THEMA | Mediation

Stille will gelernt sein

Prim. Dr. Mag. Susanne Baumgartner, Fachärztin für Psychiatrie und psycho-therapeutische Medizin und Ärzt- liche Leiterin des Sonnenpark Lans, gibt Einblick in die Meditation als gesundheitsfördernde rehabilitativ-thera- peutische Methode und deren Auswirkungen auf die Psy- cho-Neuro-Immunologie.

FotoS: pro mente Reha

?Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Gedankenwelt eines Patienten und seiner psychophysischen Gesundheit?

Negative, belastende oder ängstlich-sorgvolle Gedanken haben oft vereinnahmende Fähigkeiten. Sie lösen innere Unruhe und Stress aus. Sie blo- ckieren den Zugang zu Ressourcen, verhindern das Finden von konstruktiven Lösungen und lassen sich oft nur schwer stoppen. Die Wirkung di- eser negativen Gedanken auf unser Wohlbefinden und unsere Emotionen, auf unsere Kognitionen und unsere Art der Kommunikation und Wahrneh- mung, aber auch auf unser Nerven-, Hormon- und Immunsystem sind mannigfaltig. Sie gestalten das gesamte Spektrum der psychophysischen G- esundheit oft unwillentlich mit. Die Meditation ist eine wirkungsvolle, hocheffiziente Methode, um die ungünstigen Auswirkungen zu durchbrechen un- d zu stoppen. Durch die Fokussierung auf Konzentration, Wertfreiheit und Gedankenruhe können negative psychoneuroimmunologische Effekte in eine positive Umkehrwirkung gebracht werden- .


?Was ist das Ziel von Meditation in der Therapie?

Meditation ist primär eine Konzentrationsübung. Wir bieten hier im Sonnenpark die Form der sogenannten Punktmeditation an. Dabei sitzt der Pati- enten aufrecht und fixiert einen Punkt am Boden. Dann geben wir gedankliche Themen vor, wie etwa sich auf den Punkt zwischen dem Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Durch diese Konzentration auf einen Punkt sollen die zahlreichen Parallelgedanken reduziert werden. Das führt zu ei- ner veränderten Gesamtwahrnehmung, die ohne zu kategorisieren oder zu bewerten, davor schützt, in negative Gedankenschleifen abzurutschen. Wir wissen, dass vor allem depressive oder pessimistische Menschen in der rechten präfrontalen Gehirnhälfte hochaktiviert sind, was über ve- rschiedene Mechanismen vermehrt  zur Ausschüttung von Stresshormone (Katecholamine und Cortisol) führt. Die negativen Folgen bei langanha- ltendem Stress kennen wir, wie etwa eine höhere Anfälligkeit für Infekte, Neigung zu Allergien oder eine verminderte Wundheilung. Die Meditation soll eben diese Stressachse durchbrechen. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben einen hohen Stresspegel, der auch im Gedächtnisze- ntrum negative Folgen auslöst, wie etwa Unkonzentriertheit oder Vergesslichkeit. Wird der Stress mithilfe von Meditation reduziert, so können sich hier auch die Zellen regenerieren- .


?Wann setzten Sie das konkret ein?

Alle Patienten, die stabil sind, können hier im Haus daran teilnehmen. Wir weisen auch darauf hin, dass die Meditation nicht für alle Patienten ge- eignet ist, denn zum Beispiel bei Angststörungen kann es sein, dass gerade in der Phase des Ruhigwerdens die Angst besonders auftritt. Wir wi- ssen auch, dass das Auftreten von Flashbacks bei traumatisierten Menschen während der Meditation größer ist. Hier muss mit den Patienten be- sprochen werden, was passieren kann, dass sie jederzeit aufhören können und dass es eine Nachbesprechung gib- t.


?Wie ist die Meditation in das Rehabilitationsprogramm integriert?

Wir bieten jeden Tag eine halbe Stunde an, wo unsere Patienten freiwillig teilnehmen können. Es ist kein fixer Bestandteil eines Programmes. Wir starten mit fünf Minuten, dann gibt es eine Feedbackrunde, dann wird noch einmal fünf Minuten meditiert. Die Teilnehmer sind angehalten, auch re- gelmäßig zu üben.


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