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FOTO: istockphoto/ matejmo, Bankhaus Schelhammer & Schat- tera AG, ERSTE BANK/hinterramskogler, LLB Invest KAG

Schwierige Zeiten

Die Coronavirus-Pandemie hat Wirtschaft und Börse ins Mark getroffen. Führende Anlage-

Experten verraten, wie Ärzte auch im Niedrigzins- umfeld Rendite lukrieren können.

Nachdem Covid-19 der bereits zuvor schwächelnden Weltkonjunktur im zwei- ten Quartal einen beispiellosten Absturz bescherte und an den Börsen ein schlimmes Kursgemetzel einleitete, sorgt aktuell vor allem eine Frage für Kopfzerbrechen: „Wie geht es mit Wirtschaft und Börse weiter?“ Gewiss schei- nen nur zwei Sachen: Eine nachhaltige Erholung von Wirtschaft und Börse steht und fällt mit der Entdeckung eines Corona-Impfstoffs oder -Medika-

ments. Und das Niedrigzinsumfeld wird noch für viele Jahre einzementiert bleiben – und Anleger vor die große Herausforderung stellen, ansehnliche Renditen zu lukrieren.

„Die Zahl der Unwägbarkeiten ist derzeit groß“, erklärt Mag. Peter Böhler, Vorstand Bankhaus Schelhammer & Schattera, wieso es aktuell so schwierig ist, einen verlässlichen wirtschaftlichen Ausblick zu geben. Falls beispielweise die staatlichen Hilfspro- gramme – bei denen es sich bekanntlich um aufgeschobene Verbindlichkeiten handelt – auslaufen und fällig würden, könnte vor allem in der mittelständischen Wirtschaft das eine oder andere Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Diese Gefahr sehe er nicht nur in Österreich. „Ähnliche Maßnahmen wurden ja weltweit gesetzt“, so Böhler.

Zumindest auf kurze Sicht fällt der Ausblick nicht so schlecht aus. „Im dritten Quartal ist in bestimmten Ländern, Regionen und Branchen ein starker wirtschaftlicher Rebound zu erwarten“, so Dr. Christoph von Bonin, Geschäftsführer und Chief Investment Officer (CIO) Liechtensteinische Landesbank (LLB) Invest KAG. Danach sollten die Zuwachsraten allerdings wieder deutlich ab- flachen. Mag. (FH) Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand Erste Bank, sieht in diesem Zusammenhang ein Problem: „Auf- grund der aktuell verhaltenen Konsumbereitschaft der Menschen in einigen Bereichen kommen Unterstützungen der Regierun- gen und Notenbanken nicht zu 100 % in der Wirtschaft an.“


Erholung eingepreist

An den Börsen wurde – vor allem in den USA – zuletzt eine Erholung eingepreist. So hat etwa der US-Leitindex S&P 500 mit einer Performance von rund 2 % seit Anfang 2020 die Corona-Verluste wieder wettgemacht. Der NASDAQ Composite Index, in dem überwiegend die zuletzt boomenden Technologiefirmen gelistet sind, steht sogar mit mehr als 20 % im Plus. „Der Markt ist nur von einer kurzfristigen Krise ausgegan- gen und erwartet spätestens 2021 wieder solide Unternehmensgewinne“, erklärt von Bonin. Dementsprechend groß sei auch das Enttäuschungspotenzial. „Die Unterneh- men müssen liefern“, hält er fest.

„Auch, dass die globalen Notenbanken die Märkte mit 15 Billionen US-Dollar geflutet haben, hat nun mal gewisse Auswirkungen“, nennt Mag. Wolfgang Ules, CIO GRA- WE Bankengruppe, einen weiteren Grund dafür, dass die Börsen seit März wieder ganz gut gelaufen sind. Dazu komme, dass die US-Notenbank Fed seit dem Corona- Ausbruch das Zinsniveau von 2,5 auf 0,7 % gesenkt habe, was vor allem Anleihen mit sehr guter Qualität noch unattraktiver gemacht habe. „Aktien sind derzeit eine der

wenigen Anlageklassen mit der man ansehnliche Renditen verdienen kann“, bringt es der Experte auf den Punkt. Positiv: Er gehe nicht davon aus, dass man an den Börsen wieder die Tiefstände vom März sehen wird. „An Aktien kommt man derzeit nicht vorbei – egal in welcher Form“, sagt auch Schaufler. Allerdings müsse man zwischen den einzelnen Sektoren massiv diffe- renzieren. Er empfiehlt Anlegern sich genau zu überlegen, welche Industrien mittelfristig von großen Trends profitieren könnten. Dazu würden Technologie, Gesundheit und Nachhaltigkeit zählen. Und noch eine Empfehlung hat er parat: Angesichts der ge- stiegenen Kursschwankungsbreite sollten Anleger in Tranchen in den Aktienbereich einsteigen. „So kann man auch den Cost- Average-Effekt nutzen“, so Schaufler. Wenn man nämlich monatlich denselben Betrag investiere, könne man bei niedrigen Kur-

sen mehr Aktien erwerben als bei hohen. „Dadurch wird der durchschnittliche Ein- standspreis gesenkt“, hält Schaufler fest.


