MEDIZIN | Reflux

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Richtig essen bei Reflux

Rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich leiden an Sod- brennen und saurem Aufstoßen, meist 30 bis 60 Minuten nach dem Essen oder Trinken. Dazu kommen trockener Husten und Heiserkeit in der Nacht oder am Morgen.

Trotz der Vielzahl der Betroffenen werden diese Beschwerden immer noch als harmlos betrachtet. Doch dabei handelt es sich um eine ernst z- u nehmende Krankheit, die im schlimmsten Fall eine spezielle Form von Speiseröhrenkrebs hervorrufen kann. Hauptursache sind falsche Ernährungs- gewohnheiten, die sich einfach auf dem Punkt bringen lassen: zu viel, zu süß und zu fett. „Daher liegt es nahe, primär genau hier anzusetzen un- d der Erkrankung durch adäquates Essen die Existenzgrundlage zu entziehen“, ist Univ.-Doz. Dr. Martin Riegler, Leiter des Reflux Medical Diagnose - und Therapiezentrums, überzeugt- .


Dysbalance des Stoffwechsels

Essen und Trinken dienen nicht nur mehr der Energiezufuhr, sondern werden heute vor allem als sinnlicher Akt wahrgenommen, der Geruchs- und Geschmacksnerven sowie unsere Augen stimuliert. „Auch die Reaktionen auf das Gegessene und Getrunkene sind sinnlicher Natur: Neben wohl- iger Sättigung stellt sich ein angenehmes Gefühl der Geborgenheit und Zufriedenheit, bisweilen auch ein Energieschub ein“, beschreibt Riegler. U- mgekehrt kann ein Zuviel an Genuss auch körperliche Beschwerden verursachen. Als häufigste Verdauungsstörung in Industrieländern gilt die gastr- oösophageale Reflux-Krankheit. „Mit den bekannten Leitsymptomen Sodbrennen, Husten, Heiserkeit und Asthma betrifft Reflux über 30 % aller Mit- teleuropäer, Tendenz steigend. Die Beschwerden beeinträchtigen oft viele Jahre lang die Lebensqualität und Produktivität der Betroffenen“, betont Riegler.

Reflux entsteht in den meisten Fällen durch eine Dysbalance des Stoffwechsels: Die dem Körper zugeführte Nahrung entzieht dem Organismus En- ergie und setzt Botenstoffe ins Gewebe frei, die Unwohlsein verursachen: Völlegefühl, Sodbrennen, Hals-, Mund- und Zungenbrennen sind chara- kteristische Symptome. Ist die Balance des Stoffwechsels gestört, kann der Körper auch die zugeführte Energie nicht mehr speichern. Die Körperb- atterie entleert sich zu rasch und der Energiemangelzustand löst Schwäche, Schweißausbrüche, Blähungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit nach dem Essen aus. Nicht selten treten auch depressive Verstimmungen auf. Ganz typisch für die Reflux-Krankheit ist, dass sich die Verdauungsstörun- gen nie während des Essens, sondern etwa 30 bis 60 Minuten danach bemerkbar machen- .


Man ist, was man isst

„Im Laufe des Lebens nimmt die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Konsum von konzentriertem Zucker ab. Das Tückische dabei ist, dass ko- nzentrierter Zucker nicht nur in auffallend süßen Speisen und Getränken wie Kuchen, Torten, Eiscremen, in Limonaden oder süßen Smoothies ent- halten ist, sondern in über 90 % aller heutzutage konsumierten Nahrungsmitteln“, beschreibt Riegler. Die Genetik und der langjährige Konsum von Nahrungsmitteln mit konzentriertem Zucker begünstigen die Entstehung einer Unverträglichkeit gegen konzentrierten Zucker. „Infolge des bereits beschriebenen Energiemangels, der ca. 30 bis 60 Minuten nach dem Verzehr konzentrierten Zuckers auftritt, werden die Nerven in Speiseröhre und Magen immer wieder gereizt. Dies lässt nach und nach das Anti-Reflux-Ventil, konzipiert als kontrollierter Übergang der Nahrung von der Speis- eröhre in den Magen, undicht werden. Dadurch bildet sich zunächst eine ‚Trompete der Speiseröhre‘, mit der Zeit kann die ausgeleierte Speiseröhre die Lücke im Zwerchfell immer mehr vergrößern, was zur Entstehung eines Zwerchfellbruchs führt“, fasst Riegler zusammen.