In den ersten vier Wochen wird bereits die erneute Auf- nahme für zwei Wochen vereinbart, in denen die zu Hause aufgetretenen Probleme besprochen und weite- re Schritte geplant werden.

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REHABILITATION | Innovation

Ein innovativer Ansatz

Foto: PVA/Wurnig

Die PVA ist mit ihren 17 Rehabilitationszentren, davon zwei ambulant, der größte

Reha-Anbieter Österreichs. Allein acht Zentren sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezialisiert.

In diesen Sonderkrankenanstalten hat die PVA in den letzten vier Jahren eine Vielzahl an Innovationen auf dem Gebiet der Reha- bilitation entwickelt und umgesetzt. Jedes Rehabilitationszentrum hat ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal, dies bedeutet, dass in diesem Haus besonders schwer betroffene Patienten mit hohem medizinischem, pflegerischem und therapeutischem Auf- wand betreut werden. In Felbring war es bisher die Betreuung von Menschen mit Kunstherzen (LVAD).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen machen die vierthöchste Gruppe bei den Rehabilitationsgeld-Zuerkennungen aus und liegen zwi- schen 5 und 6 % aller Zuerkennungen in den vergangenen Jahren. Auswertungen der PVA haben ergeben, dass von allen Patien- ten, die nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen rehabilitiert wurden, die größte Gruppe von Menschen, denen mit einer „Nicht-Herzdia- gnose“ eine Berufsunfähigkeitspension zugesprochen wird, eine psychiatrische Diagnose hatten. Dies zeigt eindrücklich, dass viele Betroffene zwar körperlich in der Lage wären, wieder in den Erwerbsprozess einzutreten, dies jedoch aufgrund der psychi- schen Belastung nicht mehr schaffen.


Todesangst und offene Fragen verunsichern

Die seelische Belastung nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist oftmals besonders stark und wird unterschätzt. Viele Patienten ha- ben eine Reanimationserfahrung und Aufenthalte an Intensivstationen hinter sich, haben Todesangst erlebt und weisen eine hohe Verunsicherung bezüglich ihres weiteren Gesundheits- und Lebensweges auf. Diese Belastungen können sofort oder auch erst einige Wochen oder Monate nach der Erkrankung auftreten und manifestieren sich am häufigsten in Depression und Angstzustän- den, die oft aus Unwissenheit und Unsicherheit entstehen. Viele Fragen treten auf, wie etwa „Was darf ich nach einem Herzinfarkt noch tun?“ oder „Wie muss ich mein Leben verändern?“

Zusätzlich finden sich Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Traurigkeit, Panikgefühl, Konzentrationsschwie- rigkeiten und sozialer Rückzug. Aus diesem Grund wurde seitens der PVA eine psychokardiologische Rehabilitation entwickelt und wird erstmals in Österreich stationär in der SKA Felbring angeboten.


Wer kann teilnehmen?

Diese besondere Form der Rehabilitation dauert insgesamt sechs Wochen und wird im Vergleich zu der herkömmlichen psychia- trischen Rehabilitation in zwei Teilen absolviert. In den ersten vier Wochen werden die Grundlagen und die Umsetzungsnotwen- digkeiten für zu Hause erarbeitet. Danach folgt ein Zeitraum von vier Wochen bis fünf Monaten, in denen die erlernten Maßnah- men zu Hause umgesetzt werden sollen. In den ersten vier Wochen wird bereits die erneute Aufnahme für zwei Wochen verein- bart, in denen die zu Hause aufgetretenen Probleme besprochen und weitere Schritte geplant werden, um das Erlernte möglichst im Berufsalltag anzuwenden. An der psychokardiologischen Rehabilitation können folgende Personengruppen teilnehmen:

•Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und seelischer Belastung

•Bestehende Erwerbsfähigkeit (berufstätig, Rehageldbezug oder arbeitssuchend)

•Im Rahmen des Pilotprojektes vorerst ausschließlich PVA-versicherte Personen

Ziel ist, durch eine effektive, frühzeitig angesetzte psychokardiologische Rehabilitation bei Herz-Kreislauf-Patienten eine raschere Reintegration in den Arbeitsprozess zu erreichen.


Was bietet Felbring?

Zum Einschätzen und Dokumentation der Gesamtproblematik erfolgt eine kardiologische und psychologische Diagnostik. Anhand dieser Ergebnisse werden je nach individuellem Bedarf psychologische und psychotherapeutische Einzel-, Angehörigen- und Gruppengespräche durchgeführt. Ziel dieser Maßnahmen ist das Erlernen des Umgangs mit eigener Krankheit, die Reduktion in- dividueller Risikokonstellationen und die Prävention weiterer somatischer und psychischer Ereignisse. Die individuellen Bedürfnis- se stehen im Mittelpunkt, unterstützt wird dies durch den modularen Aufbau des Leistungsprofils und der Arbeit im multiprofessio- nellen Team.

Begleitet werden diese Maßnahmen mittels einer medizinischen Trainingstherapie, Vorträgen und Informationen zu medizinischen und psychologischen Themen. Wie bei jeder Rehabilitation gilt: Eigenverantwortung ist entscheidend für Rehabilitationserfolg.

Mit dieser neuen Form der Rehabilitation hat die PVA einen neuen, innovativen Ansatz entwickelt, die Wiederherstellung der Er- werbsfähigkeit zu fördern und betroffene Patienten zu unterstützen, an ihrem Leben wieder teilhaben zu können.

Nähere Informationen finden sich auf der Homepage der SKA Felbring und unter

www.ska-felbring.at/media/psychokardiologie_arzt_bf_1.pdf.