IM GESPRÄCH

Im Gespräch mit ...

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... Dr. David Fuchs. Er ist Autor, aber auch Arzt. Als Onkologe und Palliativmediziner arbeitet er in Linz, als Autor hat er die Leondinger Akademie für Literatur absolviert. 2018 erschien mit „Bevor wir ver- schwinden“ im Haymon-Verlag sein Debüt-Roman. Ein Auszug aus dem Roman wurde mit dem FM4 Wortlaut 2016 ausgezeichnet.

2016 haben Sie mit der Geschichte um die Teenager Ben und Ambros den Kurzgeschichtenwettbewerb Wortlaut gewon- nen. Zwei Jahre später ist aus der Episode der Roman „Bevor wir verschwinden“ geworden. Was hat Sie dazu motiviert?

Grundsätzlich war es von Beginn an meine Absicht, einen Roman zu schreiben, weil mich die lange Form und die Gelegenheit, eine Geschichte „auszuerzählen“, gereizt haben. Der Roman war zu dem Zeitpunkt bereits in Arbeit und die beiden Figuren schon da – den Text für den FM4 Wortlaut hatte ich ursprünglich mit anderen Figuren geplant, es hat sich dann aber alles gut eingefügt.


In einem Gespräch haben Sie „Arzt und Autor“ als ideale Kombination bezeichnet – was ist so ideal daran?

Es ist eine für mich ideale Kombination. Im Krankenhaus bin ich ständig unter Menschen, habe mit Menschen zu tun, auch sehr

intensiv, während ich beim Schreiben ganz mit mir und der Geschichte allein bin. Ande- rerseits gibt es auch Ähnlichkeiten – Patienten erzählen uns ihre Geschichten, ich als Arzt bin Teil ihrer Geschichte, und das hat dann doch wieder Berührungspunkte mit lite- rarischem Erzählen.


Ist das Schreiben ein Weg, mit den Erlebnissen im Krankenhaus besser umzuge- hen?

Ich unterscheide sehr deutlich zwischen dem Schreiben über echte Erlebnisse und Emotionen als eine von mehreren möglichen Bewältigungsstrategien und dem literari- schen Schreiben, das für mich wenig damit zu tun hat. Anders gesagt: Ich benutze die Literatur nicht zur Verarbeitung von Erlebnissen aus dem Krankenhaus, dafür habe ich andere Strategien, etwa Sport oder Gespräche.


Viele Ihrer Beobachtungen aus dem Alltag sind im Setting von „Bevor wir ver- schwinden“ verarbeitet. Sie machen sich auch manchmal über Ärzte lustig … Wie war die Reaktion Ihrer Kollegen auf die Veröffentlichung?

Meine Kolleginnen und Kollegen sind durchaus selbstironisch und die Reaktionen waren bisher ausschließlich positiv. Das mag auch daran liegen, dass ich sehr darauf geachtet habe, dass keine echte Person im Roman vorkommt und auch Anekdoten und Alltags- beobachtungen nicht 1:1 niedergeschrieben, sondern teils erfunden und teils stark fik- tionalisiert wurden.


Abschied nehmen wirkt leicht. Ist das tatsächlich so oder stumpfen Ärzte ab?

Es gibt natürlich einen Gewöhnungseffekt, ohne den eine ärztliche Tätigkeit gar nicht möglich wäre, und die Tatsache, dass man im Krankenhaus in einer professionellen Rol- le agiert. Was mich aber als Grundlage des Romans interessiert hat, ist, was passiert, wenn ein junger Arzt bzw. Student plötzlich persönlich betroffen ist und diesen Schutz seiner Rolle verliert – was das mit ihm macht, wo das hinführt.


Ist das nächste Buch schon in Planung?

Ich schreibe am zweiten Roman, der nicht im Krankenhaus spielen wird. Ich will aber nicht ausschließen, dass zumindest eine der Figuren schwer erkranken wird.


rh