder Kongressangebo- te müssen auf privaten Geräten außerhalb der Dienstzeit in Anspruch genommen werden. Manche Zugangslinks etwa zu Videos oder Streaming-Angeboten sind im Spital gar nicht zugänglich, weil gesperrt“, gibt Prim. Univ.-Prof. Dr. Matthias Rab, Vizepräsident des Verbandes Leitender Krankenhausärzte (VLKÖ), Einblick in den Alltag des Spitalsarztes.

Auch die beste digitale Patientendokumentation nützt nichts, wenn die technische Infrastruktur für ein rasches, pro- blemloses Arbeiten nicht gewährleistet ist und kein vernünftiges Backup-Management vorhanden ist. Ein Spitalsall- tag, der stillsteht, weil ein Server oder die Internetverbindung ausfällt, ist nicht denkbar. Die Schnittstellenoptimie- rung zwischen intra- und extramuralem Bereich ist eine der Kernherausforderungen, so muss ELGA in die Kranken-

hausinformationssysteme userfreundlich in- tegriert werden, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. „Ich sehe aktuell durch die Pandemie keine zusätzlichen neuen Anwendungen, die es in den Spitä- lern nicht ohnehin schon gegeben hätte, sondern vielmehr eine veränderte Ge- schwindigkeit. Die Digitalisierung geht ra- scher vor sich, dennoch dürfen Fragen des Datenschutzes und der Sicherheit dabei nicht außer Acht gelassen werden“, so Rab.


rh