Generationensprung
Mit dem EX90 bestätigt Volvo seinen Anspruch als Premiumanbieter in der E-Mobilität. Außer dem alternativen Antrieb setzt der große Stromer-SUV auch auf ökologische Materialien und CO2-arme Produktion. Die typischen Schweden-Gene bleiben aber dennoch erhalten.
Skandinavisches Design und umfassende Digitalisierung: Sämtliche Bedienfunktionen sind in Bildschirmmenüs umgezogen, Schalter und Knöpfe gehören der Vergangenheit an.
Mit dem XC90 und seiner Befeuerung bis hin zum V8-Motor hat Volvo seinerzeit sein Erbgut nahtlos aus dem angestammten Pkw-Bereich ins SUV-Revier übertragen. Seit vergangenem Jahr steht ihm mit dem EX90 ein batterieelektrischer Bruder zur Seite, der zugleich ein bisschen Best-of-Destillat der Volvo-Tugenden aus vergangenen Jahrzehnten bis heute und sogar für die Zukunft ist. Etwa mit der schon äußerlich wahrnehmbaren Identität als rollende Trutzburg, my car is my castle – aber glatter und smarter als je zuvor. Und natürlich dank der Ausstattung mit aktiven und passiven Sicherheitsfeatures weit über das gesetzlich vorgeschriebene Ausmaß hinaus. Nicht zuletzt durch das Platzangebot, das vom raumsparenden E-Antrieb profitiert und mit einer Bestückung von bis zu sieben Sitzen ansehnlich ausgereizt wird.
Wie immer, aber anders
Auch das Unbeirrbare im Vortrieb zählt seit jeher zum Volvo-Profil – jetzt interpretiert es der drehmomentstarke E-Antrieb auf allen vieren. 517 PS verleihen dem Bullen sogar Flügel, real erfahrbar und daher ohne Copyright-Verletzung für die Wortwahl. Und das, obwohl die Pferde auf beachtliches Gegengewicht von rund 2,8 Tonnen treffen. Denen wirkt allerdings auch optionale Technik-Feinkost wie Luftfederung äußerst erfolgreich entgegen. Beim Hightech-Anspruch kann das Cockpit locker gleichziehen – so sauber und skandinavisch unaufdringlich wie eh und je, ökologisch korrekt, aber digital auf dem jüngsten Stand.
Markenkenner
Am Steuer nimmt diesmal Primarius Dr. Christian Obruca Platz, Vorstand der Gynäkologie am Universitätsklinikum Tulln. Mit der Marke Volvo ist er bestens vertraut, im Alltag leistet ihm ein braver XC60 Diesel gute Dienste. An schönen Tagen führt er gerne eine britische Katze aus, in jüngeren Jahren mochte er es mit einem Lancia Delta Integrale auch gerne sportlich. Wie schneidet der EX90 nach einer Woche am Steuer denn im Vergleich zum eigenen Daily-Driver-Volvo ab? „Der wird heuer zehn Jahre alt, da merkt man natürlich schon den Generationensprung. Der EX90 ist außerdem einen Level höher als der XC60 angesiedelt – und wahrscheinlich zwei Baureihen neuer“, zeigt der Primar sich beeindruckt von der Entwicklung.
Premierenstimmung
Stromer-Erfahrung hat Obruca bisher keine gesammelt. „Ich fahre jetzt zum ersten Mal ein E-Modell, aber diese Lautlosigkeit ist schon faszinierend.“ Für die Antwort auf die Frage, welche Eigenschaft er sonst noch schätzen gelernt hat, muss er nicht überlegen: „Den One-Pedal-Drive. Es gefällt mir sehr, weil er sich so feinfühlig dosieren lässt. Sobald man Gas zurücknimmt, bremst er genügend, praktisch bis zum Stehenbleiben. Wahrscheinlich müsste man nur bei Notbremsungen das linke Pedal benutzen.“
Schwedischer Raumgleiter: Volvos großer Elektro-SUV EX90 bietet bis zu rund 2.000 Liter Kofferraumvolumen und lässt sich mit maximal sieben Sitzen bestücken.
Rasch eingewöhnt
„Die Lenkstockschaltung war anfangs gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen ist sie ganz selbstverständlich“, resümiert Obruca über den Umstieg auf das heutige Bedienungskonzept von Volvo. Der technische Standard hat es ihm sichtbar angetan: „Die Distanzanzeige beim Einparken ist ein tolles Feature, das kannte ich bisher so nicht.“ Dabei könnte der EX90 tatsächlich sogar automatisch, also selbstständig, einparken – vielleicht ergibt sich in den nächsten Tagen ja noch eine Möglichkeit, das auszuprobieren.
Erfahrungswerte
Insgesamt klingen alle Kommentare nach durchwegs angenehmem, stressfreiem Fahren – ließe es sich damit zusammenfassen? „So fühlt es sich an. Sehr gefallen hat mir, dass es ein bisschen ist wie beim Segeln. Dieses ruhige Gleiten.“ Während wir gemeinsam unterwegs sind, meldet sich dennoch ab und zu eines der Assistenzsysteme piepsend zu Wort. „Das kann ich ausblenden, schließlich habe ich fünf Kinder großgezogen“, meint Obruca entspannt. Auf die Suche nach den Abschaltmöglichkeiten in den Bildschirmmenüs hat er sich in der gemeinsamen Woche mit dem EX90 nicht gemacht, sondern es bei der digitalen Einstellung von Spiegeln und Lenkrad belassen. „Das macht man ja nur einmal, aber die Schalter und Druckknöpfe, die man blind findet, gehen mir schon ein wenig ab.“ Es bleibt der einzige Kritikpunkt am großen Elektro-Schweden.
Praxisfrage
Kommt angesichts der positiven Eindrücke ein Wechsel zu einem E-Modell infrage? Immerhin muss das Alltagsvehikel bei Obruca auch auf längeren Strecken Richtung Ad-ria entsprechen. „Ich kann es mir schon vorstellen. Die Ladezeiten schrecken mich nicht ab – die Wurstsemmerl-Pausen für den Hund und mich müssen auch jetzt schon sein, es würde sich also nicht allzu viel ändern.“
sp
FOTOS: STEFAN PABESCHITZ