FORTBILDUNG & KLINIK  | Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreich

Facharztmangel versus Mangelfach Facharztmangel versus Mangelfach

„Mangel ist nicht gleich Mangel“ – zumindest was das Gesundheits- wesen betrifft. In welchen Fächern tatsächlich das Personal ausgeht und was dagegen helfen könnte, erklärt Univ.-Prof. Dr. Werner Lang- steger, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Österreichs (VLKÖ).

?Was ist der Unterschied zwischen dem Facharztmangel und einem Mangelfach?

Es gibt einzelne Fachrichtungen, wie etwa die Pathologie, die Strahlentherapeuten oder die Nuklearmedizin, wo wir tatsächlich zu wenige Ärzte haben. Grund ist, dass nicht genug junge Ärzte in dieses Fach wollen. Das ist aber per Definition kein Mangel- fach, denn Mangelfächer sind jene, in denen es genug Nachfrage vonseiten der jungen Mediziner geben würde, aber die Aus- bildungsstellen können nicht in diesem Ausmaß angeboten werden.


?Warum gibt es in diesen Fächern keine interessierten Jungärzte?

Die Gründe sind vielfältig. In erster Linie ist es das Problem, dass die Kollegen genau in jenen Fächern nicht in die Niederlas- sung gehen können. In Deutschland zum Beispiel ist das ganz anders, da kann auch ein Nuklearmediziner eine Kassenordinati- on eröffnen und erhält seine Leistungen über die Kasse abgerechnet. In Österreich gibt es das nicht, sodass die Arbeitsplätze auf das Spital beschränkt sind. Dort kommt dazu, dass in diesen Fächern keine Nachtdienste vorgesehen sind, was sich ein- kommenswirksam niederschlägt. Damit ist insgesamt die Karriereperspektive gegenüber operativen Fächern deutlich schlech- ter.


?Welche Lösungen schlagen Sie als Präsident des VLKÖ vor?

Wir werden nur dann junge Talente rekrutieren können, wenn wir auch bereit sind, mehr Geld dafür in die Hand zu nehmen. Na- türlich wollen auch die Spitäler bzw. die Krankenhausträger nicht für einzelne Facharztgruppen Sonderregelungen treffen, aber darauf wird es hinauslaufen müssen. Immerhin gehen allein in Oberösterreich in den nächsten fünf Jahren 40 % der Nuklearme- dizin in Pension und es gibt keine Nachfolger. Die Spitäler können dann diese Abteilungen einfach nicht nachbesetzen und das Angebot wird massiv zurückgefahren werden.




?Abgesehen von den Spitälern – gibt es sonst noch Entscheidungsträger, die hier gegensteuern könnten?

Wenn die Finanzierung aus einer Hand realisiert wird, wird sich die Problematik automatisch lösen. Die Kassenreform könnte diesen Aspekt auch berücksichtigen und eine Vergütung dieser Leistungen für niedergelassene Fachärzte vorsehen. Das würde die Fächer viel attraktiver machen. Zusätzlich bedarf es auch einer Aufklärung der Bevölkerung, denn in anderen Ländern, wie etwa in Dänemark, löst man das Problem über die Schaffung von Zentren. Für bestimmte Erkrankungen ist eben nicht flächen- deckend eine wohnortnahe Versorgung möglich, sodass die Patienten in diese Zentren fahren müssen. Dort haben sie auch den Vorteil, dass sie ausschließlich von Ärzten mit sehr hoher Expertise behandelt werden. In Österreich ist diese Vorgangsweise aber sehr unpopulär, obwohl sie zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung beitragen würde. Viele nehmen ja auch gern den Weg auf sich, in weiter entfernte Einkaufszentren zu fahren – also warum sollten wir dann nicht auch für die Gesundheit einen längeren Weg akzeptieren?


rh