VORSORGE & IMMOBILIEN | Immobilienaktien

Moderne Büroimmobilien in Toplagen, wie hier die Berliner Europacity, und mit erstklassigem Mieter-Mix gelten als gut gerüstet für die Krise.

Guter Einstiegszeitpunkt

FOTO: CA IMMO

Für direkte Immobilieninvestments spricht viel. Für indirekte aber auch – vor allem, wenn sie so günstig sind, wie das derzeit bei den Aktien heimischer Immobilien-AGs der Fall ist.

Während sich die Preise von Immobilien seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie nicht bewegt haben, sondern teilweise sogar gestiegen sind, ist bei den Aktienkursen der österreichischen gelisteten Immobiliengesellschaften das Gegenteil der Fall. Egal ob S Immo, CA Immo, Immofinanz, UBM oder Warimpex – sie werden alle mit deutlichen Abschlägen zu ihren Nettoinventarwerten (NAV) – sprich der Summe der Marktwerte der Immobilien abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten – gehandelt. Man könnte also durchaus von einer guten Chance sprechen, um auf ein jederzeit liquides, flexibles Finanzinstrument zu setzen, mit dem man sich an verschiedenen Immobilienarten indirekt beteiligen kann.

„Für Anleger ist der Zeitpunkt sicherlich richtig, um die attraktiven Kursniveaus der heimischen Immobilien-AGs zu nutzen“, sagt Erste-Bank-Analyst Christoph Schultes, MBA, CIIA. Wie auch die im August präsentierten Zahlen für das erste Halbjahr des Ge- schäftsjahres 2020 vor Augen geführt hätten, würden sie – der Covid-19-Pandemie zum Trotz – allesamt ganz gut dastehen. In die gleiche Kerbe schlägt auch Oliver Simkovic, CFA, Analyst bei der Raiffeisen Centrobank (RCB). Er verweist darauf, dass die Bilan- zen der heimischen Player sogar besser seien als vor der Finanzkrise.


Wichtig: Portfoliozusammensetzung

Bei der Einschätzung des Kurspotenzials einer Immobilienaktie kommt es derzeit stark auf die Portfoliozusammensetzung an: die Portfoliozusammensetzung des betreffenden Players. Dabei sind sich Experten in einer Hinsicht einig: Wenn es eine Immobilien- klasse gibt, die als „krisensicher“ bezeichnet werden kann, dann sind das Wohnimmobilien. Aber auch moderne Büroimmobilien in Toplagen und mit erstklassigem Mieter-Mix gelten als gut gerüstet für die Krise. Differenziert betrachtet werden müssen hingegen Einzelhandelsimmobilien. Während etwa viele Fachmarktzentren wieder dieselbe Besucherfrequenz aufweisen wie vor Corona, kämpfen viele Shoppingcenter – trotz leichtem Aufwärtstrend – nach wie vor. Als problematisch gelten Hotels.

„Die S Immo hat ein sehr gutes Portfolio aus Wohnen, Büro und auch der Großteil des Retail-Portfolios sollte mittelfristig von Covid-19 nicht besonders hart getroffen sein“, hält Schultes fest. Die einzige Schwäche des Unternehmens seien die beiden Hotels in Wien und Budapest. Insgesamt setzt sich das Portfolio zu

70 % aus Wohn- und Büroimmobilien (Aufteilung: 30 zu 40 %) zusammen. Einzel- handel und Hotel kommen auf einen Anteil von 20 bzw. 10 %. Ein weiterer Vorteil: In geografischer Hinsicht liegt der Fokus auf Hauptstädten in Österreich, Deutsch- land und der CEE-Region.


S Immo: Denken schon an 2021

„Wir blicken mit großer Zuversicht in die Zukunft. Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr, dass unsere Portfoliostrategie, mit Fokus auf Wohn- und Büroimmobilien, vie- le Vorteile mit sich bringt“, so Mag. Ernst Vejdovszky, CEO der S Immo. So seien die Wohnungsmärkte nie signifikant von der Krise betroffen gewesen und auch im Bürosektor waren die Auswirkungen bisher überschaubar. Im Hotelsegment werde es hingegen noch etwas länger dauern, um das Vorkrisenniveau zu erreichen. „Als

Unternehmer planen wir ohnehin nicht nur für ein Jahr, sondern denken schon jetzt an 2021 und die Jahre darauf“, fügt

Vejdovszky hinzu. Einen noch größeren Bürofokus verfolgt die CA Immo. Konkret machen Büroimmobilien fast 90 % des Portfolios aus. Dass das Unternehmen bislang ebenfalls gut durch die Krise gekommen ist, liegt dabei an der hohen Qualität der Immobilien ebenso wie der Konzentration auf Toplagen und Hauptstädte in Österreich, Deutschland und der CEE-Region. Simkovic betont, dass sich die CA Immo im aktuellen Geschäftsjahr bislang besonders stabil entwickelt hat. „Die coronabedingten Verluste waren mit 2,6 Millionen Euro bislang überschaubar“, sagt er. Ebenfalls positiv: Die Tatsache, dass das Unternehmen zuletzt neue Flächen vermieten konnte, bestätige, dass die Nachfrage da sei.


Immofinanz: Steigende Mieterlöse

Immerhin zufriedenstellende Zahlen für das erste Halbjahr 2020 hat die Immofinanz vorgelegt – unter anderem gelang es dem Un- ternehmen sogar, die Mieterlöse um 10,4 % zu steigern. Auch ihr unterstellen Experten grundsätzlich ein gutes Portfolio (Bestand- sportfolio nach Buchwert: 64 % Büro, 35 % Einzelhandel). Der Immofinanz macht vielmehr ein anderes Problem zu schaffen: Die Anleger wissen nicht, was das Unternehmen vorhat. Tatsächlich wurde bislang nicht kommuniziert, was mit dem bei den im Juli er- folgten Kapitalmaßnahmen – die im Übrigen weit unter Buchwert und NAV erfolgten – eingenommenen Geld geschehen soll.

„UBM hat sich während der Krise dazu entschlossen, verstärkt auf die aussichtsreicheren Bereiche Wohnen und Büro zulasten von Hotels zu setzen“, so Simkovic. Dabei habe das Unternehmen noch im Vorjahr eine größere Hotel-Pipeline gehabt. Auch der frühe- re Hotelspezialist Warimpex ist in den letzten Jahren von der Assetklasse abgerückt. Mittlerweile verfügt man nur mehr über zwei Häuser – eines in St. Petersburg und ein weiteres in Darmstadt. Zu den möglichen Kurstriggern für die Warimpex-Aktie zählt Schul- tes den Erhalt von Baubewilligungen für Büroprojekte in Polen, den Abschluss neuer Mietverträge sowie generell eine langsame Wiederbelebung des Hotelgeschäfts.


pb