Kurmedizin 2026 – Neues ÖÄK-Curriculum bringt Tradition und Prävention zusammen

Ein neues Curriculum zum ÖÄK-Diplom „Kur-, Präventivmedizin und Wellness“ vermittelt künftigen Kurärzten praxisnahes Wissen zu physikalischen Therapien und natürlichen Heilmitteln – von Radonanwendungen bis multimodale physikalische Therapie.

Die Kur hat im österreichischen Gesundheitswesen eine lange Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert sind natürliche Quellen als wirksames Heilwasser anerkannt worden, Kurbehandlungen in Form von Bädern, Trinkkuren und Bewegung im Sinne von Spaziergängen sind im schon im 19. Jahrhundert in der Therapie chronischer Erkrankungen eingesetzt worden.

Nach entsprechender Weiterentwicklung der Kur haben die physikalischen Modalitäten im Kurwesen immer zentralere Bedeutung erlangt. Die Kuren werden von den Sozialversicherungen bewilligt und finanziert, wenn die Struktur- und Leistungsvorgaben, in den meisten Fällen von der Pensionsversicherungsanstalt PVA vorgegeben, und die Kurfähigkeit der Patienten gegeben ist. Im Jahr 2011 ist die Kur im Medizinischen Leistungsprofil der PVA noch als Gesundheitsvorsorge bzw. Maßnahme zur Festigung der Gesundheit sowie Heilbehandlung unter besonderer Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Heilvorkommen definiert worden.

Im Jahr 2015 sind mit der Implementierung der Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA) Bewegungsoptimierung, Motivation zur Bewegung, mentale Gesundheit und gesunde Ernährung in den Vordergrund getreten. Die Kur ist damit zur teilhabeorientierten Gesundvorsorge mit den Schwerpunkten des Erhalts der Erwerbsfähigkeit und der Stärkung der Gesundheitskompetenz und damit auch der Eigenverantwortung jedes Einzelnen für seine persönliche Gesundheit geworden. Weiterhin spielen physikalische Therapien und natürliche Heilmittel eine zentrale Rolle im Ablauf einer GVA und anderer Kuren.


AUTOR: Prim. Dr. Christian Wiederer

Verantwortlich für den ÖÄK-Diplomlehrgang Kur-, Präventivmedizin und Wellness, Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation, Juniorpräsident der Österr. Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Ärztlicher Direktor des Klinikums am Kurpark Baden, Medizinischer Geschäftsleiter Klinikum Austria Gesundheitsgruppe GmbH, Reha Bad Erlach GmbH und Kinder Reha Rohrbach-Berg GmbH


Erprobtes und Innovatives

Um den zukünftigen Kurärzten das notwendige theoretische und praktische Wissen vermitteln zu können, ist in Zusammenarbeit mit Prim. Dr. Karin Serrat, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation und Ärztliche Leiterin der BVAEB-Gesundheitseinrichtung Bad Hofgastein und der Arzt­akademie, ein neues Curriculum erstellt worden, das 2026 erstmals angeboten wird. Unsere Zielsetzung ist es, sowohl erprobte Behandlungen unter besonderer Berücksichtigung ortsgebundener Heilmittel als auch innovative Anwendungen vorzustellen und in Praxisteilen die Selbsterfahrung in der Wirkung wesentlicher Therapieverfahren zu ermöglichen.

Die neue Ausbildung des Österreichischen Ärztekammerdiploms Kur-, Präventivmedizin umfasst insgesamt vier Module, die in Präsenz mit geringen E-Learning-Anteilen in den Modulen I–III abgehalten werden und inhaltlich aufeinander abgestimmt sind.

  • Im Modul I in Bad Hofgastein werden die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen der Kurmedizin und Basisinformationen zu einigen Therapieformen mit besonderer Berücksichtigung natürlicher Heilvorkommen vorgestellt. Im Vordergrund stehen Wirkungsweise, Anwendungsformen, Indikationen und Kontraindikationen der Behandlungen. Praktische Erfahrungen kann man beispielsweise bei Radonanwendungen machen.

  • Im Modul II in Baden mit Praxis in Bad Vöslau und Bad Schönau steht die multimodale physikalische Therapie im Vordergrund. Die Kombination verschiedener klassischer Behandlungsmethoden und innovativer Therapien wird, bezogen auf unterschiedliche Indikationen, vorgestellt. Praktische Erfahrungen werden unter anderem in der Thermotherapie und Massage geboten.

  • Im Modul III, wiederum in Bad Hofgastein, stehen Präventiv­medizin und medizinische Wellness im Vordergrund. Auch in diesem Modul werden Praxiserfahrungen vermittelt.

  • Das Modul IV umfasst einen Praxistag in einem kooperierenden Kurzentrum in Österreich. Theoretische Information und Selbsterfahrung in der Anwendung natürlicher Heilmittel werden ausschließlich in approbierten Veranstaltungen angeboten.

Die Module I–III schließen mit einem Multiple-Choice-Test ab, das Modul IV wird durch aktive Teilnahme absolviert. Absolventen des Diplomlehrgangs Kur-, Präventivmedizin und Wellness können als Kurärzte kurmedizinische Behandlungskonzepte mit den Schwerpunkten physikalische Therapieverfahren und natürliche Heilmittel einsetzen und präventivmedizinische Konzepte umsetzen.


FOTOS: KLINIKUM AUSTRIA, ISZOCKPHOTO/IZUSEK, SZOCKPHOTO/VGAJIC
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