Eltern können in der benachbarten Reha-Klinik für Er- wachsene zeitgleich mit den Kindern und Jugendlichen aufgenommen werden.

REHABILITATION | Kinder- und Jugendrehabilitation 

Gesund von Anfang an

FotoS: zvg

Depression, Angst oder Belastungsstörungen sind längst keine Erkrankungen mehr, die nur Erwachsene betreffen.

Psychische Störungen und Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter erfordern ein umfassendes Behandlungsprogramm, das sich sowohl am jeweiligen Individuum mit seinem Entwicklungsstand bzw. Reifegrad als auch der Erkrankung selbst orientiert. Zu- sätzlich spielen Eltern und Bezugspersonen eine wichtige Rolle im Behandlungsprozess. Dieser setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen und umfasst psychotherapeutische, sozialpädagogische, spezialtherapeutische und medizinische Behandlungsmethoden.

Der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich Prim. Dr. Brigitta Lienbacher, Ärztliche Leiterin Bereich „Mental Health“ in der Kinder- und Jugendrehabilitation in der OptimaMed Gesundheitstherme Wildbad verschrieben. Hier wird in einer der ersten Einrichtungen in Österreich Kindern und Jugendlichen eine altersgerechte Therapie und Betreuung angeboten. „Unser hochqualifiziertes Team kümmert sich um das Wohlergehen der jungen Patienten und arbeitet gemeinsam mit ihnen und ihren Familien daran, ihre persönlichen Rehabilitationsziele zu erreichen und ihre Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Wir bieten ihnen einen sicheren Rahmen, sich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen, neue Zukunftsperspektiven zu schaffen und möch- ten ihnen neuen Mut und Lebensfreude mitgeben“, bringt Lienbacher die Leistungen auf den Punkt und gibt Einblick in die Schwerpunkte der Kinder- und Jugendrehabilitation in Wildbad.


?Welche Krankheitsbilder treten im Bereich der mentalen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen vorrangig auf?

Das hängt von der Altersgruppe ab. Jugendliche von 12 bis 18 kommen eher mit Depressionen, pubertären Krisen, Angststörun- gen, Anpassungsstörungen, Interaktionsproblemen mit den Eltern, Mobbing oder Themen wie Schulverweigerung sowie Überfor- derung. Viele fallen aufgrund dieser psychischen Probleme aus den klassischen Ausbildungsangeboten heraus und eine Ab- wärtsspirale beginnt sich zu drehen, die oft massive körperliche und mentale Auswirkungen hat. Bei jüngeren Kindern stehen eher Entwicklungsdefizite im motorischen, sprachlichen oder sozioemotionalen Bereich im Vordergrund. Psychosoziale Probleme betreffen alle Altersgruppen. Manche von ihnen haben schwierige familiäre Situationen zu bewältigen, leiden an unklaren Schmer- zen oder diagnostizierten chronischen Erkrankungen.


?Nimmt die Häufigkeit zu?

Es verändert sich aus mehreren Gründen: Einerseits treten andere, neue Stressfaktoren auf als früher, etwa (Cyber-)Mobbing und Neue Medien. Andererseits reagiert die Gesellschaft, vor allem die Bezugspersonen, viel sensibler auf diese Veränderungen. Das liegt häufig daran, dass die jetzige Elterngeneration selbst erfahren musste, dass ihren Problemen als Kinder und Jugendliche nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Was die Entwicklungsverzögerungen betrifft, kann ich keine Zunahme beobachten.


?Ab welchem Alter kommen die jungen Patienten zu Ihnen?

Wir haben Angebote für Kinder ab dem ersten Lebensjahr, hier geht es meist um die Frühförderung, die Entlastung der Eltern oder psychosoziale Problematiken. Die meisten Kinder kommen etwa ab dem 12. Lebensjahr.


?Wie kommen die Patienten nach Wildbad?

Wir sind in der Kinder- und Jugendgesundheit sehr stark vernetzt. Daher kann über unterschiedliche Berufsgruppen wie Psy- chologen/Psychotherapeuten, Pädagogen, Sozialarbeiter oder Kollegen aus Kliniken bzw. dem niedergelassenen Bereich ein Reha-Bedarf festgestellt werden, die Zuweisung muss letztlich über einen Hausarzt oder Facharzt für Kinder- und Jugendpsychi- atrie oder Kinderheilkunde erfolgen. Der Antrag wird an die ÖGK geschickt. Sobald die Bewilligung bei uns eintrifft, setzt sich unser Einladungsmanagement mit der Familie in Verbindung.


?Kommen Eltern mit?

Bis zum 12. Lebensjahr sind die Eltern als Begleitpersonen mit dabei, auch wenn das durch die Berufstätigkeit oft sehr eingeschränkt möglich ist. Ab dem 12. Lebensjahr kommen die Kinder alleine, wir halten aber auch hier vor allem telefonisch sehr engen Kontakt zu den Bezugspersonen. Während in der onkologischen Rehabilitation die Einbeziehung der Eltern vorgesehen ist und auch refundiert wird, ist das bei der psychischen Gesundheit leider nicht inkludiert.  Hier in Wildbad haben wir die Möglichkeit, „Parallelaufenthalte“ anzubieten, das heißt, Eltern können in der benachbarten Reha-Klinik für Erwachsene zeitgleich mit den Kindern/Jugendlichen aufgenommen werden, wenn es eine Indikation gibt.


?Wie läuft die Betreuung ab, gibt es einen Schulbetrieb?

Es ist uns sehr wichtig, den Patienten eine möglichst alltagsnahe Behandlung anzubieten. Schule ist ein wesentlicher Teil davon, sei es als Belastungsfaktor, aber auch als Ressource. In zwei Heilstättenklassen bieten wir Unterricht für schulpflichtige Patienten an, Jugendliche, die eine AHS oder BHS besuchen, haben die Möglichkeit, mit Unterstützung eigens angeforderter Pädagogen ihren Schulstoff zu erarbeiten. Mit Jugendlichen, die die Schule abgeschlossen haben, versuchen unsere Sozialpädagogen und Sozialarbeiter berufliche Perspektiven zu erarbeiten.


?Wo sehen Sie aktuell die großen Herausforderungen im Bereich der mentalen Gesundheit und der Kinder und Jugen- drehabilitation?

Es gibt ein Reha-Konzept vom Dachverband, das dringend überarbeitet werden müsste, aber die Zuständigkeiten sind derzeit unklar. In diesem Konzept ist die Sozialpädagogik nicht berücksichtigt, die betreuenden Eltern fehlen, das Leistungsprofil und damit auch die verbundenen Personalkennzahlen müssen angepasst werden. Die Bettenanzahl muss redimensioniert werden zu- gunsten der wohnortnahen und ambulanten Versorgung. Es braucht eine einheitliche Evaluation und Qualitätssicherung während des 5-wöchigen Aufenthaltes, aber auch über einen längeren Zeitraum nach der Entlassung der Patienten ins familiäre Umfeld.


?Wie viele Patienten betreuen Sie derzeit?

Mit 24 Patienten sind wir derzeit ausgelastet.