DFP-FORTBILDUNG & KLINIK |  Umfrage

Karrierehindernisse für Ärz- tinnen

Fortos: ISTOCKPHOTO / JOHN SOMMER

Eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Ärztekammer identifi- ziert massive Job-Hemmnisse für Frauen in der Medizin. Familien- planung und Kinderbetreuung wurden am häufigsten als Karriereh- indernis genannt.

Krankenhausbetreiber müssen mit den Gemeinden und Privatinitiativen intensiv zusammenarbeiten, um Spitalsärztinnen eine flexibl- e Kinderbetreuung in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen. Ausfallszeiten durch Karenz sowie Teilzeit für Ärztinnen gehören fix in di- e Personalbedarfsplanung der Krankenhausträger. Karrieremodelle sollten so gestaltet sein, dass sie auch für Ärztinnen in Frage kommen. Das sin- d einige der Forderungen, die die Referentin für Gender-Mainstreaming und spezifische Berufs- und Karrieremodelle von Ärztinnen de- r Österreichischen Ärztekammer, Dr. Petra Preiss, aufstellt. Denn obwohl die Medizin immer weiblicher wird, haben Ärztinnen nach wie vor mi- t Benachteiligungen, was sowohl Ausbildung als auch ärztliche Tätigkeit betrifft sowie mit massiven Karrierehemmnissen zu rechnen- .


Beruf und Familie nur „mäßig“ vereinbar

Das hat auch eine Studie bestätigt, die kürzlich im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer von Peter Hajek Public Opinion Strategies erste- llt wurde und knapp 2.500 österreichische Ärztinnen online befragt hat. Demnach sind 33 % der Ärztinnen nicht in dem Fachbereich tätig, auf den s- ie sich ursprünglich spezialisieren wollten, bei 42 % von ihnen war die Familienplanung ausschlaggebend dafür. Die Vereinbarkeit von Beruf un- d Familie wird mit einem Mittelwert von 3,2 „nur sehr mäßig“ beurteilt, wie Studienautorin Mag. Alexandra Siegl ausführt- .

Generell waren Familienplanung und Kinderbetreuung das bei Weitem am häufigsten genannte Karrierehindernis: Fast zwei Drittel aller Ärztinnen i- n Österreich sehen diese Parameter als Grund dafür, beruflich nicht entsprechend weiterzukommen. Danach folgen zu wenig Förderung durc- h Vorgesetzte (37 %), zu wenig Förderung in der Turnusausbildung in relevanten Wissensbereichen (32 %), die Bevorzugung von Männern be- i interessanten Jobs bzw. Führungspositionen (31 %) sowie der Umstand, dass Ärztinnen generell weniger zugetraut wird als Ärzten (30 % ).


Wahlarztordi beliebt

Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte mit ein Grund dafür sein, dass deutlich mehr Spitalsärztinnen in den Wahlarztbereic- h tendieren als in den Kassenbereich. Preiss erklärt sich dies mit einem anderen schon lange bekanntem Faktum, das auch durch die aktuelle Studi- e wieder untermauert wurde. Demnach gaben 67 % der befragten Ärztinnen an, den Großteil der Kinderbetreuung übernommen zu haben; umgekeh- rt waren es nur sechs Prozent. Beim Rest, also einem Viertel der Familien, wurde gerecht geteilt. Preiss: „Familienarbeit ist auch in Arztfamilien immer noch Frauenarbeit. Es stimmt also nach wie vor das Klischee, wonach der Mann Karriere macht, währenddessen die Frau jene beruflichen Nische- n sucht, die in Einklang mit der Kinderbetreuung stehen.

Frauenfeindliches Verhalten ist (auch) im medizinischen Bereich ein Problemthema, auch wenn sexuelle Übergriffe die absolute Ausnahme sind : „Meist handelt es sich um geringschätzige und/oder anzügliche Bemerkungen, die von einer Mehrheit der Ärztinnen erlebt oder beobachtet werde- n“, so Siegl.

Preiss: „Wir beobachten hier eine deutlich höhere Sensibilisierung in den letzten Jahren, natürlich auch dank der aktuellen MeToo-Debatte- . Trotzdem muss es unser Ziel sein, in Zukunft verstärkt darauf hinzuarbeiten, dass Übergriffe, auch wenn sie nur in verbaler Hinsicht erfolgen, al- s Grenzüberschreitung gesehen werden, die unter keinen Umständen toleriert werden kann.“ Die gute Nachricht zum Schluss: 62 % der befragte- n Ärztinnen sind grundsätzlich zufrieden mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Lediglich drei Prozent haben bei der Umfrage „gar nicht zufrieden“ angegeb- en.



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