Staffelübergabe
Nach 14 Jahren Aufbauarbeit übergibt Gründungsrektor Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger die Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) an Univ.-Prof. DDr. Andrea Olschewski. Im Doppelinterview spannen sie den Bogen vom Rückblick über Prioritäten für Forschung und Lehre sowie künftige Pläne.
? Wenn Sie auf die letzten zwölf Jahre zurückblicken – welche Meilensteine waren für Sie persönlich besonders wichtig?
MALLINGER: Ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, diese Universität zu planen, noch bevor sie überhaupt existiert hat. 2013 haben wir mit 28 Studierenden und neun Mitarbeitenden gestartet und ich durfte zwölf Jahre als Gründungsrektor diese Universität Schritt für Schritt aufbauen. Der wichtigste Meilenstein war die erste Akkreditierung als Privatuniversität sowie die Akkreditierung des zweiteiligen Medizinstudiums. Es folgten das Konzept und die Einführung eines Psychologiestudiums. Besonders wichtig war mir auch der Transfer von den Landeskliniken Krems, St. Pölten und Tulln zu Universitätskliniken.
? Sie waren unter anderem Vizerektorin für Medizin und Dekanin der Medizinischen Fakultät der Johannes-Kepler-Universität (JKU) Linz und bringen viel Erfahrung in die neue Position mit. Was darf an der KL künftig gleich bleiben, was darf sich verändern?
OLSCHEWSKI: Die KL verbindet eine starke regionale Verwurzelung mit internationaler Forschungsorientierung und einem klaren Fokus auf gesellschaftlich relevante Gesundheitsthemen. Besonders ist die enge Verknüpfung von klinischer Praxis und Forschung – dieses Alleinstellungsmerkmal soll bleiben. Gleichzeitig hat die Universität eine sehr erfolgreiche Konsolidierungsphase abgeschlossen. Nach dieser Phase sehe ich eine große Chance für einen gezielten Ausbau, insbesondere bei wissenschaftlicher Exzellenz, Internationalisierung und der vertieften Integration digitaler Technologien.
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger übergibt die KL an Univ.-Prof. DDr. Andrea Olschewski.
? Was war für Sie seit der Gründung die schwierigste Phase?
MALLINGER: Die Erstakkreditierung war natürlich eine Herausforderung, aber auch die Einbindung der Universitätskliniken in die Universität. Es war wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob man als Universitätskrankenhaus oder ein Landeskrankenhaus agiert. Es reicht nicht, nur das Schild zu ändern und Medizinstudierende zu betreuen. Man muss Strukturen und Kultur entwickeln. An dieser Bewusstseinsbildung wird man auch künftig immer weiterarbeiten müssen.
Wir haben eine sehr niedrige Studierende-zu-Lehrenden-Relation, wir arbeiten in Dreiergruppen in den Kliniken. Das ist ein Luxus für Lehrende und für Studierende und sichert die hohe Ausbildungsqualität. Darüber hinaus war es mir wichtig, in den Kliniken die Forschungsarbeit zu forcieren. Gute Forschungsthemen kann man nicht verordnen, aber man kann den Prozess unterstützen. Mit dem vom Land NÖ geförderten Projekt „Forschungsimpulse“ unterstützen wir gezielt Forschende in den Kliniken und stärken das Bewusstsein, warum Forschung wichtig und notwendig ist.
? Wo würden Sie konkret ansetzen, wenn es um Ausbau und Weiterentwicklung geht?
OLSCHEWSKI: Einerseits möchte ich die wissenschaftliche Exzellenz stärken, etwa durch die gezielte Förderung transnationaler Forschung mit gesellschaftlichem Impact. Andererseits sehe ich Potenzial in der Internationalisierung durch strategische Partnerschaften und eine gezielte Sichtbarkeit der KL in europäischen Netzwerken. Ein weiterer Entwicklungsschritt ist für mich die vertiefte Integration digitaler Technologien – in Lehre und Forschung, aber auch in der internen Organisation.
Themen wie künstliche Intelligenz in der Diagnostik oder neue Versorgungsmodelle im ländlichen Raum müssten stärker in Lehre und Forschung integriert werden. Gleichzeitig muss Forschung gezielt dort gestärkt werden, wo gesellschaftlicher Handlungsbedarf besteht, etwa bei mentaler Gesundheit, Alters- und Versorgungsforschung – idealerweise in enger Zusammenarbeit mit Trägern. Durch echte Translation und Interdisziplinarität können wir relevante Beiträge zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems leisten.
