PHYTHOTHERAPIE | Husten

Husten & Phytotherapie

Foto: Robert Newald, istockphoto: ranasu, kerdkanno

Pflanzliche Arzneimittel stellen eine gute Therapieoption bei Atemwegsinfekten dar und sind eine wertvolle Ergän- zung zur Schulmedizin.

Definitionsgemäß ist Husten eine plötzliche Entladung in den Lungen und in den Luftwegen deponierter Luft, die durch die geschlossene Stimmrit- ze zunächst zurückgehalten wurde. Vom Druck dieser Atemluft ist die Lautstärke, von der Wandbeschaffenheit der Hustenton abhängig. Husten dient dem Schutz vor Fremdkörpern beziehungsweise der Elimination vermehrten Sekrets. Man unterscheidet den akuten vom chronischen Hus- ten, der nach der WHO-Definition länger als drei Monate andauert. Dauert er länger als drei bis vier Wochen oder treten mehr als vier Episoden im Jahr auf, ist eine genaue Abklärung nötig. Husten wird ausgelöst durch Veränderungen

•im Rachen

•im Kehlkopf

•in der Trachea und Bronchien

•an der Pleura

•am Hustenzentrum

•und durch Reizung des äußeren Gehörganges.


Neben Allergien sind Atemwegsinfekte die häufigste Ursache für Husten, stellen die häufigsten Infektionen im Kindes- und Erwachsenenalter dar und sind die häufigste Ursache für die Vorstellung beim Arzt. In über 90 % der Fälle sind Viren die Auslöser dieser Atemwegsinfektionen, vor allem Rhino-, Adeno-, Corona-, RSV- und Metapneumoviren.  Begünstigend wirken feuchtkaltes Wetter, trockene Luft, nicht oft genug gelüftete und über- heizte Räume, herzhaftes Händeschütteln mit ungewaschenen Händen, aber auch Stress, schlechter Schlaf, nicht angepasste Ernährung oder an- dere Erkrankungen – beispielsweise eine vorangegangene Erkältung.


Antibiotika nicht immer sinnvoll

Im Vordergrund bei der Therapie steht die Linderung der typischen Symptome. Zahlreiche Studien und Reviews zeigen, dass Antibiotika bei aku- tem Husten weder das Symptom signifikant verbessern noch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Hingegen sind die Nebenwirkungen, vor allem Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Kopfschmerzen, Hautausschläge und Vaginitis in den Antibiotikagruppen signifikant höher. Phytotherapeutika sind zur Linderung der Symptome prädestiniert, während Antibiotika erst dann indiziert sind, wenn eine diagnostizierte bakterielle Sekundärinfekti- on vorliegt. Doch auch in diesen Fällen ist eine adjuvante Anwendung von Phytopharmaka sinnvoll.

Pflanzliche Arzneimittel stellen eine gute Therapieoption bei Atemwegsinfekten dar, wenn die Qualitätskriterien im Sinne der WHO-Richtlinien von Good Agricultural Practice, Good Manufacturing Practice und Good Clinical Practice durch kontrollierte Studien belegt sind. In etablierten Labor- tests, Tiermodelle und klinische Studien wurde für viele Pflanzenextrakte eine antivirale, antimikrobielle, antioxidative und anti-inflammatorische Wirkung nachgewiesen, obwohl die wirksamen Bestandteile nur selten identifiziert werden konnten. Die Kombination dieser Wirkungen kann bei der Bekämpfung der Erreger und bei der Linderung der Symptome von Erkältungen und Influenza eine nützliche Rolle spielen. Eine Therapie ist dann indiziert, wenn akuter Husten im Zusammenhang mit einem Infekt der oberen und unteren Atemwege oder ein chronisch unspezifischer postinfektiöser Husten vorliegt. Neben einer medizinischen Therapie ist auch auf Rehydrierung, Reizvermeidung (Passivrauchen) und Nasentoilet- te zu achten.


Effekte von Phytopharmaka

Pflanzliche Arzneimittel führen nicht nur zur Linderung der Symptome. Sie unterstützen auch den mukoziliären Reinigungsmechanismus des obe- ren Respirationstrakts, fördern die Funktion der Schleimhäute der oberen Luftwege, unterstützen die Verflüssigung des Sekrets, führen zur Stimu- lierung der immunspezifischen Abwehrmechanismen und wirken entzündungshemmend. Phytotherapeutika, die Anwendung bei Atemwegser- krankungen finden, sind meist arm an Nebenwirkungen. Hierin ist ein klarer Vorteil gegenüber synthetischen Präparaten zu sehen.

