PRAXIS & STEUERRECHTMobilitätsförderung 

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Steuerzuckerl:

Elektroauto-Kauf so

günstig wie nie

Mit Umweltförderung und Investitionsprämie über- nimmt der Staat einen erheblichen Teil der Anschaffungskosten.

Der Schritt in die E-Mobilität war noch nie so verlockend günstig wie derzeit. Denn bis zum Jahresende übernimmt der Staat mit einer Umweltförde- rung einen beträchtlichen Teil der Anschaffungskosten. Konkret wird der Kauf eines Kfz mit reinem Elektroantrieb mit 5.000 Euro gefördert. Dabei kommen 3.000 Euro vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), einen Mobilitätsbonus in der Höhe von 2.000 Euro schießen die Fahrzeugimporteure zu. Dazu kommt noch eine Investitionsprämie in der Höhe von 14 %. Plug-in-Hybride und Range Extender mit vollelektrischer Reichweite von mindestens 50 Kilometern gehen auch nicht leer aus: Sie erhalten immerhin eine Förde- rung in der Höhe von 2.500 Euro. Von der Förderung ausgeschlossen sind hingegen Modelle mit einem Brutto-Listenpreis (Basismodell ohne Son- derausstattung) von mehr als 50.000 Euro sowie Plug-in-Hybride und Range Extender mit Dieselantrieb.


Zusätzliche Landesförderungen

In einigen Bundesländern gibt es darüber hinaus zusätz- liche Landesförderungen. „In Salzburg wird beispielswei- se eine Landesförderung vergeben, die bis zu 100 % der Bundesförderung beträgt“, weiß Steuerberaterin Mag. Sina Klinger, LLB.oec von der Steuerberatung für Ärzte (SFÄ). In anderen Bundesländern werde auch die An- schaffung der Ladeinfrastruktur gefördert. Die Inan- spruchnahme der Umweltförderung hat jedenfalls keine

Auswirkung auf die Förderfähigkeit durch die Investitionsprämie. Wie Klinger ergänzt, ist die Umweltprämie zwar steuerfrei, kürzt jedoch die An- schaffungskosten; dies gelte für die Investitionsprämie nicht. Die Umweltförderung kann noch bis zum 31. Dezember 2020 beantragt werden. „Zum Zeitpunkt der Antragstellung darf die Anschaffung des Elektroautos, was per Rechnung zu belegen ist, nicht länger als sechs Monate zurückliegen“, hält Klinger fest. Interessant ist auch die Möglichkeit der neu geschaffenen degressiven Abschreibung. „Anders als bei der linearen Abschreibung, bei der der Betrag in jedem Jahr der Nutzungsdauer gleich hoch bleibt, ist die Abschreibung bei der degressiven Abschreibung am Beginn der Nut- zungsdauer höher und wird dann von Jahr zu Jahr geringer“, erklärt Klinger. Für Wirtschaftsgüter, die ab dem 1. Juli 2020 angeschafft oder herge- stellt wurden, kann eine degressive Abschreibung in der Höhe von maximal 30 % angewendet werden. „Der höhere Abschreibungsbetrag vermin- dert die Steuerbemessungsgrundlage in höherem Ausmaß als bei der linearen Abschreibung und soll somit Anreiz für Investitionen schaffen“, so die SFÄ-Expertin.


„Luxusgrenze“ bleibt

Die ertragssteuerliche Angemessenheitsgrenze – sprich „Luxusgrenze“ – von 40.000 Euro (inklusive Umsatzsteuer) ist auch bei Elektroautos, wie bei je- dem anderen PKW, zu beachten. „Ausgaben, die mit den erhöhten Anschaffungskosten in Zusammen- hang stehen, sind daher ertragsteuerlich nicht zu 100% als Betriebsausgaben absetzbar.“ Die betrifft zum einen die Abschreibung, aber zB auch Ausga- ben für die KFZ-Versicherung. Wie Klinger weiter ausführt, sind Elektroautos grundsätzlich vorsteuer- abzugsberechtigt, allerdings in der Regel nicht oder nur in geringem Ausmaß beim Arzt.  Grundsätzlich

sei die Vorsteuer nur im Ausmaß des konkreten Vorsteuerabzugs des Arztes erstattbar, daher insoweit der Arzt umsatzsteuerpflichte Umsätze er- bringt. „Übersteigen die Anschaffungskosten den Betrag von 40.000 Euro nicht, so steht der Vorsteuerabzug nach den allgemeinen Vorschriften zu“, so Klinger. Falls aber die Anschaffungskosten die Angemessenheitsgrenze um mehr als 100 % übersteigen, also höher als 80.000 Euro sind, steht wiederum kein Vorsteuerabzug zu. Liegen die Anschaffungskosten zwischen 40.000 und 80.000 Euro, so steht der Vorsteuerabzug nach den allge-

meinen Vorschriften ebenfalls zu. „Der Vorsteuerabzug ist allerdings durch eine Eigenver- brauchsbesteuerung insoweit zu neutralisieren, als die tatsächlichen Anschaffungskosten die angemessenen übersteigen“, meint Klinger. Auf KFZ mit Verbrennungsmotor sind die genann- ten Vorteile bezüglich Vorsteuerabzug ausdrücklich nicht anwendbar. Bei Neuwagen mit Ver- brennungsmotor liegt die steuerliche Nutzungsdauer zwingend bei acht Jahren, bei Elektroau- tos gilt diese Regelung ausdrücklich nicht.


Keine NoVA bei E-Autos

Für die Anschaffung eines Elektroautos spricht auch, dass dabei keine Normverbrauchsabga- be (NoVa) anfällt. Letztere richtet sich ja nach dem CO2-Ausstoß, der bei einem Elektroauto bei null liegt. Auch die laufenden Betriebskosten und der Wartungsbedarf sind deutlich gerin- ger. Gänzlich weg fällt beispielsweise die motorbezogene Versicherungssteuer.  Bei Plug-in- Hybrid-Modellen fällt im Übrigen in der Regel auch keine NoVa an. Die Voraussetzung dafür: Pro gefahrenen Kilometer stößt das betreffende Fahrzeug weniger als 90 Gramm CO2 aus. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass leistungsstärkere Plug-in-Hybrid-Modelle – trotz ihres zweiten Antriebs – sogar weniger kosten können als PKW mit Verbrennungsmotor.

Laut Klinger kann für Ärzte die Überlassung eines Elektroautos an Mitarbeiter zu deren privaten Nutzung eine vorteilhafte Alternative zur Gehalts- erhöhung sein, da kein Sachbezug anfällt. Die Folge: der Mitarbeiter erspart sich Sozialversicherungsbeträge und eine höhere Lohnsteuerbelas- tung, der Arzt weitere Lohnnebenkosten.


pb