LESERBRIEF | Stellungnahme zur Ausgabe 03/2021

Leserbrief:

Stellungnahme zur Ausgabe 03/2021

„Medizin-Studenten kritisieren Ausbildungsqualität“

Es ist nicht sonderlich erbaulich zu lesen, dass MedizinstudentInnen in ihrem Klinisch Praktischem Jahr (KPJ) größtenteils als zusätzliche Kräfte für Stationsarbeit oder Ähnliches eingesetzt werden. Dies verfehlt leider den Sinn und Zweck der kurzen und lernintensiven Zeit des KPJs, welches als erster selbständiger Einstieg in die praktische Anwendung der jahrelangen Theorie gilt. Ich bin absolut der Meinung, dass man als angehender Arzt/angehende Ärztin selbstverständlich auch die ärztlichen Grundfertigkeiten regelmäßig ausüben muss, aber als „günstige“ Aushilfe sollte man jedoch nicht dauerhaft eingesetzt werden. Glücklicherweise durfte ich erfahren, dass es auch anders geht. Seit dem ersten Tag meiner prakti- schen Ausbildung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt wurde ich hier mit Menschlichkeit und Verstand an meine zukünftigen Aufgaben herangeführt. Selbstständiges Arbeiten und Verantwortung in einem gesicherten Setting zu übernehmen fördert die ärztliche Hand- lungs- und Herangehensweise. Ich durfte bei seltenen oder wichtigen Eingriffen teilhaben, durchgeführte Tätigkeiten wurden regelmäßig durch eine(n) erfahrene(n) Oberärztin/Oberarzt kontrolliert und gemeinsam in einem Review besprochen. Selbst Erklärungen und kurze Unterrichtsein- heiten durch den Abteilungsvorstand persönlich waren keineswegs eine Seltenheit. So konnte ich nicht nur wertvolle Erfahrungen sammeln, son- dern mich auch stetig in vielen Bereichen weiterentwickeln.

Die Kritik an der niedrigen, nicht kostendeckenden Entschädigung ist gerechtfertigt, doch auch hier kommt das Eisenstädter Krankenhaus seinen Studierenden entgegen. 24-Stunden-Dienste wurden mit je 90 Euro abgegolten und der Kantinenbesuch für ein warmes Mittagessen ist kostenfrei. Bei einer Aufwandsentschädigung von etwa 650 Euro brutto pro Monat eine sehr willkommene Unterstützung.

Alles in allem hoffe ich, dass sich die Kritik der StudentenInnenvertretung nicht allzu oft bewahrheitet, denn auf lange Sicht, ist es für das gesamte Spitalswesen und dementsprechend für die Bevölkerung nur von Vorteil, wenn StudentInnen in ihrer Rolle als Auszubildende respektiert und best- möglich gefördert werden. Dieser Respekt und diese Wissensvermittlung werden im Lehrkrankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt groß- geschrieben, weshalb ich mich glücklich schätze, hier Praxiserfahrung sammeln zu können. Bedingungen, die ich mir für sämtliche meiner Studi- enkollegInnen von Herzen ebenso wünsche.

Eduard Margulies, KPJ-Student im Krankenhaus Barmherzige Brüder Eisenstadt