Fortbildung & Klinik I Umfrage

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Patientenwünsche und Spitalsrealität

Die österreichischen Krankenhäuser stehen seit Ausbruch der Pandemie mehr denn je im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und werden aus Sicht der Bevölkerung ihrer Rolle in hohem Ausmaß gerecht.

Zwei Drittel der Befragten sind klar der Meinung, dass die Krankenhäuser einen wesentlichen Anteil an der bisher guten Bewältigung der Krise ha- ben. Lediglich 5 % der Bevölkerung – und damit als vernachlässigbar einzustufen – sind hier dezidiert gegenteiliger Ansicht. Bei zwei Drittel der Bevölkerung ist das Vertrauen in die österreichischen Krankenhäuser generell sehr hoch – ein Vertrauen, das in der Krise sogar noch mehrheitlich gesteigert werden konnte. Insbesondere Personen mit chronischem Leiden stechen hier positiv hervor – unter ihnen liegt der Anteil mit sehr ho- hem Vertrauen bei 75 %. Mehrheitlich hat man auch großes Verständnis für die strengen – pandemiebedingten – Regeln in den Krankenhäusern (63 %) und die Verschiebung von geplanten Operationen (50 %). Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen IFES-Umfrage im Auftrag der Vin- zenz Gruppe.


Patienten wollen Digitalisierung

Wer krank ist, will genau über die Behandlung informiert sein, jeden Behandlungsschritt genau erklärt bekommen und mitreden können – auch das hat die Umfrage bestätigt. 64 % der Befragten wünschen sich derartige Selbstbestimmtheit, Frauen stärker als Männer, Menschen mit höherer Bildung stärker als solche mit einfacher Bildung. Außerdem zeigen sich die Österreicher als sehr aufgeschlossen gegenüber den neuen technolo- gischen Entwicklungen im Krankenhausbereich. Gerade die Covid-19-Pandemie hat bei vielen Befragten Aufgeschlossenheit für neue Technologi- en im Zusammenhang mit Angeboten in Krankenhäusern geweckt – wobei derzeit in die Leistungen der Spitäler von einem Drittel der Befragten „höchstes“ und von einem weiteren Drittel zumindest „sehr hohes“ Vertrauen gesetzt wird.

Sie zeigen eine hohe Bereitschaft, digitale Angebote von Spitälern wahrzunehmen. Wichtig ist ihnen jedoch die Wahlfreiheit zwischen digitalen An- geboten und persönlicher Zuwendung. Technische Innovationen sollen auch die Mitarbeiter entlasten, damit sie mehr Zeit für die Patienten haben.


Online-Ambulanz spart Zeit

Ein Beispiel für neue technologische Entwicklungen sind etwa Online-Ambulanzen. Jeweils ein Drittel der Befragten stimmt vollständig (und ein weiteres Drittel überwiegend) der Aussage zu, dass eine Online-Ambulanz Zeit spart. Im selben Ausmaß wird eine Online-Ambulanz als Erleichte- rung für chronisch Erkrankte oder Menschen mit schwachem Immunsystem gesehen – und als gute Alternative in Zeiten von Pandemien, aber auch generell während der Erkältungszeit zum Schutz vor Ansteckung. Die gute Nachricht: Oft braucht es nur geringfügige Umstellungen, um ma- ximalen Nutzen für die Patienten zu generieren.

Der Online-Check-in bei Krankenhäusern liegt mit 78 % Befürwortung an der Spitze dessen, was man sich in Zukunft „gut vorstellen“ kann. Auch die Unterstützung von Operationen durch Roboter scheint bereits gut verankert (68 %). Online-Aufklärungsgespräche vor einem Krankenhausauf- enthalt werden von einer knappen Mehrheit (55 %) positiv gesehen. Durchaus positive Resonanz (50 %) erhält auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Diagnostik. Größere Berührungsängste gibt es bei Robotern in der Pflege, wobei sogar hier jede oder jeder Dritte (38 %) eine Un- terstützung befürworten würde.


Spezialisierung erwünscht

In der Umfrage wurde auch erhoben, wie die österreichische Bevölkerung die Entwicklung hin zu Fachkliniken beurteilt. Vorausgesetzt, dass eine Versorgung von Notfällen aus anderen medizinischen Bereichen auch in Fachkliniken gewährleistet ist, finden 19 % eine solche Spezialisierung „ausgezeichnet“ und weitere 34 % „sehr gut“. Für die speziellere Versorgung würden 32 % „jedenfalls“ und weitere 50 % „eher schon“ längere Wege bei planbaren Operationen und Behandlungen in Kauf nehmen. Die IFES-Studie bestätigt damit jenen Weg, den die Vinzenz Gruppe schon vor mehreren Jahren mit der Gründung von Fachkliniken und Schwerpunktzentren eingeschlagen hat.


rh