KUR & GVA | Rheuma

Ultraschall für bessere

Therapieeffekte bei Rheuma

foto: adobe stock/ zayacsk

Eine Forschungsgruppe der Med Uni Graz untersucht, unter welchen Umständen Medikamente gegen Rheuma- toide Arthritis abgesetzt werden können, ohne ein erneu- tes Ausbrechen der Krankheit zu riskieren.

Die häufigste der entzündlichen rheumatischen Erkrankungen ist die Rheumatoide Arthritis, die etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung betrifft. Im Gegensatz zur verbreiteten Arthrose der Fingergelenke ist die Rheumatoide Arthritis nicht auf Abnützungserscheinun- gen zurückzuführen, sondern auf eine Störung des Immunsystems, das beginnt, körpereigene Strukturen und insbesondere Ge- lenke anzugreifen. Diese Krankheit betrifft nicht nur alte Menschen, sondern tritt üblicherweise im mittleren Lebensalter auf, manchmal auch bereits bei jungen Erwachsenen und Kindern. Die genaue Ursache ist nicht restlos geklärt.

Die gängige Therapie erfolgt über Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, und orientiert sich an den Empfehlungen der europäischen Rheuma-Liga („European League Against Rheumatism“, EULAR). Dabei wird der Heilungsfortschritt regelmäßig evaluiert und die Therapie laufend angepasst. Es zeigte sich, dass bei günstigem Verlauf gewisse Medikamente wieder abgesetzt werden können, ohne eine erneute Verschlechterung des Gesundheitszustandes erwarten zu müssen. Die Frage nach den richti- gen Kriterien zum Absetzen ist allerdings offen und es kommt in bestimmten Fällen zu Rückfällen. Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Universität Graz führt nun eine klinische Studie durch, um zu untersuchen, inwiefern Ultraschalluntersuchungen der Gelenke geeignete Kriterien zur Entscheidung über ein Absetzen von Medikamenten liefern können.


Medikamente biotechnischen Ursprungs

„Bei der Rheumatoiden Arthritis ist es wichtig, die Diagnose frühzeitig zu stellen“, erklärt Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Deja- co, MBA, PhD, von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie und Immunologie an der Med Uni Graz. „In einer frühen Phase der Krankheit gibt es ein Zeitfenster, in dem es eine besonders gute Chance gibt, die Krankheit dauerhaft positiv zu beeinflussen.“ Die Therapie erfolgt mittels Medikamenten, zur Anwendung kommt neben Kortison und verschiedenen sogenannten konventionel- len Basistherapeutika auch eine Reihe von Biologika, die in bestimmte Abläufe der Immunreaktion des menschlichen Körpers ein- greifen. „Das Ziel ist eine niedrige Krankheitsaktivität oder die Remission, also das Zurückbilden der Krankheit“, sagt Dejaco. „In diesem Kontext versteht man unter Remission das Verschwinden aller klinischen Erscheinungen der Erkrankung.“ Bei Biologika ist bislang allerdings nicht klar, wann ein Absetzen der Medikamente erwogen werden kann, so Dejaco: „Man weiß, dass ein be- stimmter Prozentsatz der Betroffenen innerhalb etwa eines halben Jahres eine Rückkehr der Krankheit erlebt. Mit dieser Studie

versuchen wir, die Frage zu beantworten, ob mithilfe des Ultraschalls eine Patienten- gruppe identifiziert werden kann, die nach Absetzen der Biologika-Therapie in Re- mission bleibt.“


Untersuchung durch Ultraschall

Vergangene Forschungsarbeiten haben Faktoren identifiziert, an denen die Effekte der Rheumatoiden Arthritis in Gelenken in Ultraschallbildern erkannt werden können. Dazu gehören Verdickungen der Gelenkshaut oder Flüssigkeit im Gelenk. Außerdem ist es möglich, den Blutfluss in der Gelenkshaut sichtbar zu machen. „Eine hohe Durchblutung der Gelenkshaut geht mit einer hohen Entzündungsmenge einher“, erklärt der Mediziner. Auffällig sei, dass die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchung oft nicht mit denen der klinischen Einschätzung übereinstimmen: „Es gibt Patienten,

die bei einer ärztlichen Untersuchung in Remission zu sein scheinen, im Ultraschall aber noch Krankheitsaktivität zeigen, und umgekehrt. In vergangenen Studien hat man gesehen, dass Patienten, die laut klinischer Einschätzung in Remission sind, aber im Ultraschall noch Spuren der Krankheit zeigen, ein höheres Risiko für eine Rückkehr der Krankheitsaktivität haben“; so der Mediziner.

Daraus leitet sich die Hypothese für die neue Studie ab. Deren Ziel ist es, 110 Personen in Remission – also Menschen, bei denen die Rheumatoide Arthritis laut klinischer Einschätzung zum Stillstand gekommen ist – über mehrere Monate zu beobachten. Das Besondere gegenüber bisherigen Studien sei einerseits die Größe der untersuchten Gruppe, so Dejaco, andererseits aber die präzise Definition von Remission. Letztere macht die Auswahl von Studienteilnehmenden besonders anspruchsvoll. Eine Gruppe von Personen wurde bereits untersucht oder ist gerade in Beobachtung, andere werden noch rekrutiert. Sobald die Rekrutierung abgeschlossen ist, will man mit den Auswertungen beginnen.


Aufwertung von Ultraschall

Bei erfolgreichem Ausgang der Studie könnte der Ultraschall in der Verlaufsbeurteilung von Patienten mit Rheumatoider Arthritis eine größere Bedeutung bekommen. Dejaco betont, dass eine Ultraschalluntersuchung in diesem Bereich nicht Standard ist: „Der Ultraschall wird bei vielen Rheumatologen noch nicht oder nur sporadisch angewendet, viele führen die Untersuchung auch nicht selbst durch.“ Im Prinzip wäre die Ultraschalluntersuchung aber einfach und schnell im Untersuchungszimmer durchführbar, so der Mediziner. In Zukunft könnte der Ultraschall helfen, den Medikamenteneinsatz in der Therapie der Rheumatoiden Arthritis zu verringern, mit positiven Effekten für die Erkrankten und das Gesundheitssystem.



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