REHABILITATION | Pneumologische Reha 

Pneumologische Rehabilitation

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Die pneumologische Rehabilitation begann um die Jahr- hundertwende in Luftkurorten, Interventionen waren sel- ten, dies änderte sich in den darauffolgenden Jahrzehn- ten kaum. Erst seit 20 bis 30 Jahren besteht Evidenz, dass gezielte Interventionen diesem schwer kranken mul- timorbiden Patientenkollektiv maßgeblich helfen kann.

Man muss zugeben, dass die Effektgrößen der pharmakologischen Therapie bei chronischen Erkrankungen ebenso wie bei COPD limitiert sind. Im Gegensatz dazu sind die Effekte der Rehabilitation, und hier im Speziellen der pneumologischen Rehabili- tation, beachtenswert und kommen dem Ideal einer individualisierten ganzheitlichen Behandlung nahe. Im Vergleich mit anderen Rehabilitationsformen hat die pneumologische Rehabilitation sehr hohe Effektgrößen, diese sind anhand von zahlreichen randomi- sierten Studien und Metaanalysen auf höchstem Evidenzgrad gesichert (siehe Tabelle 1).

Patienten mit obstruktiven Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma, die eine Rehabilitation durchführen, haben anschließend eine bessere körperliche Leistungsfähigkeit, weniger Atemnot, eine verbesserte Lebensqualität und weniger Exazerbationen und Krankenhausaufenthalte. Entscheidend ist jedoch der Effekt auf den wichtigsten Endpunkt, die Mortalität, der in einer Cochrane Arbeit an COPD-Patienten gezeigt werden konnte. Physiologisch basiert dies auf einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahme in den betroffenen Zellen, klinisch wissen wir um die Bedeutung der Exazerbationen auf die Verschlechterung der FEV1 und die Pro- gnose des Patienten. Die Rehabilitation als individualisierte ganzheitliche Therapie kann hier entgegenwirken – dies ohne Nebenwirkungen.


Rehabilitation bei interstitiellen Lungenerkrankungen, Sarko-idose und Lungenhochdruck

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Studien, die sich mit den Effekten der pneumologischen Rehabilitation abseits der ob- struktiven Lungenerkrankungen beschäftigt haben. Die Effekte sind ähnlich eindrucksvoll in Bezug auf die Effekte der medizini- schen Trainingstherapie wie auf patientenbezogene Parameter. Hier hat sich als Trainingsmodalität das Intervalltraining etabliert. Aufgrund der Restriktion und Diffusionsstörung sind viele Patienten sauerstoffpflichtig bzw. wird die belastungsinduzierte Hypoxä- mie erstmals diagnostiziert.

Psychische Komorbiditäten scheinen bei interstitiellen Lungenerkrankungen eine bedeutende Rolle zu spielen und sollten im Rah- men der Rehabilitation angesprochen und behandelt werden.

So sind derzeit in Österreich zahlreiche dieser Patienten auf der Warteliste für eine Lungentransplantation, hier ist das Thema Pre- habilitation und Reha nach LTx ein besonderes Thema mit vielen medizinischen und strukturellen Herausforderungen.

Die Patienten mit Sarkoidose sind hingegen sehr heterogen. Hier spielt die Fatigue eine große Rolle, die Abklärung auf Komorbidi- täten und Organmitbeteiligungen ist sehr komplex. Prospektiv randomisierte Studien sind hier noch rar.

Patienten mit pulmonaler Hypertonie hatten bis vor Kurzem eine absolute Kontraindikation zu trainieren. Dies hat sich dank der Ar- beiten von Grünig und Kollegen geändert. Hier bedarf es einiger Expertise, diese Patienten zu betreuen. Dies sollte unter engma- schiger Überwachung und mit entsprechender Erfahrung in der Betreung erfolgen.


Entwicklung in Österreich

Aus der Tradition der Kur heraus waren es hauptsächlich stationäre Zentren, die Lungenkranke betreuten. Dies hat zu einer Reihe hochqualitativer stationärer pneumologischer Rehabilitationszentren in fast allen Bundesländern geführt. Die Pensionsversicherung hat hier hohe Standards gesetzt und in den letzten Jahren auch erste ambu- lante pneumologische Rehabilitationszentren wie zum Beispiel die Ver- tragspartnereinrichtung Therme Wien Med etabliert. Darüber hinaus wird nunmehr ab 2020 der Bereich der ambulanten Rehabilitation mit Einrichtungen in allen Bundesländern erweitert. Damit steht in Österre- ich ein breites Netz an Institutionen zur Verfügung, die Lungenkranke individualisiert und je nach Indikation stationär oder ambulant betreuen können.