KUR & GVA | Erschöpfung

Nichts geht mehr

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Wie die klassische „Kur“ mit natürlichen Heilmitteln ge- gen Erschöpfungs-zustände wirkt.

Die Symptome „Erschöpfung“ und „Erschöpfbarkeit“ wirken auf den ersten Blick nicht spektakulär. Bei näherer Betrachtung zeigt sich hingegen die breite Bedeutung des Symptomenkomplexes: Auswirkungen zeigen sich etwa in der Arbeitsleistung, im Vermögen, Sport zu betreiben, in der Beziehung oder in der Lebenslust allgemein, um nur einige Beispiele zu nennen. Der circulus vitiosus beginnt, wenn aktiv regenerierende Maßnahmen wie Gymnastik oder Herz- Kreislauf-Training aufgrund von Müdigkeit vernachlässigt werden.


Erschöpfung als Kurmotiv

Besonders im Modul „Mentale Gesundheit“ der Gesundheitsvorsorge aktiv (GVA) fallen jene Patienten auf, die an Erschöpfung lei- den. Aber auch bei anderen Indikationen oder Kurmotiven geben etwas mehr als die Hälfte der Patienten an, an Erschöpfung zu leiden. Bei einer Reihe von Fällen lassen sich keine somatischen Ursachen wie zum Beispiel Eisenmangel feststellen, sodass ein psychosomatisches Krankheitsbild zu vermuten ist. Übergänge bis zum Fatigue-Syndrom kommen vor. Durch die psychologische Diagnostik und Therapie wird dieser Personengruppe geholfen und ein Weg gezeigt. Das alleine hilft aber nicht immer oder nicht ausreichend. Phänomene wie Leistungsabfall, Erholungsbedürftigkeit oder Rekonvaleszenz sind nicht neu. Es waren immer schon auch Motive, auf Kur zu gehen, und Erschöpfung findet sich in den Indikationen mancher Kurorte. Unter Kur verstehe ich hier die klassische Kur mit regelmäßiger Anwendung natürlicher Heilvorkommen als Hauptbehandlung, allerdings durchaus in Kombinati- on mit Methoden aus dem Bereich der physikalischen Medizin und zusätzlichen Tipps zur Lebensführung, leichter Bewegung, re- gelmäßigem Essen oder der Entlastung von häuslichen Pflichten.


Wirksamkeit von Kuren

Jeder kurärztlich Tätige kann bestätigen, dass der Erholungseffekt im Rahmen der klassischen Kur gefördert wird. Die Wirksam- keit von Kuren auf biologische Prozesse war auch Inhalt unterschiedlicher Studien, zum Beispiel in Bad Gastein oder in Bad Tatz- mannsdorf. Sie zeigten, dass der kurmäßige Einsatz natürlicher Heilmittel in der Kombination mit den erwähnten strukturierenden Maßnahmen einen positiven Effekt – auch im Bereich messbarer Parameter – hatte. Aus der Physiologie und Balneologie sind die Wirksamkeiten der verschiedenen natürlichen Heilmittel bekannt und auch mit Studien belegt. Last, but not least: Auch die Patien- ten berichten, dass es ihnen nach einer Kur so gut geht wie noch nie vorher, besser übrigens als nach einem Urlaub. Deshalb wage ich zu behaupten: Die Kur mit natürlichen Heilmitteln hilft bei Erschöpfungszuständen.


Prophylaxe und Aufklärung

Allerdings ist durch die Änderung der Vorgaben der Sozialversicherungen die Kur in der klassischen Form bei Sozialversiche- rungspatienten nicht mehr durchführbar. Was aber spricht dagegen, die diversen Therapien und Kurse mit den natürlichen Heil- vorkommen zu kombinieren? Ein Umstand, der auch in den Vorgaben – dem Leistungsprofil – vorgesehen ist. Es kann nur noch besser werden. Angesichts der bedeutsamen Erscheinung des Symptomes „Erschöpfung“ wäre es mehr als sinnvoll, die Wirkung der natürlichen Heilmittel, insbesondere im Rahmen der GVA zu untersuchen. Das GVA-Modul „Mentale Gesundheit“ hat durch die psychologische Betreuung einen wesentlichen Teil in Richtung Prophylaxe und Aufklärung erhalten. Die Symptome gehen al- lerdings durch psychologische Beratung nicht weg. Erst die Kombination von Psychologie und natürlichen Heilmitteln sollte eine besonders gute Wirkung bringen. Im Rahmen des Heilbäderverbandes wird derzeit geplant, eine diesbezügliche Untersuchung zu machen, von der ich mir höchst interessante Ergebnisse erwarte. Der Verband Österreichischer Kurärztinnen und Kurärzte wird an diesem Projekt gerne teilnehmen und freut sich schon auf den Beginn dieser wertvollen Studie.