MEDIZIN | Reflux

Reflux: Diagnose und Therapie

Rund 1,5 Millionen Österreicher leiden unter Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Unbehandelt kann sich das zu einer entzündlichen Erkrankung der unteren Abschnitte der Speiseröhrenschleimhaut ausweiten. Den Weg zu Dia- gnose und Therapie beschreibt Gastroenterologe Dr. Rainer Watzak, www.endo2go.at.

?Welche Symptome deuten auf eine Refluxerkrankung hin?

Reflux kann brennende, drückende Schmerzen hinter dem Brustbein erzeugen. Es können aber auch andere Symptome auftreten, wie zum Bei- spiel Husten, Asthmaanfälle, Heiserkeit oder Räusperzwang. Diese speziellen Symptome treten auf, wenn geringe Mengen an Magensaft über die Speiseröhre in den Kehlkopf oder die Luftröhre gelangen. Auch plötzliches Erbrechen, trockener Rachen und Schluckbeschwerden können erste Anzeichen sein.


?Welche Rolle spielt der Lebensstil als Auslöser?

Zu hastiges Essen, fettige oder sehr scharfe Mahlzeiten, Rauchen oder übermäßiger Konsum von Kaffee oder Alkohol sind nur einige der Auslö- ser. Auch in der Schwangerschaft kann es durch die hormonellen Veränderungen sowie den Druck auf den Magen und das Zwerchfell zu ver- mehrt saurem Aufstoßen kommen.


?Ist Vorbeugung möglich?

Wer zu Sodbrennen neigt, verzichtet am besten auf Kaffee, Alkohol und Süßspeisen, auf zu große Mahlzeiten und auf spät abendliches Essen. Im Liegen kommt es schneller zu einem Rückfluss von Magensaft, daher ist es hilfreich, mit leicht erhöhtem Oberkörper zu schlafen.


?Wie wird Reflux festgestellt?

In einem ersten Schritt zur Behandlung werden Medikamente eingesetzt, die im Wesentlichen die Magensäureproduktion hemmen. H2-Rezeptor- Antagonisten und Protonenpumpenhemmer hemmen die Abgabe von Magensäure. Damit verschwinden die Beschwerden rasch und eine vorhan- dene Entzündung kann gut abklingen. Grundsätzlich wäre es wünschenswert, bei jedem Patienten mit Refluxbeschwerden eine Gastroskopie durchzuführen, um den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen.

Es kann auch sein, dass Patienten eine gastroösophageale Refluxkrankheit ohne nachweisbare säurebedingte erosive Schädigungen der Öso- phagusschleimhaut haben. Der endoskopische Befund entspricht dem GERD-Stadium 0 der Savary- und Miller- Klassifikation. Beweis für den Re- flux liefert dann eine 24-Stunden-pH-Metrie. Ich bin leidenschaftlicher Gastroenterologe und mache bei der Untersuchung immer viele Bilder und biopsiere auch im Dünndarm, um eventuelle andere Erkrankungen wie Zöliakie oder Infektionen auszuschließen.


?Wie oft soll die Gastroskopie wiederholt werden?

Das richtet sich nach den Beschwerden und dem Schweregrad der Erkrankung. Bei niedriggradigem Reflux reicht eine regelmäßige klinische Kontrolle, bei ausgeprägten schweren Veränderungen sollte nach drei bis sechs Monaten mit einer neuerlichen Gastroskopie kontrolliert werden.


?Welche Komplikationen können entstehen?

Bei länger bestehender unbehandelter Erkrankung können jedoch tiefere ulzerative Schleimhautveränderungen mit Narben und Stenosen sowie ein Barrett-Ösophagus auftreten. In diesem Fall sollten Quadrantenbiopsien alle ein bis zwei Zentimeter durchgeführt werden und alle suspekten Läsionen zusätzlich biopsiert werden. Wichtig ist die gute Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Histologen, der eine Dysplasie ausschließen bzw. erkennen kann. Üblicherweise wird bei Dysplasieverdacht eine histologische Zweitmeinung eingeholt. Bei niedriggradiger Dysplasie im Be- reich der Barrettschleimhaut sollte diese Veränderung in einem Referenzzentrum kontrolliert und fachgerecht mukosektomiert werden. Dafür ist eine stationäre Aufnahme erforderlich.


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