KARDIOLOGIE |  EKG-Dokumentation

Je besser die Beschwerden mit einer EKG-Dokumenta- tion korreliert werden können, desto rascher lässt sich eine passende Therapie einleiten.

Smartphones im

kardiologischen Einsatz

FotoS: ZVG

Implantierbare Eventrecorder sind in der Kardiologie nicht neu. Gerade bei Synkopen unklarer Ursache oder der Detektion von seltenen Episoden von Vorhofflimmern haben sich diese Implantate bewährt.

Je früher behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen diagnostiziert wer- den können, umso rascher und wirkungsvoller kann eine passende Therapie eingeleitet werden. Doch häufig kann ein 24-Stunden-EKG von zu kurzer Dauer sein, um einen Zusammenhang zwischen den Aufzeichnungen und den auftretenden Beschwerden ausreichend darzustellen. „Wir haben eine Reihe von Patienten, die mit Brustschmerzen, Palpitationen oder gelegentli- chem Bewusstseinsverlust in die Ambulanz kommen. Je besser die Be- schwerden mit einer EKG-Dokumentation korreliert werden können, desto rascher lässt sich eine passende Therapie einleiten“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Markus Stühlinger von der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Kardiolo- gie

und Angiologie der Tirol Kliniken.

Für längere Aufzeichnungen sind klassische Langzeit-EKG-Geräte jedoch ungeeignet – die Batterielaufzeit ist zu kurz, die „Verkabe- lung“ des Patienten unpraktisch, sodass die Compliance sinkt. Da- her haben sich für eine längere Aufzeichnungsdauer sogenannte im- plantierbare Eventrecorder etabliert – sie werden auch als Loop-Re- corder, „Insertable Cardiac Monitors“ (ICMs) oder „Implantable Loop Recorders“ (ILRs) bezeichnet. Diese kleinen Geräte werden pektoral unter die Haut implantiert und zeichnen sich neuerdings durch spe- zielle Algorithmen und die Möglichkeit zur Fernüberwachung und Ferninbetriebnahme aus. Gemäß den aktuellen Leitlinien der Eu- ropean Society of Cardiology besteht eine Indikation für die Implan- tation eines Eventrecorders bei Synkopen unklarer Ursache, um hö- hergradige ventrikuläre Rhythmusstörungen oder Asystolien zu er- kennen. Studien belegen, dass bei rund 35 Prozent der Patienten mit einer ungeklärten Synkope ein Eventrecorder ein Rhythmusereignis als Korrelat zu der Synkope finden konnte.


Smartphone übernimmt EKG on demand

Auch 1-Kanal-EKGs aufzuzeichnen wird zunehmend einfacher, denn Pulsmessungen sind schon seit geraumer Zeit ein Feature mancher Smartphones, von denen es immerhin in Westeuropa rund 300 Millio- nen User gibt. Seit März 2019 können Smartphones neben der Arr- hyhtmie über Pulsmessungen auch EKGs aufzeichnen: Auf der Apple Watch Series 4 ist eine EKG-App verfügbar und bietet Nutzern die Möglichkeit, eine 1-Kanal-Aufzeichnung zu starten, sobald die Uhr einen schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag detektiert oder der Träger Beschwerden verspürt: Erkennt die Uhr am Handge- lenk Unregelmäßigkeiten, kann auch eine Nachricht mit dem EKG an den behandelnden Arzt übermittelt werden.

Die EKG-Elektroden sind auf der Rückseite der Uhr und werden durch einen einfachen Fingerdruck aktiviert. Nach dem Schließen des Stromkreises wird die Aufzeichnung gestartet und ein EKG über eine Dauer zwischen 30 Sekunden und 65 Minuten registriert. Der Herzrhythmus wird von der Software dann entweder als Vorhofflim- mern, Sinusrhythmus oder uneindeutig eingestuft. Alle Aufzeichnun- gen, die dazugehörigen Klassifizierungen und alle festgestellten Symptome werden in der Health App auf dem iPhone gespeichert. Die Benutzer können in weiterer Folge ein PDF der Ergebnisse mit dem Arzt teilen.

Die Möglichkeit der EKG-App, eine EKG-Aufzeichnung exakt in Vor- hofflimmern oder Sinusrhythmus zu klassifizieren, wurde zunächst in einer kleinen klinischen Studie mit rund 600 Teilnehmern bestätigt. Dazu wurde die Herzrhythmusklassifizierung eines 12-Kanal-EKGs

auf höchstem Standard mit der Herzrhythmusklassifizierung eines gleichzeitig aufgezeichneten EKGs mithilfe der EKG-App verglichen. Die Stu- die ergab, dass die EKG-App auf der Apple Watch eine 98,3-prozentige Genauigkeit bei der Klassifizierung von Vorhofflimmern und eine bei 99,6 Prozent liegende Genauigkeit bei der Klassifizierung von Sinusrhythmus in klassifizierbaren Aufzeichnungen nachweisen konnte. In der gesamten Studie konnten 87,8 Prozent der Aufzeichnungen durch die EKG-App klassifiziert werden.

Die Funktion zur Mitteilung bei unregelmäßigem Herzrhythmus wurde im Zuge der „Apple Heart Study“ untersucht, die von Apple gemeinsam mit Medizinern von der Stanford University School of Medicine durchgeführt wurde. Mit über 400.000 Teilnehmern ist das die derzeit größte jemals durchgeführte Screening-Studie zum Thema Vorhofflimmern. Konkret stellen die Forscher die Frage, ob der Algorithmus der Apple Heart Study App (AHS-App) tauglich ist, Vorhofflimmern zuverlässig zu erkennen und wie viele Personen, die wegen detektierter Pulsunregelmäßigkeiten eine Benachrichtigung via App erhielten, in einem nachfolgenden ambulanten EKG-Monitoring tatsächlich Vorhofflimmern hatten. Abschließend wurde aufgezeichnet, was Personen mit erhaltener Benachrichtigung in den folgenden drei Monaten unternommen haben und welche Ressourcen im Gesundheitswesen dafür genutzt wurden. Die Teilnahmebedingungen waren einfach: Wer mitmachen wollte, musste mindestens 22 Jahre alt, US- Bürger und Träger einer Apple Watch sein sowie ein iPhone mit installierter AHS-App besitzen. Erfolgte via App eine Meldung, zeigte die simulta- ne ambulante EKG-Messung in 84 Prozent aller Fälle Vorhofflimmern an. Von den Personen, die eine App-Benachrichtigung kommen hatten, ga- ben 57 Prozent an, außerhalb der Studie weiteren medizinischen Kontakt aufgenommen zu haben. rh