Zu den Phytopharmaka, die zur Linderung von Atemwegserkrankungen eingesetzt werden, zählen folgende Wirkstoffklassen:

•Expektoranzien: Das sind Wirkstoffe, die die Entfernung von Bronchialsekret aus den Bronchien und der Trachea erleichtern beziehungsweise beschleunigen.

•Sekretolytika stimulieren die Bronchialsekretion. Das bekannteste Beispiel ist Efeu. Efeu hat einen sekretolytischen Effekt, über den parasympathi- sche afferente Fasern eine reflektorische Stimulation der Becherzellen in den Bronchien und Bronchialdrüsen initiieren. Zudem tragen die Saponi- ne des Efeublattes gemeinsam mit den Phenolcarbonsäuren zur spasmolytischen Aktivität bei.

•Mukolytika: Sie verändern die physikochemischen Eigenschaften, das heißt die Viskosität, des Bronchialsekrets.

•Sekreto-Motorika fördern die Sekretbewegung und das Abhusten.

•Rhinologika verbessern die Nasenatmung. Mit ihrer Hilfe erfolgt die symptomatische Behandlung zur Regulierung der Sekretproduktion, des mu- koziliären Transports sowie des Schwellungszustands.

Beispiele für positiv monografierte Drogen sind in diesem Zusammenhang ätherische Öl-Drogen. Hierbei handelt es sich um flüchtige, stark rie- chende Stoffgemische von ölartiger Konsistenz, die in Wasser schwer löslich sind. Sie werden aus pflanzlichen Ausgangsstoffen (Thymian, Anis, Fenchel und Eukalyptus) durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Ihre Wirkung ist antimikrobiell und expektorierend. Die bekanntesten Beispiele sind Eukalyptusöl, Fenchelöl, Pfefferminzöl und auch Salbeiblätter.

Zu den aus Arzneipflanzen isolierten Substanzen zählen zum Beispiel Monoterpene wie Cineol, Menthol, Fenehon und Thymol. Menthol hat neben dem schleimlösenden Effekt auch eine kühlende, juckreiz- und schmerzlindernde Wirkungen und wird zur Behandlung von „Common Colds“ und Rhinitis eingesetzt. Während chemisch-synthetische Stoffe vorwiegend eine der oben genannten Eigenschaften besitzen, wirken ätherische Öle unter anderem sekretolytisch und sekretomotorisch. Deshalb sind ätherische Öle zur Anwendung bei Atemwegserkrankungen unterschiedlicher Genese einsetzbar.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ätherische Öle bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Bereich des Gesichtes anzuwen- den sind, da dabei die Gefahr von Glottiskrampf und Bronchospasmus besteht. Sogenannte Muzilaginosa, die Schleimdrogen, können bei Katar- rhen der oberen Luftwege, Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenem Reizhusten Anwendung finden. Hierzu zählen unter anderem Eibischwurzel/-blätter, Huflattichblätter, Isländisches Moos, Malvenblüten/-blätter sowie Spitzwegerichkraut.

Bei grippalen Infekten können – je nach Symptomen – verschiedene Phythopharmaka Anwendung finden.  Bei Reizhusten verschaffen Phytophar- maka wie Lindenblüten, Spitzwegerich und Eibischwurzel Linderung. Thymian und Fenchel wirken festsitzendem und produktivem Husten entge- gen. Bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut helfen Spitzwegerich sowie Salbei. Linden- und Holunderblüten wirken Fieber entge- gen. Zur Prophylaxe sowie zur Therapie akuter und rezidivierender Atemwegsinfekte sind Extrakte aus Echinacea purpurea, dem roten Sonnenhut, geeignet.

Extrakte aus Echinacea purpurea wirken antiviral, antibakteriell und durch Immunmodulation entzündungshemmend. Eine aktuelle Meta-Analyse belegt die Verminderung des Risikos von Rezidiven und Komplikationen von Atemwegsinfekten durch Echinacea im Vergleich zu Plazebo, wobei zu berücksichtigen ist, dass nicht alle Studien mit demselben Extrakt durchgeführt worden sind. Für den Inhaltsstoff der Kapland-Pelargonie wird sowohl die Eigenschaft der Verhinderung einer beginnenden Erkältung als auch die Verkürzung der Krankheitsdauer in Studien postuliert.