USA: teuer, aber ertragsreich

„Was die regionale Allokation betrifft, sind wir in den großen und liquiden Märkten zu- hause“, so Bonin. Dabei würden die USA der Aktienmarkt schlechthin bleiben. Er sei zwar der Teuerste, weise aber auch die beste Performance auf. In die gleiche Kerbe schlägt auch Ules. „Alleine nach den Bewertungen der Unternehmen, würden die eu- ropäischen Börsen attraktiver ausschauen“, sagt er. Allerdings sei das schon immer der Fall gewesen. Trotzdem hätten sich die europäischen Börsen tendenziell schlechter entwickelt. Nachsatz des Experten: „Covid-19 hat einmal mehr gezeigt, dass Europa in Krisenzeiten gegenüber den USA ins Hintertreffen gerät.“

Im Anleihebereich schaut es dagegen eher trist aus – vor allem bei Papieren mit sehr hoher Qualität. Aktuell bieten etwa zehnjährige österreichische Staatsanleihen eine Rendite von - 0,43 %. Nicht besser schaut mit rund - 0,50 % die Lage bei deutschen Bundesanleihen mit derselben Laufzeit aus. Mit weniger als 2 % ist auch die Ausbeu- te bei Unternehmensanleihen mit Top-Bonität eher mager. Einzig Hochzinsanleihen versprechen mehr Rendite – wie etwa mit rund 5 % bei US-Papieren der Fall. Hier muss man aber die Ausfallsrate im Auge behalten, die in Rezessionen erfahrungsge- mäß deutlich steigt.

„Die attraktivste Anleiheklasse sind derzeit Emerging Market Bonds“, hält von Bonin fest. Zwar wären die Renditen von Schwellenländeranleihen auch nicht mehr dort, wo sie mal früher waren, aber relativ betrachtet wären sie immer noch attraktiv. Ein Risiko ist bei der Anlageklasse allerdings nicht zu leugnen: Schwellenländeranleihen weisen eine relativ hohe Korrelation zu den Aktienmärkten auf. Bei der LLB Invest KAG präferiert man jedenfalls Hartwährungsanleihen aus den Emerging Markets ge- genüber in Lokalwährungen denominierten Papieren. „Auch die Notenbanken in den Schwellenländern haben die Zinsen stark gesenkt“, erklärt von Bonin den Hintergrund.


Gold: Gehört in jedes Portfolio

In einer Hinsicht sind sich Experten jedenfalls einig: Gold sollte auf die eine oder an- dere Art jeder Anleger besitzen. Laut Schaufler empfiehlt sich in kleineren Portfolios ein Goldanteil von 5 bis 10 %. In Größeren könnte durchaus auch mehr gehalten werden. Das Edelmetall sei vor allem wegen zwei Gründen spannend: dem Status als Krisenwährung und der Tatsache, dass man damit in Zeiten ohne Zinsen keine Opportunitätsverluste verzeichne. Bekanntlich werden auf Gold keine Zinsen bezahlt.

Neben Betongold – entweder als direktes oder indirektes Investment – haben Privat- banking-Experten eine weitere Assetklasse auf der Rechnung: Private Equity. „Priva- te Equity ist derzeit ein großes Thema, das wir unseren Kunden auch aktiv anbieten – sofern sie über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen sowie Risikotragfähig- keit verfügen“, erklärt Böhler. Denn so attraktiv diese Investments auch sein mögen, sie wären sehr illiquide und würden einen sehr langen Anlagehorizont aufweisen.

Und auch mit einem weiteren Investmentthema sollte man sich aktuell auseinander- setzen – so der Grundtenor unter Experten: Nachhaltigen Veranlagungen. Vor allem Institutionelle Investoren wären längst schon auf den Zug aufgestiegen. „Trotz zu- nehmender Aufmerksamkeit – beispielsweise für den Klimawandel und dessen Fol- gen – spielen ESG-Investments unter heimischen Privatanlegern nach wie vor keine große Rolle“, so Böhler. Zwar wären insbesondere jüngere Anleger an solchen In- vestments interessiert, sie würden aber meist noch nicht über ausreichend freie Li- quidität verfügen.


pb