DFP-FORTBILDUNG & KLINIK | Prozessoptimierung

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Tagesklinischer Triathlon:

Prozessoptimierung ist oberstes Gebot

Während in Ländern wie den USA, England und Dänemark bereits mehr als die Hälfte der Operationen ambulant durchgeführt wird, herrscht in Österreich noch großer Aufholbedarf.

Tagesklinische Eingriffe stellen nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht die Zukunft minimalinvasiver Chirurgie dar.

Bei geplanten Eingriffen wie einem Leisten- oder Nabelbruch, einer Resektion der Gallenblase, der Entfernung von Krampfadern oder Hämorrhoiden ist die tagesklinische Abwicklung heute bereits Standard. Länder wie die USA, England oder Dänemark nehmen hier eine Vorreiterrolle ein: Bereits mehr als die Hälfte, teilweise sogar bis zu mehr als zwei Drittel aller Operationen wer- den bereits tagesklinisch durchgeführt. Österreich hinkt mit rund 20 % hinterher. Bis auf wenige Kliniken setzt der überwiegende Teil chirurgischer Abteilungen immer noch auf die stationäre Aufnahme von Patienten vor bzw. bei einem Eingriff. Dabei fordern Patienten heute eine tagesklinische Behandlung immer häufiger ein, weil sie als sichere und schonende Alternative gilt. Aus wirtschaftlicher Sicht stellt der Ausbau der tageschirurgischen Behandlung eine Entlastung des Gesundheitssystems im Ver- gleich zu stationären Aufenthalten dar.


Abläufe müssen gut abgestimmt sein

Warum Österreich bei tagesklinischen Eingriffe noch verhalten ist, liegt auf der Hand: unattraktive Abrechnungsmöglichkeiten und die Sorge vor möglichen postoperativen Komplikationen. Prim. Univ. Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus, ärztlicher Vorstand der Chirurgischen Abteilung im Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien, teilt jedoch die Forderung nach mehr tagesklinischen Operationen und wünscht sich den Durchbruch endlich auch hierzulande: „Das Modell funktioniert weltweit. Warum sollte sich das gerade bei der großen chirurgischen Expertise in der minimalinvasiven Technik nicht auch in Österreich durchsetzen kön- nen?“, stellt Klaus in den Raum, der die Tagesklinik im Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien maßgeblich mit umgesetzt hat. „Jede Veränderung erfordert natürlich ein Umdenken und betrifft im klinischen Setting verschiedene Bereiche wie Medizin, Pflege und Verwaltung gleichermaßen. Es braucht im Vorfeld eine gründliche präoperative Abklärung sowie eine intensive Be- treuung und perfekt aufeinander abgestimmte Abläufe genauso wie entsprechende Personalressourcen für tagesklinische Ope- rationen“, sagt Klaus.

Wenn der Patient nur direkt für die Operation ins Krankenhaus kommt, ist dafür eine baulich eigene Abteilung mit separater Re- gistratur vorteilhaft. Die oft angeführte Sorge vor Komplikationen bei Tageseingriffen mit der Entlassung ins häusliche Umfeld noch am selben Tag kann aufgrund aktueller Studien entkräftet werden: Sowohl die Ergebnisqualität als auch Prozess- und Strukturqualität zeigen sehr eindeutige Ergebnisse. Auch die Erfahrung in jenen Krankenhäusern, die bereits tagesklinische Operationen an Gallenblase, Hernie oder Varizen vornehmen, fällt sehr positiv aus.

Neben medizinischen, pflegerischen und ökonomischen Aspekten ist auch die Industrie aufgefordert, in enger Zusammenarbeit mit den ausführenden Chirurgen qualitativ hochwertige und anwenderfreundliche OP-Produkte zu entwickeln, um die minimalin- vasive Chirurgie im Tagesklinik-Bereich in Österreich noch weiter voranzutreiben.


rh