? Wo sehen Sie aktuell das Alleinstellungsmerkmal der KL?
MALLINGER: Wir waren die Ersten, die das Medizinstudium in ein Bachelor- und ein Masterstudium gegliedert haben. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir das Bachelorstudium in Englisch anbieten. Von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist auch unser spezifisches Forschungsprofil mit den Schwerpunkten Mental Health and Neurosciences, Tumorbiologie und Umweltmedizin. In diesen Forschungsschwerpunkten wollen wir uns stetig weiterentwickeln.
? Was heißt für Sie Digitalisierung in der Lehre und Forschung?
OLSCHEWSKI: Universitäten sollten interprofessionelle, praxisnahe Formate weiterentwickeln und digitale Werkzeuge gezielt einbinden. Studierende sollen früh lernen, wie digitale Tools im klinischen Alltag eingesetzt werden. Ich kann aus meiner aktuellen Umgebung sagen, wie wichtig etwa elektronische Patientenkurven sind und wie sinnvoll es ist, Studierenden früh zu vermitteln, wie man damit arbeitet.
Für die internen Abläufe der Universität hilft Digitalisierung, Prozesse schlanker zu machen und die Kommunikation zu verbessern. Vor allem schafft sie Freiraum für exzellente Forschung, engagierte Lehre und akademischen Austausch. Die KL hat alle Voraussetzungen, sich als Innovationsmotor in Niederösterreich im Bereich Gesundheitswissenschaften und Medizin noch stärker zu positionieren, bei gleichzeitiger regionaler Verankerung und internationaler Anschlussfähigkeit.
? Was macht die neue Aufgabe als Rektorin für Sie so reizvoll – worauf freuen Sie sich am meisten?
OLSCHEWSKI: Ich bringe langjährige Führungserfahrung an der Schnittstelle von Forschung, Lehre und klinischer Praxis mit. Diese Fähigkeiten einzusetzen und die KL aktiv mitzugestalten, ist für mich besonders reizvoll. In meiner bisherigen Laufbahn war es mir immer wichtig, Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu gestalten, etwa beim Aufbau interprofessioneller Teams, in der Entwicklung akademischer Programme oder in der strategischen Positionierung von Institutionen. Dieses Know-how nun in dieser Rolle an der Spitze der KL einbringen zu können, ist ein großer Antrieb.
? Was bedeutet Führung für Sie konkret?
OLSCHEWSKI: Führung ist für mich die Kunst, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen ihr Potenzial entfalten können, kluge Strukturen ermöglichen und gleichzeitig im Miteinander inspirierend wirken. Ich möchte Vertrauen schaffen, Dialog fördern und gemeinsam mit Kollegen strategischen Weitblick weiterentwickeln und damit Zukunft ermöglichen.
? Wenn Sie an Ihren ersten Arbeitstag denken: Worauf freuen Sie sich ganz konkret?
OLSCHEWSKI: Zunächst alle Mitarbeitenden zu begrüßen und dann auf einen Spaziergang am Campus – mir gefällt die Campuslandschaft sehr gut, die Architektur bindet die Natur besonders gut ein. Ich freue mich auf den informellen Austausch, auf Begegnungen in den Küchen und Fluren, auf das Kennenlernen. Und vielleicht am Abend noch darauf, in der Filmbar im Kino im Kesselhaus eine Pinsa zu essen – die ist wirklich gut.
? Was möchten Sie Studierenden und Mitarbeitenden für die Zukunft mitgeben?
MALLINGER: Den Mitarbeitenden möchte ich einfach sagen: „Weiter so.“ Ich bin sehr stolz auf das gesamte KL-Team und ich bin sicher, dass meine Nachfolgerin sie genauso motivieren kann. Den Studierenden wünsche ich eine erfolgreiche Karriere und freue mich, wenn sie mit der Universität durch eine Mitgliedschaft im Alumni-Club auch ideell mit uns verbunden bleiben.
rh
FOTOS: ZVG, KARL LANDSTEINER PRIVATUNIVERSITÄT