DFP-FORTBILDUNG & KLINIK | Verband der Leitenden Krankenhausärzte Österreichs

Ausbildung ist auch eine Holschuld

Die Herausforderung im Spitalsalltag ist es, den Spagat zwischen fachlicher Kompetenz in Bezug auf die Patientenversorgung, der Forschung und Lehre sowie Organisations- und Management- aufgaben zu schaffen.

Welche Position hier junge Nachwuchsmediziner haben und wie sie gefördert werden können, be- schreibt Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, MSc, LKH-Univ. Klinikum Graz, Universitätsklinik für Chirurgie, Klinische Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Graz.


?Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für junge Mediziner, die im Kranken- haus arbeiten wollen?

Für jeden Mediziner, der das Studium beendet hat und in den Beruf einsteigt, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Die erste und meist größte Herausforderung am Beginn ist es oft, den Umgang mit kranken Menschen in einer doch sehr geballten Form zu meistern. Vieles, was man in der Theorie gehört hat, stellt sich dann in der Praxis als durchaus komplexe Anforderung heraus, die mehr erfordert als nur

Fachwissen, sondern auch sogenannte Soft-Skills und Organisationsgeschick. Junge Kollegen

müssen daher auch in einem gewissen Maß lernen, sich und  die Ausbildung zu organisieren. Dieser Mix aus Fachwissen und Organisationsgeschick ist dann entscheidend, wohin die weitere Karriere künftig gehen wird.


?Haben die jungen Mediziner überhaupt Chancen, auf ihre Ausbildung positiv einzuwirken?

Natürlich, denn das ist nicht nur eine Bringschuld der Spitäler, sondern auch eine Holschuld, bei der Eigeninitiative gefragt ist. Wer zeigt, dass er lernwillig ist, wird auch viel zurückbekommen.


?Wie kann man das zeigen?

Mein Tipp ist: Befassen Sie sich mit dem Thema, setzen Sie sich mit den Fällen auseinander und bereiten Sie sich auf OPs vor. Wer sich hier engagiert zeigt, dem wird auch rasch mehr Verantwortung übertragen und das heißt wieder: mehr Chancen auf Lernen.


?Was heißt das für die Ausbildner?

Eine gute Ausbildung zu liefern und gute Ausbildungsstätte zu sein, ist eine wichtige Basis, um auch in Zukunft gutes Personal zu haben. Wir müssen zeigen, dass uns dieser Nachwuchs am Herzen liegt und dass wir bemüht sind, hier etwas zu bieten. Wir müssen das Interesse wecken und Vorbild sein, das heißt zum Beispiel, dass auch wir uns bestmöglich vorbereiten und uns um unsere Patienten und Auszubildenden bemühen. Wir müssen auch berücksichtigen, dass der Nachwuchs aufgrund der Arbeits- zeitregelungen heute längst nicht mehr so viel Zeit im Spital und am Patienten verbringt, wie wir es konnten. Das heißt auch, dass diese Mediziner mehr Zeit benötigen, um die gleiche Erfahrung sammeln zu können.


?Was für eine Rolle kann dabei ein Netzwerk wie der VLKÖ spielen?

In dieser Plattform werden leitende Ärzte, die für die Ausbildung verantwortlich sind, vernetzt werden. Wir können unsere Erfah- rungen austauschen, Lösungen suchen und voneinander lernen. Das spart jedem von uns Ressourcen, wenn wir von den positi- ven Ergebnissen anderer profitieren können.


rh