KI-gestützte Dokumentation im Praxisalltag

Die medizinische Dokumentation bindet in vielen Ordinationen und im Spitalsalltag erhebliche Ressourcen. Zeit, die zulasten des direkten Patientenkontaktes und am Ende auch der Arbeitsqualität geht.

KI-basierte Sprach-zu-Text-Systeme setzen genau hier an und sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie transkribieren das Gespräch in Echtzeit und erstellen daraus eine strukturierte klinische Notiz, die ärztlich geprüft und anschließend in das gewohnte Praxisverwaltungs­system übernommen wird.

Vorteile im Patientenkontakt

Im Kern geht es um die Reduktion wiederkehrender Schreibarbeit zwischen oder nach Konsultationen. In Pilotsettings berichteten Anwender von spürbaren Zeitgewinnen, die besser für Vor- oder Nachbearbeitung genutzt werden können. Damit verbunden ist auch noch ein weiterer Effekt: Während des Gesprächs kann die Aufmerksamkeit stärker beim Patienten bleiben, weil weniger parallel getippt, gesucht oder formuliert werden muss. Eine KI-gestützte Dokumentation kann Notizen konsistenter gliedern und relevante Inhalte systematisch erfassen. In Pilotstudien wurde auch überprüft, ob das, was die KI-basierten Systeme „verstehen und wiedergeben“, auch von passender Qualität ist. Überprüft wurde die Notizqualität beispielsweise von Noteless, einem digitalen Assistenten für medizinische Dokumentationen, der in norwegischen Spitälern bereits über 100.000 Dokumentationen pro Woche übernimmt und nach skandinavischen Sicherheitsstandards entwickelt wurde. Die Ergebnisse überzeugen mit guten bis sehr guten Bewertungen, insbesondere im Hinblick auf Vollständigkeit und Ordnung. Wichtig bleibt trotz aller KI-Unterstützung, dass am Ende die Verantwortung beim Arzt bleiben muss. Die Transkription muss ebenso wie medizinische Inhalte geprüft und bei Bedarf sprachlich angepasst werden.

Hohe Compliance garantiert

KI-Systeme werden nur dann Einzug in den Alltag der Ärzte halten, wenn sie den typischen Workflow tatsächlich leichter machen sowie rasch und einfach zu bedienen sind. Dafür müssen sie bewusst schlank gehalten werden und das gelingt etwa bei Noteless, indem wenige einfache Schritte nötig sind: Konsultation starten, Notiz erstellen lassen, prüfen und in das Dokumentationssystem übertragen. Eine tiefe Systemintegration ist nicht zwingend erforderlich, denn die Übernahme erfolgt nach der Kontrolle einfach durch „Copy-Paste“.  Wichtig ist, dass das System in wenigen Minuten einsatzbereit ist und keine Patientendaten lokal am Gerät gespeichert werden.

Lungenfacharzt Dr. Bjarte Nore arbeitet in einer Notfallpraxis und beschreibt die Vorteile überzeugend: „Wir wollten Noteless ein halbes Jahr testen, sind aber schon nach den ersten drei Monaten überzeugt, dass wir im Alltag auf die KI-gestützte Dokumentation nicht verzichten wollen. Die Arbeit wird schneller und die Qualität der Dokumentation besser.“ 70.000 Konsultationen pro Jahr sollen künftig über das System in unserer Einrichtung abgewickelt werden. „Wir haben auch rund 170.000 telemedizinische Patientenkontakte, wo wir auch schon eine Einführung planen“, so Nore.

Die Konformität mit der EU Medical Device Regulation (MDR) ist das zentrale Kriterium für Sicherheit und Einsatzfähigkeit im klinischen Alltag. Eng damit verbunden ist die CE-Kennzeichnung und damit ein wichtiges Vertrauens- und Beschaffungssignal, insbesondere bei KI-Tools, die hochsensible Gesundheitsdaten verarbeiten. Die MDR-Konformität und CE-Kennzeichnung eines Medizinproduktes – und dazu zählt in bestimmtem Umfang auch Software – garantieren, dass die Lösung auf dem europäischen Mark einsetzbar ist.

rh

„KI-gestützte Dokumentation erleichtert den Arbeitsalltag enorm.“

Lungenfacharzt Dr. Bjarte Nore

 
 

Nachgefragt bei ...

... Dr. Andreas Meschenmoser, Gemeinschaftspraxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Warum haben Sie sich für ein KI-unterstütztes Dokumentationstool entschieden?

In meiner Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie als Zuweisungspraxis kommen jeden Tag viele Neupatienten zu uns. Entsprechend besteht ein hoher Dokumentationsbedarf bei der Anamnese, Befundung, Planung und Aufklärung. Auch zur Erfassung der durchge-führten Leistungen durch die Abrechnung ist eine exakte OP-Dokumentation wichtig. Noteless als KI-unterstütztes Dokumentationstool erleichtert uns die tägliche Arbeit am Patienten.

Welche Vorteile bringt Noteless konkret?

Durch die automatische Erfassung der wichtigen Besprechungspunkte wird mein Team deutlich entlastet und kann sich um die eigentliche Patientenbe-handlung intensiver kümmern. Auch teils sprachliche Defizite des Assistenzpersonals werden damit kompensiert, denn wir haben einen hohen Anteil von Mitarbeitern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Wichtige Punkte werden nicht mehr vergessen. Eine schnelle ärztliche Kontrolle der von der KI erfassten Punkte kann mit anschließender Übertragung mit Copy and Paste in die digitale Krankenakte erfolgen.

Wenn Sie Noteless einem Kollegen empfehlen müssten, wie würden Sie es beschreiben?

Es handelt sich um eine etablierte KI-unterstützte Dokumentationshilfe, die den anspruchsvollen Datenschutzrichtlinien entspricht. Eine Verbesserung der Dokumentationsqualität und Ent-lastung der Ärzte und des Personals sind damit möglich.

Wir verwenden Noteless bisher in fünf Behandlungszimmern mit den mitgelieferten Mikrofonen am PC. Nach der Besprechung erfolgen die Kontrolle der Zusammenfassung der Gespräche durch den Arzt und die Übertragung in die Patientenakte erfolgt mit zwei Klicks.


FOTOS: ZVG, ISTOCKPHOTO/ VISUAL GENERATION, BITTNER TEAM, ISTOCKPHOTO/ WHYFRAMESTUDIO
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Medizinische Trainingstherapie in der Rehabilitation