MEDIZIN | Physikalische Therapie

Myokine: Muskelkraft und Lebenserwartung

Eine rezente Studie1 an über 11.000 Patienten zeigte, dass die Handkraft als Parameter für den Gesamtzustand des größten Organs unseres Kör- pers – der Muskulatur eine bessere Vorhersagekraft bezüglich der Restüberlebensdauer eines Menschen hat als das tatsächliche Lebensalter di- eses Menschen.  Männer, deren Handkraft  1–1.5 Standardabweichungen unter den alters- und größenbezogenen Mittelwert fällt, haben ein 86 % größeres Risiko innerhalb der nächsten acht Jahre zu versterben als solche mit normgerechter Handkraft. Seit etwas mehr als zehn Jahren stehen die sogenannten Myokine, das sind Botenstoffe aus der Gruppe der Interleukine im Fokus der Forschung. Muskuläre Aktivität, die zu Aussendun- g von Myokinen führt, beeinflusst viele andere Systeme in äußerst positiver Weise – Kognition, Herz-Kreislauf-Funktion, Stoffwechsel inklusive Fettab- bau und Verdauung, Nierenfunktion, Immunabwehr und vieles anderes mehr. Bislang wurden über 400 verschiedene Myokine identifiziert. Ein seh- r wichtiger Zusammenhang besteht zwischen Knochendichte und Muskelaktivität/Muskelkraft. Ein rechtzeitiger früher Aufbau der Muskulatur führt z- u einer erhöhten Peak-Bone-Mass, sodass der naturgemäße Abbau der Knochenmasse ab dem mittleren Lebensalter von einem höheren Nivea- u ausgehend startet. Eine weitergehende Muskelaktivität verlangsamt diesen Knochenabbau, sodass manifeste osteoporotische Folgeerkrankunge- n, wie Schenkelhalsfraktur, Deckplatteneinbrüche et cetera hintangehalten werden können- .


Steiber N (2016) Strong or Weak Handgrip? Normative Reference Values for the German Population across the Life Course Stratified by Sex, Age, and Body Height. PLoS ONE 11(10): e0163917. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0163917