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MEDIZIN |  Hämorrhoiden

Therapieoptionen bei

Hämmorrhoidalleiden

Hämorrhoiden sind arteriovenösen Polster und

Erweiterungen des Plexus hämorrhoidalis am

Analkanal, die für eine komplette Stuhlkontinenz wesent- lich sind. Vergrößern sich Hämorrhoiden und führen sie Beschwerden, spricht man von einem Hämmorrhoidalleiden.

Viele Menschen leben damit, vermeiden es aber, ärztliche Hilfe aufzusuchen. Dabei stehen eine Reihe therapeutischer Möglichkeiten zur Verfü- gung, die eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bewirken können. Die Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) hat nun eine umfassende Evaluation der verschiedenen therapeutischen Ansätze durchgeführt und als S3-Leitlinie – Hämorrhoidalleiden publiziert.

Hämorrhoiden oberhalb der Linea dentata werden als innere Hämorrhoiden bezeichnet und je nach auslösenden Beschwerden in vier Grade ein- geteilt. Hämorrhoiden Grad I lassen sich von außen nicht erkennen und fallen lediglich durch eine leichte Blutung während des Stuhlgangs auf, Beschwerden sind meist Folge der Blutung. Hämorrhoiden Grad II prolabieren beim Stuhlgang und reponieren spontan. Kleine Einrisse der Schleimhaut und Sekretion können zu Blutungen, Pruritus, Schmerzen und Nässen führen. Hämorrhoiden Grad III prolabieren und können nur mehr manuell reponiert werden. Die Beschwerden wie bei Grad II können zunehmen, ein Fremdkörpergefühl kann hinzukommen. Hämorrhoiden Grad IV: Die Hämorrhoiden prolabieren und können nicht mehr reponiert werden, massive, dauerhafte Schmerzen können die Folge sein.

Epidemiologie und Entstehung Hämorrhoiden treten am häufigsten zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr auf. In einer österreichischen Studie mit Daten aus einem Darmkrebs-Vorsorgeprogramm wurden koloskopisch bei fast 40 Prozent aller Patienten Hämorrhoiden festgestellt, wobei 74 Pro- zent der Patienten Hämorrhoiden Grad I aufwiesen. Nur 18 Prozent hatten Grad 2, acht Prozent Grad III und nur ein Prozent Grad IV. Die Entste- hung von Hämorrhoiden wird mit einer chronischen Obstipation, einer ballaststoffarmen Ernährung, häufigem verstärkten Pressen beim Stuhlgang, und einem erschwerten venösen Rückfluss durch einen erhöhten intraabdominalen Druck zum Beispiel bei einer Schwangerschaft in Verbindung gebracht. Darüber gibt es genetische Faktoren die schwache Venenwände und lockeres Bindegewebe am Plexus hämorrhoidalis zur Folge ha- ben, wodurch die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens begünstigt wird.


Gute Prognose

Zu Beginn einer jeden Abklärung sollten andere Ursachen für Beschwerden wie Schmerzen und Blutungen ausgeschlossen werden. Grundsätz- lich haben Hämorrhoiden eine gute Prognose, dauerhafte Schmerzen stellen sich meist erst mit einem Prolaps ein und letale Blutungen sind höchst selten. Ob und welche Therapie geplant wird, ist denn von den Beschwerden und dem Wunsch der Patienten nach einer konservativen oder operativen Therapie abhängig. Die Symptome der Hämorroiden lassen sich oft schon mit einer konservativen Therapie verbessern. Auch in- vasivere Therapien haben eine gute Prognose, abhängig von der Intervention sind aber Rezidive keine Seltenheit.


Mit Flohsamen gegen Beschwerden

Hämorrhoiden werden durch eine ballastoffarme Ernährung begünstigt, eine Optimierung der Ernährungsgewohnheiten in diese Richtung wird da- her als eine der ersten Maßnahmen gegen ein Hämorrhoidalleiden empfohlen. Insbesondere durch die Einnahme von Flohsamenschalen als Nah- rungsergänzungsmittel konnte in Studien eine Verbesserung der Beschwerden durch Hämorrhoiden gezeigt werden. Auch Lifestyle-Änderungen, Sitzbäder und verbesserte Hygienemaßnahmen könnten Symptome lindern, hier existieren aber kaum verlässliche Studien, die die Effektivität belegen.


„Phlebotoniker“ und „Hämorrhoidalia“

Die sogenannten „Phlebotoniker“ sind eine heterogene Gruppe pflanzlicher und anorganischer Wirkstoffe, die oral verabreicht eine Verbesserung der venösen Durchblutung bewirken sollen. Zu ihnen gehören unter anderem die Flavonoide, Kalzium-Dobesilat oder Diosmin. Ein systematischer Review konnte zeigen, dass es durch die Einnahme von Phlebotoniker zu einer Verbesserung der Beschwerden kam. Sie werden für die Behand- lung akuter hämorrhoidaler Beschwerden und postoperativer Beschwerden empfohlen. Sogenannte „Hämorrhoidalia“ werden lokal angewandt und umfassen Lokalanästhetika, Kortikosteroide und pflanzliche Wirkstoffe. Sie können in Form von Cremes, Suppositorien und Analtampons ap- pliziert werden, die Datenlage zu ihrer Wirksamkeit ist aber gering.


Invasivere Methoden

Bei höhergradigen Hämorrhoiden kommen nichtoperative Verfahren zur Anwendung. Im Rahme der Sklerosierungstherapie appliziert man bevor- zugt Polidocanol in Hämorrhoidalpolster. Die Sklerosierungstherapie wird für Hämorrhoiden Grad I-II empfohlen, bei Hämorrhoiden Grad II-III sollte die Gummibandligatur bevorzugt werden. Hier kann durch die Abschnürung des Hämorrhoidalgewebes überschüssiges Gewebe reduziert und durch die Vernarbung des Untergrunds im besten Fall zu einer Reposition des dislozierten Anoderms erreicht werden. Im Vergleich zu einer kon- ventionellen Operation weist die Gummibandligatur niedrigere Komplikationsraten und vergleichbare Kurzzeitergebnisse auf, wobei die Operation bessere Langzeitergebnisse aufweist. Komplikationen und Revisionsraten aus Studien mit Stapler-Hämorrhoidopexie sind mit denen der konven- tionellen Operation vergleichbar. Auch mittels Infrarot-Koagulation lässt sich überschüssiges Hämorrhoidalgewebe entfernen. Die Infrarotherapie zeigt bei Hämorrhoiden Grad I-II ähnlich gute Ergebnisse wie die Gummibandligatur, wobei die Infrarottherapie mit weniger postoperativen Schmerzen verbunden sein dürfte. Zur Radiofrequenz-Ablation und verschiedenen Laser-Verfahren fehlt ausreichend Evidenz, es wird daher der- zeit keine Empfehlung ausgesprochen, von der Anwendung von Cryotherapie und der Sphinkterotomie wird in den S3-Leitinlinien abgeraten. ja